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Verkehrsunfälle wegen Alkohols am Steuer: Im Jahr 2018 kam es rund 36.000 Mal dazu, dabei wurden 244 Menschen getötet und über 17.000 verletzt. Wir fassen die Promillegrenzen und Strafen zusammen.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
21:00 Uhr
Sender
SWR Fernsehen

Jeder 13. Verkehrsunfalltote in Deutschland stirbt, weil der Unfallverursacher zuviel Alkohol getrunken hat. Umstritten ist in der Gesellschaft die Bestrafung der Schuldigen vor Gericht. Die fällt oft verhältnismäßig niedrig aus. Wir haben zusammengefasst, welche Strafen für das Fahren unter Alkoholeinfluss drohen, auch wenn es keinen Unfall gibt.

Inhaltsverzeichnis:


Alkoholverbot für Fahranfänger und junge Fahrer

Wer unter 21 Jahre alt ist oder noch in der Probezeit, der darf keinen Tropfen Alkohol trinken, wenn er danach Auto fahren will. Selbst wenn kein Unfall passiert, sind 250 Euro Geldbuße fällig und der Fahrer bekommt einen Punkt in Flensburg im Fahreignungsregister des Kraftfahrt-Bundesamtes. Zusätzlich wird die Probezeit von zwei auf vier Jahre verlängert und der Betroffene muss ein Seminar besuchen.

Promillegrenzen für alle anderen Autofahrer

Die Folgen einer Alkoholfahrt für alle anderen Fahrer hängen stark davon ab, welcher Blutalkoholwert ermittelt wird und ob es zu einem Unfall kam. Liegt der Wert zwischen 0,5 und 1,09 Promille Alkohol im Blut und der Fahrer ist trotzdem nicht aufgefallen, ist dies eine Ordnungswidrigkeit. Sie zieht in der Regel einen Bußgeldbescheid über 500 Euro nach sich, ein Fahrverbot für einen Monat und zwei Punkten in Flensburg. Im Wiederholungsfall wächst das Bußgeld auf bis zu 1.500 Euro an und es gibt drei Monate Fahrverbot.

Wird einem Autofahrer eine Blutalkoholkonzentration von 1,1 Promille oder mehr nachgewiesen, gilt derjenige – auch ohne offensichtliche Ausfall-Erscheinungen — als absolut fahruntüchtig und hat eine Straftat begangen. Aber auch bei deutlich geringeren Mengen Alkohol im Blut, nämlich schon ab 0,3 Promille kann eine Straftat vorliegen – etwa dann, wenn der Fahrer Schlangenlinien fährt. Hier spricht man von relativer Fahruntauglichkeit. Sie zieht eine Geldstrafe nach sich – oder auch eine Haftstrafe, sofern der Mensch schon öfter in dieser Weise aufgefallen ist. Er darf mindestens ein halbes Jahr lang nicht mehr Auto fahren. Hat er betrunken einen Unfall verursacht, mindestens ein ganzes Jahr.

Höhe der Geldstrafe ist unterschiedlich

Wie hoch bei der Straftat "Trunkenheit im Verkehr" eine Geldstrafe bei ausfällt, berechnet das Gericht anhand der Einkünfte des Fahrers. Ihm wird außerdem die Fahrerlaubnis entzogen – zwischen sechs Monaten und fünf Jahren. Frühestens drei Monate vor Ablauf der Sperrfrist kann er eine neue Fahrerlaubnis beantragen. Ab 1,6 Promille Alkohol im Blut oder bei wiederholten Trunkenheitsfahrten muss er den so genannten „Idiotentest“ machen, die medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU).

Auch Radfahrer und Fußgänger können bei Alkoholmissbrauch belangt werden

Auch Radfahrer mit mehr als 1,6 Promille Alkohol im Blut begehen eine Straftat, sie bekommen eine Geldstrafe sowie zwei Punkte im Fahreignungsregister und müssen die MPU machen. Wer durchfällt, verliert die Fahrerlaubnis. Besteht die Gefahr, dass derjenige erneut mit Alkohol im Blut aufs Fahrrad steigt, kann die Behörde auch das Fahrradfahren verbieten.

Fußgänger dürfen zwar betrunken unterwegs sein, das heißt aber nicht, dass sie ohne Buße oder Strafe davonkämen – sollten sie einen Unfall verursachen. Sie können in die Haftung genommen werden und auch Punkte in Flensburg bekommen – allerdings nur bei erheblichen Verstößen, die mit mindestens 60 Euro geahndet werden. Einem Fußgänger kann sogar sein Führerschein entzogen werden — etwa, wenn es Hinweise darauf gibt, dass er alkoholabhängig ist.

Paradox: Viel Alkohol kann vor Strafe schützen

War ein Autofahrer so stark betrunken, dass er als schuldunfähig eingestuft wird, kann er dadurch einer Strafe entgehen. Der Paragraph 323a im Strafgesetzbuch – auch „Vollrausch-Paragraph“ genannt — soll das verhindern. Um ihn anwenden zu können, muss bewiesen werden, dass der Autofahrer sich vorsätzlich oder fahrlässig in einen Rausch versetzt hat und dadurch eine rechtswidrige Tat begangen hat. Falls dem so ist, kann eine Haftstrafe bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe verhängt werden. Der Fahrer entgeht dadurch allerdings auch der Anklage auf z.B. fahrlässige Tötung oder Körperverletzung – und die Strafe nach §323a darf nicht schwerer sein, als sie für diese Taten gewesen wäre. Die Anwendung des „Vollrausch-Paragraphen“ ist in der Gesellschaft deswegen oft umstritten.

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