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Schnitzel, Steaks oder Braten gibt es für wenige Euro pro Kilo. Wie geht das, welche Kosten stecken in sogenanntem Billigfleisch auf dem Weg vom Stall zum Teller?

Wenig Geld pro Schwein für den Bauern

Nicht selten zahlen Kunden an der Kasse weniger als fünf, sogar weniger als vier Euro pro Kilo - zum Beispiel für Schweinenacken. Beim Bauern kommt davon nur ein Bruchteil an. Wie viel genau, das schwankt stark.

Futterkosten spielen große Rolle

Im Moment bekommt ein Landwirt pro Kilo Schlachtgewicht rund 1,70 Euro. Das ist eher normal trotz der Corona-Krise und der Absatzprobleme, die sie gebracht hat. Ein Schwein wiegt bei der Schlachtung um die 100 Kilo.

Verdienen kann ein Bauer an einem Schwein in guten Zeiten 20 Euro, in schlechten Zeiten können es fünf sein oder er muss sogar drauflegen. Das hängt ganz wesentlich von den Preisen für Futtermittel ab, für Soja und Getreide. Zwei Drittel der Kosten sind Futterkosten.

Ganz generell kommt ein immer kleinerer Anteil bei den Bauern an - von dem, was Verbraucher für Lebensmittel bezahlen, wie das Thünen-Institut beobachtet. Im Moment, so die Beobachter, etwa ein Viertel.

Ein Schwein schaut im Stall über ein Gitter (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
An einem Schwein kann ein Bauer zwischen fünf und 20 Euro verdienen Picture Alliance

Schlachten in Deutschland besonders günstig

Schlachten ist ein internationales Geschäft. In Deutschland wird deutlich mehr geschlachtet, als hier eingekauft wird. Das Fleisch geht also auch in den Export. Und die deutsche Schlachtindustrie schlachtet auch Tiere aus dem Ausland. Das lohnt sich zum Beispiel bei Schweinen aus Dänemark.

Dauer

Einen Schlachtbetrieb kostet für Lebensmittel verwertbares Schweinefleisch etwa 2,40 Euro pro Kilo. Denn nur etwa 70 Prozent des geschlachteten Tieres sind für Nahrungsmittel geeignet.

Die weiteren Kosten setzen sich dann zusammen aus rund 10 Euro pro Tier für das Schlachten und noch einmal etwas mehr für das Zerlegen. Etwa 20 Prozent davon sind Lohnkosten. Das ist so viel wie die Gebühr für die amtliche Fleischbeschau.

Lohnkosten und Schlachtmenge entscheiden

Beides sind für die Unternehmen Stellschrauben, um Kosten zu senken. Einmal ist es so: Je mehr Tiere an einem Ort geschlachtet werden, desto günstiger wird neben anderen Posten auch die Fleischbeschau.

Der zweite Punkt sind die Arbeitskosten. Um hier zu sparen sind Arbeiter häufig bei Fremdfirmen und nicht den Unternehmen selbst angestellt.

Unterm Strich sind dann Kosten von wenig mehr als 10 Cent pro Kilo möglich.

Die gesamten Personalkosten in der Verarbeitung tragen am Ende nur zu etwa zwei Prozent zum Fleischpreis bei.

Schweinehälften hängen in einem Schlachthof (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / Jens Büttner/dpa)
Die deutsche Schlachtindustrie gilt als die effizienteste in Europa picture alliance / Jens Büttner/dpa

Tipps dazu, was Verbraucher tun können, die dieses System nicht unterstützen wollen, gibt es hier.

Wenige Firmen bestimmen den Markt

Ein wichtiger Faktor ist auch der Wettbewerb. Er ist hart und gleichzeitig auf einen kleinen Kreis beschränkt: Tönnies schlachtet 30 Prozent der Schweine in Deutschland, fast 10 Prozent alleine im Werk in Rheda-Wiesenbrück. Die Top-Drei, Tönnies, Vion und Westfleisch, teilen sich zusammen fast 60 Prozent der Schlachtungen.

In einer Auslage sind unterschiedliche Fleischstücke zu sehen (Foto: Imago, imago images/ingimage)
Hinter billigem Fleisch für Verbraucher steht ein harter Wettbewerb Imago imago images/ingimage

Auf der anderen Seite stehen Edeka, Rewe, Aldi und Lidl, die 85 Prozent der Nahrungsmittel in Deutschland verkaufen. Sie liefern sich seit Jahren einen harten Kampf um Preise und Kunden. Fleisch ist häufig Aktionsware - es soll Kunden in die Läden locken und vor allem billig sein.

Ein Rechenbeispiel: ein Kilo Schweinenacken, im Handel im Angebot für 3,99 Euro. Zieht man Steuer, was der Landwirt bekommt und sonstige Kosten der Fleischindustrie ab, bleiben in etwa 1,10 Euro übrig.

Wie viel genau am Ende an Gewinn bei der Schlachtindustrie und beim Handel jeweils anfallen, ist schwer zu bestimmen. Die Konzerne lassen sich nicht gern in die Karten schauen.

Klar ist: die Margen sind klein. Gute Geschäfte lassen sich nur über die Masse machen.

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