Kugelschreiber liegt auf Formular für Steuererklärung (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Stichtag 2. August 2021

Das müssen Sie zur Steuererklärung wissen

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Warum sich eine Steuererklärung lohnt, welche Ausgaben man in Coronazeiten zusätzlich absetzen kann, und was bei Homeoffice und Kurzarbeit zu beachten ist.

Warum lohnt es sich, freiwillig eine Steuererklärung zu machen?

Neun von zehn Leuten zahlen zu viele Steuern und bekommen deswegen Geld zurück: Und zwar durchschnittlich 1.027 Euro, so das Statistische Bundesamt. Dass jemand Steuern nachzahlen muss, ist selten – aber nicht ausgeschlossen. Wer die Steuererklärung freiwillig gemacht hatte, kann sie innerhalb eines Monats zurückziehen und damit die Nachzahlung abwenden.

Wer muss eine Steuererklärung machen?

Selbstständige oder Menschen, die zusätzlich zu einer Anstellung freiberuflich arbeiten, aber auch viele Arbeitnehmer – sofern bestimmte Umstände auf sie zutreffen. Wer beispielsweise ein Haus oder Wohnungen vermietet und damit mehr als 9.000 Euro steuerfrei einnimmt, ist zur Steuererklärung verpflichtet.

Auch wer 2020 insgesamt mehr als 410 Euro Kurzarbeitergeld bekommen hat, muss die Erklärung abgeben. In der Coronakrise wird das also deutlich mehr Arbeitnehmer treffen als in anderen Jahren. Die 410-Euro-Grenze gilt außerdem für Arbeitslosengeld sowie Kranken- und Elterngeld.

Was ist bei Kurzarbeitergeld zu beachten?

Wenn für den Arbeitslohn zu viel Lohnsteuer abgezogen wurde, gibt es Geld vom Finanzamt zurück. Aber: Wenn der Arbeitnehmer verkürzt gearbeitet hat und sein Lohn mit Kurzarbeitergeld aufgestockt wurde, kann auch eine Steuernachzahlung möglich sein. Kurzarbeitergeld selbst ist zwar steuerfrei, unterliegt aber dem Progressionsvorbehalt. Das bedeutet, Kurzarbeitergeld erhöht den Steuersatz für die übrigen Einkünfte. Dabei kann man pauschal sagen: Wer wochenlang gar nicht arbeiten gehen konnte und später dann wieder Vollzeit, wird von Nachzahlungen weniger betroffen sein als jemand, der parallel zum Lohn - für weniger Wochenarbeitsstunden - auch Kurzarbeitergeld bekommen hat.

Tipp für Ehepaare mit Kurzarbeitergeld

Es lohnt sich jetzt für Ehepaare, bei der Steuererklärung für 2020 zu prüfen, ob es steuerlich günstiger ist, statt der Zusammenveranlagung die Einzelveranlagung zu wählen. Steuerberater, Lohnsteuerhilfevereine und Steuerprogramme können dies ausrechnen.

Welche Regeln gelten bei Homeoffice für die Steuererklärung?

Auch wer kein separates Arbeitszimmer hat, kann die Kosten für Homeoffice mit einer Tagespauschale von fünf Euro pro Tag absetzen. Allerdings wird die Homeoffice-Pauschale bei einer Vollzeitstelle nur für 120 Tage pro Jahr gewährt. Das ergibt maximal 600 Euro. Dagegen steht aber die Werbungskostenpauschale von 1.000 Euro, die jedem Arbeitnehmer sowieso zusteht. Deshalb wirkt sich Homeoffice allein steuerlich noch nicht aus: Entscheidend ist, ob man noch weitere Werbungskosten hatte, etwa durch einen neuen Drucker oder Schreibtischstuhl.

Was kann man von der Steuer absetzen - auch wegen der Pandemie?

Zum Beispiel alle Kosten, die direkt mit dem Beruf zu tun haben. Wer etwa einen neuen Laptop kauft, den er auch dienstlich nutzt, kann ihn in der Steuererklärung angeben. Das dürfte in der Pandemie für viele Menschen gelten und ihnen steuerliche Vorteile bringen. Alles, was für zu 800 Euro ohne Mehrwertsteuer gekostet hat, kann sofort abgeschrieben werden - darüber hinaus wird monatsgenau über die Jahre der Nutzung verteilt.

Auch Fahrtkosten zur Arbeit oder Umzugskosten sind von der Steuer absetzbar – sofern der Umzug beruflich bedingt war. Zudem können Kosten für die Altersvorsorge teils die Steuerlast mindern, genauso wie Rechnungen für Handwerker oder der Lohn der Haushaltshilfe. Sogar Kosten für eine Beerdigung können in der Steuererklärung berücksichtigt werden, zumindest wenn sie höher sind als das Erbe.

Generell gibt es derzeit bei allgemeinen außergewöhnlichen Belastungen eine Grenze, bis zu der man die Kosten selbst tragen muss. Bewahren Sie am besten alle Belege für Krankheitskosten auf, insbesondere für hohe Rechnungen wie zum Beispiel eine Brille oder Zahnersatz.

Wie lange habe ich noch Zeit für die Steuererklärung?

Wer eine Steuererklärung abgeben muss, hat bis zum Sommer Zeit – Stichtag ist der 31. Juli. Da er aber dieses Jahr auf einen Samstag fällt, gilt die Frist noch bis zum nächsten Werktag: Das ist der Montag, 2. August 2021. Wer die Frist nicht einhalten kann, sollte sie auf keinen Fall einfach so verstreichen lassen, sondern formlos eine Fristverlängerung beim Finanzamt beantragen. Dafür muss ein triftiger Grund angegeben werden. Wer die Steuererklärung bei einem Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein machen lässt, hat bis Februar 2022 Zeit.

Welche Belege und Bescheinigungen müssen dabei sein?

Anders als früher müssen nur dann Belege mit der Steuererklärung eingereicht werden, wenn das im Formular ausdrücklich verlangt wird. Ansonsten wird die Steuererklärung ohne Belege abgeschickt. Trotzdem müssen Sie alles, was Sie in Ihrer Steuererklärung geltend machen, belegen können. Das Finanzamt kann die Nachweise nachfordern – im Fall einer Steuerhinterziehung bis zu zehn Jahre lang.

Wie lange dauert es, bis der Steuerbescheid kommt?

Finanzbeamte sind nicht verpflichtet, die Steuererklärung innerhalb einer bestimmten Frist zu bearbeiten. In der Regel dauert es zwischen vier und acht Wochen, bis der Bescheid im Briefkasten liegt. Wer nach drei Monaten noch nichts gehört hat, kann nachfragen. Nach sechs Monaten kann man die Bearbeitung auch anmahnen.

Was passiert, wenn die Steuererklärung zu spät eingeht?

Ein paar Tage sind normalerweise kein Problem. Wenn es deutlich später werden sollte, am besten eine Fristverlängerung beantragen. Geht die Steuererklärung innerhalb von 14 Monaten ein, können die Behörden entscheiden, ob sie einen Verspätungszuschlag von mindestens 25 Euro pro Monat ansetzen. Dauert es noch länger, sind die Zuschläge aber keine Ermessenssache mehr, sondern ein Muss. Dazu können Zwangsgelder kommen, eine Steuerschätzung und Verspätungszinsen.

Welche Strafen drohen bei einer Steuerhinterziehung?

Bei Summen bis zu 50.000 Euro hinterzogener Steuern droht in der Regel eine Geldstrafe, danach ist auch eine Haftstrafe oder eine Kombination aus beidem möglich. In einigen Fällen kann die Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden, bei besonders schweren Taten sind bis zu zehn Jahre Haft möglich.

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