Ein Verkehrsschild weist die Autofahrer bei Regenwetter auf die Mautpflicht hin. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Weniger Verkehr in Innenstädten? Städtetag will City-Maut testen

Stau, Lärm, Gestank, Abgase: In Deutschlands Städten sind zu viele Autos unterwegs. Der Deutsche Städtetag will jetzt neue Lösungen ausprobieren.

Fragen an Martin Thiel aus der SWR-Umweltredaktion.

Was schlägt der Deutsche Städtetag vor?

Die Städte sollen ausprobieren dürfen, was für sie am sinnvollsten ist. Also tatsächlich eine City-Maut, bei der die Einfahrt in die Stadt Geld kostet, oder zum Beispiel Nahverkehrsabgaben, mit denen Bürgertickets für Busse und Bahnen finanziert werden. Wichtig sei am Ende aber, dass die Bevölkerung die entsprechenden Lösungen akzeptiert.

Genau das könnte im Autoland Deutschland aber wohl schwer werden. Denn viele wollen offenbar lieber individuell in die Stadt und dort im Stau stehen, als mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren. Oder andersrum formuliert: Es ist offensichtlich noch zu billig, selbst mit dem Auto in die Stadt zu fahren, doch an eine City-Maut trauen sich die Städte bisher noch nicht wirklich ran.

Klar ist: Um Staus, Lärm, Gestank und Abgase zu vermeiden, müssen es weniger Autos werden. Und das heißt am Ende mehr ÖPNV, mehr Rad- und mehr Fußgängerverkehr.

London hat schon eine City-Maut. Wie funktioniert die?

In London gibt es zwei Gebühren: Eine Stauabgabe von 11,50 Pfund (ca. 13,30 Euro), die immer werktags von 7 bis 18 Uhr erhoben wird. Außerdem gibt es eine Abgasgebühr, die immer gilt. Seit April betrifft die Dieselautos, die nicht mindestens der Euro-5-Norm entsprechen und Benziner, die älter sind als Euro 4. Die zahlen jeweils 12,50 Pfund (ca. 14,50 Euro). Für Laster und Reisebusse sind 100 Pfund (ca. 116 Euro) fällig.

Ein Bus fährt in London auf die Begrenzungszeichen des City-Maut Gebietes zu. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
In London gilt die City-Maut bereits seit 2003. Picture Alliance

Luftverschmutzung ist in London aber auch ein echtes Problem: In der gesamten Stadt werden die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu Grenzwerten von gesundheitsgefährdenden Partikeln wie Stickoxiden und Feinstaub regelmäßig übertroffen. Rund 1000 Londoner lassen sich jedes Jahr mit Atemwegsproblemen, die auf die Verschmutzung zurückzuführen sind, in den Krankenhäusern der Metropole behandeln.

Die Maut alleine bringt's nicht

Die erste Stadt, die das sogenannte „mobility pricing“ eingeführt hat, um den Verkehr über Gebühren zu regeln, war bereits 1975 Singapur. Da ist das Autofahren richtig teuer. Los geht's mit etwa 10 Euro Gebühren, je nach dem wann und wie weit man fährt, wird's teurer. Die höchsten Preise sind natürlich zur Rush Hour fällig. Außerdem werden Auto-Neuzulassungen versteigert und Neuwagen empfindlich besteuert. Damit ist das Autofahren eine echte Geldfrage: Ein Polo kostet da schon mal 80 000 Euro.

Aber Singapur ist in seiner Verkehrspolitik auf jeden Fall konsequent und hat parallel tolles ÖPNV-Netz aufgebaut. Andere Städte wie Stockholm, Oslo, London oder Zürich haben nachgezogen. Denn oft wird kritisiert, dass es nicht nur teuer werden darf, sondern auch Alternativen angeboten werden müssen – zum Beispiel Park-and-Ride-Plätze und günstige öffentliche Verkehrsmittel.

Wie weit sind die Planungen bei uns?

Hierzulande wird vor allem über das Was und Wie diskutiert, allerdings nur sehr zögerlich. Zwar wissen alle, dass etwas getan werden muss, aber eine City-Maut ist einfach unpopulär. Für mich ist hingegen klar: Autofahren in der Stadt wird sicher teurer!

Der Deutsche Städtetag will bisher zumindest flächendeckende Abgaben vermeiden, weil Autofahrer schon genug belastet seien. In bestimmten Zonen, sollen solche Gebühren aber schon möglich sein. Und diese Einnahmen sollen dann zweckgebunden in den ÖPNV investiert werden. Die Planungen variieren aber je nach Stadt:

  • Stuttgart denkt über eine Nahverkehrsabgabe nach. Wer mit dem fahren will, bräuchte dann ein Ticket für den öffentlichen Nahverkehr, das auch für Busse und Bahnen genutzt werden kann. Mit dem zusätzlichen Geld könnten die Städte neue Fahrzeuge für ihren Nahverkehr finanzieren. Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) hat sich für eine solche Nahverkehrsabgabe ausgesprochen.
  • In Frankfurt am Main gibt es hingegen keine solchen Pläne – unter anderem, weil dazu keine Rechtsgrundlage existiere, sagte ein Sprecher des Verkehrsdezernats.
AUTOR/IN
STAND