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Viele Bekleidungsgeschäfte blasen derzeit zum Corona-Schlussverkauf: Rabatte von 20 Prozent sind keine Seltenheit. Die Probleme der Branche könnten dadurch noch wachsen.

Wochenlang mussten die meisten Geschäfte in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz zur Bekämpfung der Pandemie die Schotten dicht halten. Seit einigen Wochen sind die Geschäfte nun wieder offen. Und zum Neustart haben viele Ladenbetreiber offenbar direkt die Deko zum Schlussverkauf aus den Lagern geholt. Vor allem Kleiderläden werben mit "Super Sale"-Schildern, Rabatte von 20 Prozent und mehr sind keine Seltenheit.

Modebranche in der Corona-Falle

Mehr Rabatt heißt für die Händler eine geringere Marge, also weniger Gewinn pro verkauftem Rock oder Anzug. Eigentlich können die Inhaber und Inhaberinnen das derzeit gar nicht gebrauchen. Denn während der Corona-Pause hatten die Geschäfte sechs Wochen lang kaum Einnahmen, dabei liefen viele Kosten einfach weiter, wie zum Beispiel die Miete für den Laden. Zwar können Mietzahlungen in der Corona-Zeit für zwei Jahre gestundet werden, doch die Zahlung wird damit nur verschoben.

Die entgangenen Einnahmen müssen also nun wieder aufgeholt werden. Doch genau das wird durch die außerplanmäßigen Rabattaktionen deutlich schwieriger. Die Konkurrenz in den Innenstädten ist hart. Wenn ein Ladenbetreiber mit Rabatten lockt, wächst der Druck auf die anderen, nachzuziehen. Es droht ein Teufelskreis.

Kunden bleiben zögerlich

Für die Kunden ist das eigentlich ein Segen. Doch genau die kommen nach dem Ende des Shutdowns nur zögerlich in die Innenstädte zurück. Abstandsregeln, Mundschutz und Vorsicht - das scheint vielen auf die ungezwungene Einkaufsstimmung zu schlagen.

"Unter dem Mundschutz kriegt man kaum Luft und die Stimmung in den Läden ist einfach nicht so schön."

Passantin in Stuttgart

Regeln der Modebranche zwingen zur Rabattschlacht

Einer Umfrage des Handelsverbandes Deutschland muss jedes dritte Geschäft derzeit noch Umsatzeinbußen von 50 Prozent und mehr im Vergleich mit dem Vorjahr einstecken. Besonders schwierig ist die Lage für Textilhändler: Ihre Ware ist extrem saisonabhängig. Leichte Baumwollpullis und dünne Jacken, die der Handel im Frühjahr absetzt, sind spätestens zu Pfingsten nicht mehr gefragt. Doch genau diese Kleider stapeln sich bei vielen Geschäften derzeit in den Lagern. Sechs Wochen Lockdown während der Saison für Übergangsmode haben ihre Spuren hinterlassen.

"In den nächsten Wochen sollte es im Textilhandel zu größeren Preisaktionen kommt, weil die Lager mit der Frühjahrsware sehr voll sind."

Hermann Hutter, Handelsverband Baden-Württemberg

Die KIeider im nächsten Frühjahr wieder hervorzuholen, ist für die Läden keine Option. In der Modebranche gibt es jedes Jahr neue Trends bei Farben und Schnitten. Hosen und T-Shirts aus dem Vorjahr gelten als nahezu unverkäuflich. Den Geschäften bleibt also kaum eine Wahl, als ihre Ware zu verramschen. Die Regeln der Modeindustrie zwingen sie zur Rabattschlacht.

Weitere Rabatte zu erwarten

Es ist wahrscheinlich, dass sich der Preiskampf noch beschleunigen wird. Vielen Modeläden steht das Wasser bis zum Hals. Sie müssen also unbedingt ihre Umsätze steigern. Gut möglich, dass viele Händler dabei schmalere Gewinnmargen in Kauf nehmen. Das Rennen gegen die Corona-Krise könnte so für viele Läden zum Langstreckenlauf werden.

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