Ein Rindersteak vom Grill mit Rautenmuster hält am Freitag (03.09.2010) in Köln ein Mann in der Hand.  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / dpa)

Negative Folgen des Fleischkonsums „Unsere" Rindersteaks vom Amazonas

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Der Hunger auf Rindfleisch wächst weltweit. Davon wollen auch Fleischproduzenten in Brasilien profitieren. Und roden den Urwald immer weiter für ihre Rinderweiden.

„Deutschlands Rinder weiden am Amazonas.“ Etwas Wahres ist an diesem Satz schon dran, denn zusätzlich zu den 17 Millionen Hektar landwirtschaftliche Fläche hier bei uns in Deutschland, belegen wir noch einmal gut 2,5 Millionen Hektar Nutzflächen im Ausland, um Fleisch zu erzeugen. Davon liegt ein Gutteil in Südamerika. Das ist an Fläche mehr als die Bundesländer Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz zusammen haben.

Rinderherde im Juli 2008 in Apiacas, Mato Grosso, Brasilien  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / dpa)
Brasiliens Fleischproduzenten wollen vom Trend zum gegrillten Premiumrindfleisch profitieren. picture alliance / dpa

EU gibt sich beim Flächenverbrauch für ihre Fleisch-Versorgung selbstkritisch

Die EU rechnet selbstkritisch vor, dass in den Jahren zwischen 1990 und 2008 am Amazonas eine Fläche groß wie Portugal gerodet worden ist, um die EU zu versorgen.

Der massive Landverbrauch in Brasiliens Regenwald hat dabei zwei Ursachen: Zum einen sind es die Weiden, auf denen die Rinder dort grasen. Denn dort braucht jedes Tier fast einen ganzen Hektar Weideland, um wirklich satt zu werden. Zum zweiten ist es der Anbau von Futter für unsere heimischen Rinder – das ist überwiegend Soja. Würden wir unseren inländischen Bedarf an Soja in Deutschland selbst decken wollen, müssten wir alleine dafür alle Äcker in Bayern nutzen.

Eine Verkäuferin greift in die Fleischtheke eines Supermarktes.  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/Sina Schuldt/dpa)
Durchschnittlich knapp 60 Kilogramm Fleisch isst jeder Deutsche im Jahr. picture alliance/Sina Schuldt/dpa

Ein bisschen Hoffnung durch Mercosur-Abkommen

Jeder EU-Bürger isst im Jahr zwar statistisch nur ein Steak aus Brasilien, aber der Flächenverbrauch deswegen ist trotzdem beachtlich. Bei der Entwaldung spielt der Faktor Rinderweiden also eine große Rolle: Denn 80 Prozent der abgeholzten Flächen werden - mindestens zunächst - zu Viehweiden. 

Das Mercosur-Abkommen zwischen der EU und vielen südamerikanische Staaten würde am Handel selbst gar nicht viel ändern. Auf Soja gibt es ohnehin keine Zoll-Gebühren und die Zölle auf Rindfleisch werden auch nur für eine Teilmenge gesenkt. Aber das Abkommen bietet den EU-Staaten zumindest die Möglichkeit Druck auf Brasilien auszuüben.

 01.02.2017, Argentinien, Buenos Aires: Rinder stehen auf der täglichen Auktion im Rinder-Markt von Liniers.  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/Juan Garff/dpa)
Die OECD rechnet damit, dass der Rindfleischkonsum in den wohlhabenden Industrieländern in zehn Jahren um acht Prozent zulegen wird. picture alliance/Juan Garff/dpa

Aktuell muss das Abkommen überhaupt einmal von allen Mitgliedsstaaten ratifiziert werden. Aber auch wenn es dann tatsächlich in Kraft treten sollte, bleiben weitere Daumenschrauben: Denn in diesem Abkommen verpflichtet sich Brasilien, gegen die Abholzung in Amazonien vorzugehen – aber vor allem seine Klimaziele unter dem Paris-Abkommen einzuhalten. Und diese zumindest sind sehr konkret.

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