Ein beleuchtetes Apothekenschild bei Nacht (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Reform des Apotheken-Gesetzes Stärkung der Vor-Ort-Apotheken geplant

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Bundesgesundheitsminister Spahn will das Apotheken-Gesetz reformieren. Doch nicht alles, was er da plant, wäre wirklich im Sinne der Patienten.

Wer in Deutschland ein verschreibungspflichtiges Medikament kauft, zahlt dafür in allen Apotheken vor Ort den gleichen Preis. Wenn man sich aber bislang online umgeschaut hat, bekam man manche Medikamente bei Versandapotheken im Ausland auch billiger – etwa über einen Rabatt oder Bonus.

Das möchte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf Druck der deutschen Apotheker aber künftig verbieten. Das Ganze ist allerdings noch lange nicht in trockenen Tüchern. Denn erst 2016 hatte der Europäische Gerichtshof den ausländischen Versandapotheken ausdrücklich erlaubt, solche Rabatte zu gewähren – um überhaupt auf dem deutschen Markt Fuß fassen zu können.

Dauer

Gegenwind aus Brüssel wegen Medikamenten-Preisgarantie erwartet

Mit seiner Rolle rückwärts stellt sich Spahn also nunmehr gegen dieses europäische Prinzip des freien Warenverkehrs – und muss dafür wohl mit ordentlich Gegenwind aus der EU rechnen.

Kritik gegen das Apothekenreform-Gesetz kommt aber auch aus dem Inland: Das Gesetz sei in erster Linie Apotheker-freundlich und nicht Kunden-freundlich, heißt es etwa. Denn die allermeisten Apotheken-Kunden hätten so künftig gar keine Möglichkeit mehr, ihre verschreibungspflichtigen Medikamente irgendwo anders her günstiger zu beziehen. Der Wettbewerb bei Arzneimittel-Preisen wäre also praktisch tot – zumindest für gesetzlich Versicherte.

Eine Tragetasche mit dem Apotheken-Logo hängt während des 10. Niedersächsischen Apothekertags über der Schulter eines Mannes.  (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Gesetzlich Versicherte sollen ihre Medikamente künftig nirgendwo mehr billiger bekommen können - vor allem nicht übers Interent. Picture Alliance

Allein Privatpatienten könnten weiter von Online-Rabatten profitieren

Deutschen Privatversicherten sollen die ausländischen Versandapotheken hingegen weiterhin Rabatte einräumen können. Das sind immerhin elf Prozent der Versicherten.

Mehr Geld für Apotheken-Notdienste und besondere Service-Leistungen

  • Durch die Reform des Apotheken-Gesetzes sollen die Apotheken zusätzlich Geld bekommen, wenn sie Nacht- oder Notdienste leisten.
  • Außerdem sollen Apotheker künftig für ihre Kunden auch einen Medikationsplan anlegen können, damit ihre Patienten zum Beispiel nicht verschiedene Medikamente einnehmen, die sich gegenseitig behindern. Für die Kunden soll dieser Service kostenlos sein.
  • Für chronisch Kranke soll es die Möglichkeit geben, künftig mit nur einer Verordnung ihre Medikamente bis zu drei Mal in der Apotheke bekommen.
  • Und es soll auch – zunächst allerdings regional begrenzt – die Möglichkeit geben, sich künftig in den Apotheken etwa gegen Grippe impfen zu lassen.
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