Ein Kunde zahlt in einem Supermarkt mit einer EC-Karte an der Kasse. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Daniel Karmann/dpa)

Bargeld vs. Kartenzahlung Deutsche zahlen erstmals mehr mit Karte

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2018 haben die Deutschen die Giro- oder Kreditkarte öfter gezückt und damit bezahlt. Die Summe bei Einkäufen mit Karte lag zum ersten Mal höher als beim Bezahlen in bar.

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Die Deutschen lieben ihr Bargeld, und trotzdem haben sie zum ersten Mal im stationären Handel mehr Geld mit Karte ausgegeben als in bar. Das Handelsforschungsinstitut EHI in Köln hat entsprechende Zahlen veröffentlicht.

Fragen an Michael Wegmer, SWR Aktuelle Wirtschaft

Wie viel ist in bar bezahlt worden, wie viel mit EC- oder Kreditkarte?

An einer Supermarktkasse in einem Lebensmittelmarkt wird mit Bargeld bezahlt. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Armin Weigel/dpa)
Manch einer macht das Zahlungsmittel von der Höhe der Rechnung abhängig. picture alliance/Armin Weigel/dpa

Die Karte liegt nur ganz knapp vorne. Waren im Wert von 209 Milliarden Euro sind im vergangenen Jahr im stationären Handel, also im Laden, mit Karte bezahlt worden. 208 Milliarden Euro, also nur eine weniger, sind in bar geflossen. In Prozenten ausgedrückt liegt der Umsatzanteil der Karte bei 48,6 Prozent - das Bargeld ist knapp dahinter.

Ein paar wenige Prozente entfallen auf Kauf per Rechnung, mit Gutscheinen oder über eine Finanzierung. Das ist keine neue Entwicklung. Der Umsatz von Kartenkäufen hat in den vergangenen Jahren immer weiter zugenommen. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis die Karte das Bargeld überholt – 2018 ist es passiert.

In vielen Umfragen wurde ermittelt, dass die Deutschen auf keinen Fall auf Bargeld verzichten möchten. Wie passt das zusammen?

Das passt erstaunlicherweise gut zusammen. Denn in Summe wird zwar viel mit Karte gekauft, aber das liegt an einzelnen, großen Einkäufen. Möbel, Elektrogeräte – diese teuren Anschaffungen werden häufig mit Karte bezahlt. Aber der Alltagseinkauf, Lebensmittel zum Beispiel, der wird immer noch oft mit Bargeld erledigt.

Immer noch knapp 80 Prozent aller Einkäufe in Deutschland werden bar bezahlt, 30 Euro ist die Schwelle, die Händler ausmachen. Bargeld ist nach wie vor bei kleinen Alltagsbeträgen sehr beliebt. Unter zehn Euro ist der Anteil von Barzahlungen am größten.

Also sind wir noch weit weg etwa von Schweden, wo Bargeld kaum noch eine Rolle spielt?

Kunden stehen an Bankautomaten, um Bargeld zu ziehen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Tobias Kleinschmidt/dpa)
Die meisten Menschen in Deutschland haben gern Bargeld in der Tasche. picture alliance/Tobias Kleinschmidt/dpa

Ja, sind wir – und das wird auch noch lange so bleiben. Vor ein paar Monaten hat die Bundesbank eine Umfrage gestartet: Da haben fast 90 Prozent aller Befragten gesagt, sie möchten weiter in bar bezahlen können. In Deutschland ist es sehr einfach, an Bargeld zu kommen. Es gibt rund 60.000 Geldautomaten.

Eine bessere Kontrolle über Ausgaben nennen viele als Grund, warum sie weiterhin bar bezahlen möchten. Auch die Angst vor Datenklau beim Zahlen per Karte ist ein Grund. Außerdem hält sich der Handel zurück mit Investitionen in eine Payment-Infrastruktur. Auch das ist ein Ergebnis der aktuellen Studie.

Dazu gibt es in Deutschland noch keine flächendeckenden Kampagnen für eine bargeldlose Gesellschaft. Anders als in Schweden und Norwegen, wo Banken und Gewerkschaften sich massiv für die Abschaffung von Bargeld stark gemacht haben.

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