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Die Agrarminister der Länder beraten heute über eine verbesserte Tierhaltung. Diskussion gibt es über die Tierwohlabgabe beim Kauf von tierischen Produkten wie Fleisch oder Milch.

Bundesministerin Julia Klöckner (CDU) will bei der Agrarministerkonferenz nach eigenen Angaben für eine breite Unterstützung der Länder für den Umbau der Tierhaltung werben. Grundlage der Gespräche ist dabei die Empfehlung der sogenannten Borchert-Kommission, die weitgehende Vorschläge für einen radikalen Umbau der Nutztierhaltung gemacht hat. Die Kommission ist ein Kompetenznetzwerk unter Leitung des früheren Bundesagrarministers Jochen Borchert (CDU).

Die Borchert-Kommission schlägt einen Komplettumbau der deutschen Nutztierhaltung vor. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Swen Pförtner/dpa)
Die Borchert-Kommission schlägt einen Komplettumbau der deutschen Nutztierhaltung vor. picture alliance/Swen Pförtner/dpa

Kommission fordert massive Änderungen der Landwirtschaft

Gleich am Anfang der Empfehlung steht die gnadenlose Bestandsaufnahme: Die Tierhaltung in Deutschland in ihrer heutigen Form sei schlecht für Tiere und Umwelt. Die Landwirte werden entweder weiter an Akzeptanz verlieren, wenn sie einfach so weitermachen wie bisher. Oder sie werden pleite gehen, wenn sie freiwillig mehr Geld für den Tierschutz in die Hand nehmen. Es braucht nach Ansicht der Borchert-Kommission einen radikalen Neuanfang, wenn es auch in Zukunft in Deutschland noch Tierhaltung geben soll. Konkret schlägt die Kommission dann unter anderem eine Anhebung der Mindeststandards in den Ställen vor - mehr Auslauf für die Tiere, mehr Licht und Luft, dazu mehr Abwechslung. Das Ganze verpflichtend, und nicht freiwillig.

Müssen Verbraucher für Lebensmittel mehr bezahlen?

Damit die Bauern nicht auf den Kosten für den Stallumbau sitzen bleiben, fordert die Kommission eine Tierwohlabgabe. Bei jedem Einkauf sollen die Verbraucher etwas draufzahlen, vorgeschlagen sind 40 Cent pro Kilo Fleisch und 2 Cent pro Liter Milch. Für die Verbraucher würde der Einkauf damit etwas teurer werden. Dafür hätten sie Verlässlichkeit: Denn im Gegenzug soll es auf Lebensmitteln ein verpflichtendes Tierwohlkennzeichen geben. Das würde das aktuelle Dickicht aus freiwilligen Siegeln und Labeln deutlich lichten.

Viel Lob für Vorschläge der Borchert-Kommission

So radikal die Vorschläge sind: Sie haben bisher neben wenig Kritik vor allem viel Zustimmung erfahren. Auch deshalb, weil alle Beteiligten etwas von ihr hätten: Die Tiere hätten mehr Platz, Licht und Luft. Die Bauern hätten mehr Planungssicherheit und würden wettbewerbsfähiger werden. Die Verbraucher könnten sich über mehr Transparenz und Klarheit freuen. Geht es nach der Kommission, dann sollen ihre Vorschläge bis ins Jahr 2040 abgeschlossen sein. Die ersten Weichen dafür wurden bereits gestellt: Im Juli hat der Bundestag mit breiter Mehrheit die Bundesregierung aufgefordert, die Empfehlungen der Borchert-Kommission "in Konsequenz und in Gänze aufzugreifen".

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