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Im Herbst und Winter kommt es vermehrt zu Unfällen mit dunkel gekleideten Fußgängern. Können Autofahrer überhaupt rechtzeitig bremsen? Wir probieren es auf einem Testgelände aus!

Schwarze Jacke, graue Hose: gerade im Winter tragen viele Menschen dunkle Kleidung. Darunter leidet allerdings die Sichtbarkeit im Straßenverkehr massiv. Für Autofahrer sind die dunkel gekleideten Passanten oft erst spät zu erkennen, rechtzeitiges Bremsen ist nicht leicht. Das wird auch durch einen Blick in die Unfallstatistik deutlich: sie verzeichnet im Herbst und Winter rund ein Drittel mehr Unfälle mit Fußgängern.

Harry Wallenta vom Polizeipräsidium Stuttgart kennt das Problem: „Für den Autofahrer ist das natürlich schwierig, gerade wenn er dann vielleicht noch durch den Regen nasse Windschutzscheiben oder Gegenverkehr hat oder eine entsprechende Blendwirkung da ist. Dann wird es noch schwieriger, einen Fußgänger, der dunkel gekleidet ist wahrzunehmen. Wenn sich der Fußgänger dann auch noch falsch verhält, wird es für den Autofahrer fast unmöglich noch rechtzeitig anzuhalten. Mit heller reflektierender Kleidung kann ich einfach vermeiden, dass ich vielleicht total übersehen werde.“

DER TEST: HABEN AUTOFAHRER EINE CHANCE, RECHTZEITIG ZU BREMSEN?

Für unseren Test nutzen wir das ADAC-Testgelände. Dort bekommen die beiden Testfahrer Helmut R. und Leah S. eine Aufgabe. Sie müssen die Route in vollkommener Dunkelheit abfahren und versuchen, dunkel gekleideten Personen auszuweichen. Um niemanden in Gefahr zu bringen, übernehmen Schaufensterpuppen die Passanten-Rolle. An welcher Stelle die Puppen positioniert werden, wissen die Fahrer nicht. So können sie sich nicht vorbereiten. Nun müssen sie mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten die dunkle Strecke befahren.

Ob Ausweichen oder Vollbremsung, bei 50 km/h schaffen es beide, die Schaufensterpuppen nicht zu überfahren.

Anders sieht es jedoch bei 80 km/h aus. Hier hilft alles nichts. Helmut R. bleibt keine Zeit zu reagieren. Er fährt ungebremst in die Puppen. Ein Schreckmoment für den Fahrer:

„Das Abblendlicht reicht nicht sehr weit und die schwarzen Kollegen sind gar nicht zu erkennen. Also in der letzten Sekunde sieht man sie, aber dann ist es eigentlich schon zu spät… Das ist schon heftig und geht ans Herz.“

Testfahrer Helmut R

WIE KÖNNEN SICH FUSSGÄNGER SCHÜTZEN?

Laut ADAC können Autofahrer dunkel gekleidete Menschen  erst aus 25 Metern Entfernung erkennen. Je nach Geschwindigkeit, kann es mit Reaktionszeit und Bremsweg schnell eng werden. Etwas besser sieht es bei Personen in heller Kleidung aus. Immerhin sind sie bereits aus 40 Metern sichtbar. Doch Fahrtrainer Jürgen Schygulla warnt vor falscher Sicherheit:

„Wenn man davon ausgeht, dass auch ein Scheinwerfer mal verschmutzt ist, wird die Sichtweite dadurch um bis zu 50 Prozent reduziert. Wenn noch ein dunkler Belag dazu kommt, wenn es noch nass ist, wenn wir Laub auf der Straße haben oder es wird glatt, dann wird das umso kritischer.“

Fahrtrainer Jürgen Schygulla

Dieses Problem können Reflektoren lösen. Sie machen den größten Unterschied. Ob als einzeln reflektierende Bänder oder direkt in einer professionellen Warnweste: schon aus einer Entfernung von 140 Metern sind die Reflektoren zu erkennen. Diese Erfahrung macht auch Testfahrerin Leah S. :

„Ich würde sagen, dass die Reflektoren auf jeden Fall eine Besserung bringen, gerade die Streifen an der Jacke kann man sehr gut erkennen. Ich glaube aber nicht wirklich, dass jeder mit einer Warnweste rausgeht.“

Testfahrerin Leah S.

UNSER FAZIT

Warnwesten und Reflektorbänder mögen nicht das modischste Accessoire sein, sie können aber Leben retten. Deshalb sollte man die eigene Eitelkeit zuhause lassen und sich dafür mit schützenden Leuchtutensilien ausstatten. Wer sich damit partout nicht anfreunden kann, sollte wenigstens von der schwarzen Winterjacke absehen und helle Kleidung tragen. Außerdem gilt natürlich immer: Aufmerksamkeit und Vorsicht sind im Straßenverkehr der beste Schutz.

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