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Die Medien berichten von nachlassender Konjunktur und Abschwung in Deutschland. Der Arbeitsmarktexperte Alexander Spermann sagt, Deutschland müsse sein „Exportmodell“ neu denken.

Der Arbeitsmarktexperte Professor Alexander Spermann sieht die aktuelle Debatte um die schwächelnde Konjunktur gelassen. Aber nur dann, wenn sich die Politik mehr Gedanken darüber macht, wie man eine solche Konjunkturflaute besser abfangen könnte. Professor Spermann lehrt Volkswirtschaftslehre an der Universität Freiburg und an der FOM Hochschule für Oekonomie und Management in Köln.

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Im Moment gebe es Branchen, in denen ein Boom möglich wäre, so Professor Spermann. „Beispielsweise im Bereich der Pflege oder im Bereich der IT.“ Dort gebe es aber über eine Million offene Stellen, die nicht besetzt werden könnten. Deshalb könne kein Boom stattfinden – es handele sich um „potenzielle Boom-Branchen“.

„Es ist die große Herausforderung, auf diese offenen Stellen schnell Menschen zu finden, die dort hinpassen. Das ist unser Job, das steht uns bevor.“

Professor Alexander Spermann, Arbeitsmarktexperte

Der Strukturkrise in der Automobilindustrie hilft keine Kurzarbeit

Vor über zehn Jahren in der Wirtschafts- und Finanzkrise waren über eine Million Menschen in Kurzarbeit. In Spermanns Augen ist Kurzarbeit aber nur dann sinnvoll, wenn ein schneller Aufschwung erwartet wird. Das war vor zehn Jahren der Fall. Denke man aber an heute und schaue beispielsweise auf die Automobilindustrie, so sei zu erkennen, dass sich eine strukturelle Krise anbahne. Der Umschwung hin zur Elektro-Mobilität, das sei eine Strukturveränderung, so Professor Spermann. „Da hilft aber Kurzarbeit nicht.“

Das Schild der Bundesagentur für Arbeit mit dem typischen roten "A" als Logo.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Felix Kästle/dpa)
Strukturelle Veränderungen brauchen andere Instrumente – Weiterbildung etwa könnte auch von der Bundesagentur für Arbeit unterstützt werden. picture alliance/Felix Kästle/dpa

Der deutsche Arbeitsmarkt in Topform

Spermann sagt, der deutsche Arbeitsmarkt stehe im Moment sehr gut da. Wir hätten eine Rekordbeschäftigung mit etwa 45 Millionen Menschen. Es würden so viele Stunden gearbeitet, wie noch nie und das Finanzpolster der Bundesagentur sei dick. Über 20 Milliarden Euro stünden zur Verfügung. Die Unternehmen haben Instrumente wie Arbeitszeitkonten zur Verfügung und es gibt Flexibilitätsinstrumente wie Minijobs. Spermann fasst zusammen:

„Wir stehen besser denn je da und sind gewappnet für eine Krise, die wir uns alle nicht wünschen.“

Professor Alexander Spermann, Arbeitsmarktexperte

Mit Investitionen im Inland das Jobwunder aufrecht erhalten

Falls eine Konjunkturkrise käme, würde sie vor allem Berufe im Export betreffen. In diesem Falle sollte, laut Professor Spermann, die Binnenwirtschaft und der Konsum angekurbelt werden, damit im Inland Nachfrage und Jobs zunähmen. Besonders der Dienstleistungsbereich würde davon profitieren, erklärt Professor Spermann. So könnte auch in einer Konjunkturflaute das deutsche Jobwunder bestehen bleiben.

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