Produkttest-Aktionen von Probenheld Abonnements und Inkassoärger statt kostenloser Produkte?

Jede Woche ein Paket mit kostenlosen oder vergünstigten Produkten erhalten, so lockt Probenheld.de. Doch schnell gerät man in ein Netz aus Abonnements und Inkassoärger.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
20:15 Uhr
Sender
SWR Fernsehen

Inhaltsaltangabe:

Was sich hinter Probenheld verbirgt und wie man sich schützen kann

Entdecke die Welt der Produktproben. Die neusten Elektronikartikel, Nahrungsergänzungsmittel, sowie attraktive Online-Angebote kann man hier testen. Alles völlig kostenlos und unverbindlich. Damit wirbt die Seite Probenheld.

Das klingt verlockend, auch für die Rentnerin Johanna R. In ihrer Freizeit nimmt sie regelmäßig an Produkttests und Umfragen im Internet teil. Sie ist neugierig. Will wissen, was es zum Testen gibt.

Sie drückt den Button „Kostenlos starten“. Dann muss die Rentnerin ihre Daten angeben: Name, Adresse und E-Mail. Um ihre Registrierung zu bestätigen, klickt sie auf den Aktivierungslink – dann erst erscheinen die Test-Produkte: Ein Potenzmittel, daneben eine Datingseite und unten eine Kreditkarte.
Da hat Johanna R. mehr erwartet, doch stattdessen erscheint eine Bestellbestätigung. Und das ist längst nicht alles. Sie wird misstrauisch.

Screenshot der Internetseite Probenheld (Foto: SWR)
Screenshot Internetseite Probenheld: Kostenlos starten!

Da hat Johanna R. mehr erwartet, doch stattdessen erscheint eine Bestellbestätigung. Und das ist längst nicht alles. Sie wird misstrauisch.

Seitensprung-Plattform und Kreditkarte

Rentnerin Johanna R.:
„Eigentlich in dem Moment, wo ich von Seitensprung.tv die Mitteilung bekommen habe, dass sie mich als Mitglied begrüßen und eben von Platinum Services, dass ich von denen eine Karte bekomme. Denke ich, da stimmt was nicht, das hast du nie gemacht. So dumm kannst du nicht sein.“

Auch Dirk N. aus der Nähe von Rastatt ließ sich auf die Seite von Probenheld locken. Kostenlose Produktproben, das findet er interessant.

Dirk N.:
„Probenheld habe ich gesehen bei Facebook, so bin ich auch draufgekommen. Hab das dann dort gesehen und ich hatte vorher schon einmal bei einer anderen Seite was Ähnliches, wo ich dann von einem Kosmetikhersteller auch Proben bekommen habe und hab mir dann gedacht, was einmal funktioniert, funktioniert bestimmt auch zweimal.“

Potenzsteigerungsmittel

Screenshot der Internetseite Probenheld Potenzmittel BEVIGRA (Foto: SWR)
Screenshot: Das Probenheld-Angebot für Potenzsteigerungsmittel BIVIGRA

Auch er gibt seine Daten bei Probenheld ein und ist gespannt auf die Produktauswahl. Die besteht allerdings nur aus einem Angebot für ein Potenzsteigerungsmittel und für das Online-Seitensprungportal „seitensprung.tv“. Dirk N. entscheidet sich für den kostenlosen Testmonat bei Seitensprung.tv.

Zahlungsaufforderung des Inkassobüros EuroCollect

Doch er ist nicht überzeugt und kündigt nach einer Woche wieder schriftlich per E-Mail. Damit ist für ihn die Sache abgeschlossen. Doch nach über zwei Monaten bekommt er per Post eine Zahlungsaufforderung von einem Inkassobüro. Der Betreiber der Seitensprung.tv-Portals, Webseite, verlangt knapp 100 Euro pro Monat – zahlbar im Voraus für zwölf Monate mit einer Mindestlaufzeit von 24 Monaten. Das heißt 24x 100, abzüglich einem Testmonat. Er legt Widerspruch ein, doch dann geht der Ärger erst richtig los.

Eine Rechnung des Inkassobüros EuroCollect (Foto: SWR)
Eine Rechnung des Inkassobüros EuroCollect

Auch Johanna R. soll inzwischen zahlen: knapp 100 Euro für eine Kreditkarte und mehr als 1.000 Euro für Seitensprung.tv. Ein Schock für die Rentnerin.

So wie die beiden erhielten auch andere User Mahnungen der Firma EuroCollect. Nur wenige Wochen nach Eingabe der persönlichen Daten bei Probenheld.de.

Teure Mahnungen statt cooler Produktproben, wie kann das sein?

Die Juristin Michelle Jahn von der Verbraucherzentrale geht schon seit einigen Wochen den Beschwerden über Probenheld.de, Seitensprung.tv und dem Finanzvermittler Platinum Services GmbH nach. Haben die Verbraucher mit ihrer Dateneingabe bereits kostenpflichtige Abos abgeschlossen?

Juristin Michelle Jahn von der Verbraucherzentrale (Foto: SWR)
Juristin Michelle Jahn von der Verbraucherzentrale

Michelle Jahn, Juristin:
„Also ein Button auf dem steht 'alle Produkte auswählen' oder 'weiter mit selektierten Produkten' reicht auch nicht aus, um eine Zahlungspflicht entstehen zu lassen. Das muss wirklich konkret „kaufen“ oder „kostenpflichtig bestellen“ dastehen. Das muss ja klar sein, dass wenn ich den Button klicke, dass ich sozusagen jetzt gebunden bin an ein Angebot und dafür auch zahlen muss. Außerdem muss auch vor dem Button, müssen alle wesentlichen Eigenschaften von der Ware genannt sein und alle wesentlichen Eigenschaften der Dienstleistung.“

Wer steckt dahinter?

Teure Rechnungen ohne eindeutige Bestellung? Wir schauen uns Probenheld mal etwas genauer an. Doch unter der angegebenen Telefonnummer ist niemand erreichbar.

Unterschiedliche Angaben in Copyright und Impressum

Screenshot des Copyright auf der Internetseite von Probenheld im April2019 (Foto: SWR)
Unten auf der Internetseite von Probenheld ist ein Hinweis auf Mallorca. Bild in Detailansicht öffnen
Laut Impressum soll der Sitz der Verantwortlichen auf der Karibikinsel Dominica sein. Bild in Detailansicht öffnen

Unten auf der Seite von Probenheld ist ein Hinweis auf Mallorca. Doch laut Impressum soll der Sitz der Verantwortlichen auf der Karibikinsel Dominica sein. Da kommen wir nicht weiter.

Wir wenden uns an den Inkassodienstleister Euro Collect GmbH. Doch auf unsere Interviewanfrage erhalten wir keine Reaktion. Wir fahren nach Monheim am Rhein. Dort soll die Firma laut Handelsregister sitzen. Doch am Empfang des Gebäudes erfahren wir, dass dort nur Post ankommt. Wir fragen nochmal bei Euro Collect nach.

Grafik Zitat: „Um sich der Forderung zu entziehen (…) wird oft suggeriert, (…) es wäre angeblich kostenlos angeboten worden.“Quelle: Euro Collect GmbH (Foto: SWR)

Eine geschäftliche Beziehung zu Probenheld bestreitet Euro Collect.

Doch was können Betroffene tun, wenn sie plötzlich Rechnungen oder Mahnschreiben erhalten?

Michelle Jahn, Juristin:
„Wenn ich solche Inkassoschreiben bekomme, dann sollte ich aber unserer Ansicht nach auch reagieren und dem Inkassobüro nochmal darlegen, dass man eben nichts bestellt hat und eben dementsprechend auch nicht zahlen wird.“

Auch Dirk N. blieb hartnäckig. Legt immer wieder Widerspruch gegen die Forderungen von Euro Collect ein und nach neun Widersprüchen erhält er innerhalb von ein paar Tagen eine kurze Nachricht per E-Mail mit „Danke für Ihren Widerspruch. Wir haben ihn zur Kenntnis genommen. Ihre Akte ist geschlossen.“

Johanna R. ging noch einen Schritt weiter und hat bei der Polizei Strafanzeige gestellt. Damit ist sie nicht die Einzige, die Strafanzeigen häufen sich und richten sich gegen „Unbekannt“, denn noch weiß niemand, wer hinter Probenheld.de steckt.

Screenshot der Internetseite Probenheld (Foto: SWR)

Tipps zum Umgang mit Probenheld

Gesetzliche Button-Lösung: Ein kostenpflichtiger Vertrag, also beispielsweise eine Mitgliedschaft oder Warenbestellung kommt nur beim Anklicken eines eindeutig beschrifteten Buttons zustande. Darauf muss „jetzt kostenpflichtig bestellen“ oder etwas ähnlich Eindeutiges stehen. Das Unternehmen muss beweisen, dass es sich an die Vorgaben der gesetzlichen Button-Lösung gehalten hat.
Auch das Inkassounternehmen muss im Zweifel so einen Beweis erbringen. Die Angabe einer IP-Adresse und einer E-Mail-Adresse von einer Registrierung reichen nicht aus.

Keine Zahlung: Wenn die genannten Voraussetzungen nicht eingehalten wurden brauchen und sollten Sie nicht zahlen.

Widersprechen Sie Rechnungen oder Mahnungen. Die Verbraucherzentrale hat dafür Musterbriefe erstellt.

Danach müssen Sie auf keine weiteren Briefe zu diesem Fall reagieren – es sei denn, es sind gerichtliche Mahnbescheide. Was dann zu tun ist erfahren Sie unter: „Gerichtliches Mahnverfahren: Was tun bei einem Mahnbescheid?“.

Und wenn Sie sich unsicher sind, können Sie sich bei Ihrer örtlichen Verbraucherzentrale beraten lassen.

Vorsicht bei der Datenweitergabe im Internet

Treppe mit Schild Betreten auf eigene Gefahr (Foto: SWR)

Oft zielen vermeintlich kostenlose Angebot im Internet darauf ab, an persönliche Daten zu kommen. Lassen Sie sich davon nicht locken! Ihre Daten können für ungewollte Vertragsabschlüsse missbraucht werden. Außerdem werden Ihre Daten oft zu Werbezwecken weitergegeben.

  • Bevor Sie sich auf einer Internetseite registrieren, sollten Sie das Impressum prüfen und recherchieren, ob die Seite seriös ist .
  • Finden sich beispielsweise viele Beschwerden und negative Bewertungen in unabhängigen Foren, lassen Sie besser die Finger von dem Angebot.
  • Geben Sie keinesfalls am Telefon irgendwelche Daten an, wenn Sie jemand „zum Datenabgleich“ anruft.

Weitere Tipps zur Datensparsamkeit finden Sie auf den Seiten der Verbraucherzentrale unter: „Kundendaten: Datensparsamkeit gegen Werbung und Missbrauch“.

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