Gewürz zu Weihnachten Zimt im Test

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Zimt ist ein typisches Gewürz für die Weihnachtszeit. 5.100 Tonnen Zimt wurden 2018 nach Deutschland importiert. Wir haben losen Ceylon- und Cassia-Zimt im Labor untersucht.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
20:15 Uhr
Sender
SWR Fernsehen

Ist Zimt gesund?

Von Natur aus enthalten einige Zimt-Sorten Cumarin – ein Stoff, der in hohen Dosen die Leber schädigen kann. Deshalb wurde vom Gesetzgeber festgesetzt, wieviel Cumarin verarbeitete Lebensmittel (z.B. Zimtsterne) maximal enthalten dürfen. Für losen Zimt, der zum Backen verwendet wird, gibt es jedoch keine gesetzlichen Vorgaben. Deshalb haben wir losen Zimt, insgesamt acht Produkte, im Labor untersuchen lassen.

Cassia-Zimt ist zimtiger, hat dafür mehr Cumarin

Von dem weltweit produzierten Zimt macht die Sorte Cassia den größten Anteil aus. Dieser Zimt stammt meist aus Indonesien und China und ist in der Regel günstiger als Ceylon-Zimt. Cassia-Zimt hat einen hohen Anteil an Zimtaldehyd, das für das typisch zimtige Aroma sorgt.

Die Sorte Cassia kann, wie auch unser Stichprobentest zeigt, größere Mengen Cumarin enthalten. Bei losem Zimt hat der Verbraucher keine Möglichkeit selbst festzustellen, wieviel Cumarin darin enthalten ist. Für Kinder oder leberempfindliche Menschen ist es deshalb sinnvoll, zum Backen und Würzen nicht ausschließlich Cassia-Zimt zu verwenden. Das gilt vor allem, wenn regelmäßig auch verarbeitete Lebensmittel mit Zimt – wie zum Beispiel Zimt-Cornflakes oder Zimt-Desserts – gegessen werden.  

Ceylon-Zimt ist würziger und hat weniger Cumarin

Ceylon-Zimt gilt als der echte Zimt. Diese Sorte wird zum Beispiel aus Sri Lanka oder Madagaskar importiert. Beim Ceylon-Zimt werden einzelne Schichten von der inneren Rinde des Zimtbaums zusammengeschoben. Die Stangen vom echten Ceylon-Zimt erkennt man am feinblättrigen Querschnitt, wohingegen eine Cassia-Zimtstange ein einzelnes gerolltes Rindenstück ist. 

Der Vorteil von Ceylon-Zimt ist der geringe Cumarin-Gehalt. Die aromatischen Inhaltsstoffe unterscheiden sich deutlich von Cassia-Zimt. Bei den Produkten der Sorte Ceylon fand das Labor nur einen geringen Zimtaldehyd-Anteil, dafür ein insgesamt größeres Aromenspektrum.  

Der Geschmackstest bestätigt das Laborergebnis. Patissier Matthias Ludwigs bemerkte bei den Produkten der Sorte Ceylon ein weniger zimtiges Aroma, dafür einen eher würzigen Geschmack. Beim Kochen lässt sich diese Eigenschaft nutzen – zum Beispiel, wenn Speisen aromatisch, aber nicht zu zimtig schmecken sollen.

Auszug aus der Stellungnahme der Firma Hartkorn (Stand November 2019)

„Die Sicherheit sämtlicher von uns in Verkehr gebrachten Produkte und damit unter anderem auch der Cumarin-Gehalt in Zimt ist für uns selbstverständlich ein wichtiges Thema und daher auch Gegenstand der von uns regelmäßig durchgeführten Eigenkontrollen und Eigenuntersuchungen in Zusammenarbeit mit akkreditierten Untersuchungslaboren. […] Das von Ihnen mitgeteilte Ergebnis von 4.305 mg/kg konnte hierbei allerdings nicht bestätigt werden. Die von einem akkreditierten Institut am 11.12.2018 ermittelten Werte lagen vielmehr deutlich unter diesem Wert nämlich bei ca. 2.800 mg/kg.

[…] Das BfR geht von einem durchschnittlicheren Cumarin-Gehalt in Cassia-Zimt von 3.000 mg/kg Zimt aus und hat auf dieser Grundlage eine tolerierbare tägliche Dosis (TDI-Wert) von 0,1 mg Cumarin pro kg Körpergewicht abgeleitet, die ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ein Leben lang täglich aufgenommen werden kann. […] Da eine geringe Überschreitung des TDI-Wertes von 0,1 mg pro kg Körpergewicht für ein bis zwei Wochen nach Auffassung des BfR als unbedenklich anzusehen ist, wäre ein gesundheitliches Risiko nur für solche Verbraucher denkbar, die sehr viel Cassia-Zimt mit hohen Cumarin-Gehalten über einen längeren Zeitraum hinweg verzehren. Auch wenn der von Ihnen mitgeteilte Wert von 4.305 mg Cumarin pro kg Zimt über dem vom BfR ermittelten Durchschnitt von 3.000 mg/kg liegt, ergibt sich daher hieraus kein unmittelbares gesundheitliches Risiko.

Denn Cassia-Zimt wird üblicherweise nicht über längere Zeiträume hinweg in großen Mengen konsumiert, sondern in erster Linie nur saisonal (z. B. Weihnachtszeit) häufiger verwendet. Nach Auffassung des BfR stellt jedoch auch eine etwaig damit einhergehende kurzfristige Überschreitung der tolerierbaren täglichen Dosis (TDI) keine Gesundheitsgefahr dar. Gleichwohl ist selbstverständlich bestimmten Risikogruppen ein maßvoller Verzehr von Cassia-Zimt anzuraten bzw. auf cumarinarmen Ceylon-Zimt auszuweichen.“

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