Ein vollgepackter Einkaufswagen mit Lebensmitteln für die Weihnachtstage wird durch einen Supermarkt geschoben. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/Frank Rumpenhorst/dpa)

Wie unser Gehirn überlistet wird Die Psychotricks der Supermärkte

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Der Duft einer Konditorei, die Präsentation wie auf dem Wochenmarkt, Parkplätze für Männer: Moderne Supermärkte haben viele Psychotricks auf Lager, um uns zum Kaufen zu bewegen.

In kaum einem Land in Westeuropa ist die Gewinnmarge bei Lebensmitteln so klein wie in Deutschland. Für Supermarktbetreiber heißt das: Um rentabel zu sein, muss der Absatz hoch sein. Die Kunden müssen also möglichst viel kaufen. Um dieses Ziel zu erreichen, bringen die Marktbetreiber auch Psychotricks zum Einsatz.

Männer werden geparkt

Moderne Supermärkte sind nur auf ein Ziel hin designt: Die Kunden sollen so viel Geld wie möglich im Markt lassen. Das beginnt schon im Eingangsbereich. In vielen Supermärkten gibt es hier ein kleines Café. Das ist ein Männerparkplatz, wie Wirtschaftspsychologe Bernd Wallraff erklärt:

„Männer kosten Supermärkte viel Geld, wenn sie dabei sind – weil sie die Läden oft schnell wieder verlassen wollen. Daher gibt es im Eingangsbereich oft einen Ort, wo die Männer von den Frauen getrennt werden. Zum Beispiel ein kleines Café oder ein Würstchenstand, in größeren Märkten auch mal eine Technikabteilung. Hier können die Männer ausscheren, damit die Frauen in Ruhe einkaufen können.“

Bernd Wallraff, Professor für Wirtschaftspsychologie, EMS Mainz
Ein Mann steht Günthersdorf (Sachsen-Anhalt) in einem Einkaufszentrum an einem Obststand mit Orangen, Äpfeln und Pomelo.  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / dpa/Jan Woitas)
Sollen den Kunden das Wochenmarktgefühl vermitteln: Obst- und Gemüseabteilung eines Supermarkts picture alliance / dpa/Jan Woitas

Ein Verwirrspiel für alle Sinne

Direkt hinter dem Eingang liegt für gewöhnlich die Abteilung für Obst und Gemüse. In weiches Licht getaucht, wirken Tomaten und Salatköpfe noch knackiger. Im Gehirn stellt sich ein Gefühl von Wochenmarkt ein. Unser Gehirn bekommt die Information: Hier ist alles frisch und appetitlich. Dieses Gefühl übertragen wir auch auf alle anderen Produkte, die der Markt zu bieten hat.

Weiter geht es in fast allen Märkten gegen den Uhrzeigersinn. Auch das ist kein Zufall. Die meisten Menschen sind Rechtshänder. Mit dem Einkaufswagen nach links abzubiegen, fällt ihnen leichter als nach rechts. Sie fühlen sich wohler und greifen öfter zu.

Nicht nur Motorik und Sehsinn werden von den Marktdesignern manipuliert. Auch an unsere Nasen haben viele Marktbetreiber gedacht. Dass viele Supermärkte eine Bäckerei dabei haben, hat für die Betreiber einen schönen Nebeneffekt. Oft duftet es im ganzen Markt nach frischen Brötchen. Das mögen wir, und bleiben unbewusst länger im Laden. Ganz moderne Märkte arbeiten sogar mit Raumparfüm, um uns ein wohliges Gefühl zu verschaffen.

Lange Wege, viele Versuchungen

Und auch Musik machen sich die Märkte zunutze. Haben die Läden eine eigene Getränkeabteilung, wird dort meist eine flottere Musik gespielt als bei den Lebensmitteln. Die Musik soll die Kunden in Schwung bringen. Sie sollen an ihre nächste Party denken – und möglichst viele Getränke in den Einkaufswagen laden.

Dauer

Wer danach noch Milch braucht, muss im Laden meist weiter in Richtung Kasse gehen. Milchprodukte stehen oft ganz hinten im Laden. Auch das, erklärt Bernd Wallraff, sei ein Teil der Strategie. „Milchprodukte sind das, was die Kunden am häufigsten brauchen. Fast jeder Kunde muss also dorthin. Die Produkte werden also ganz hinten platziert, damit die Kunden einen weiten Weg dorthin haben – und an möglichst vielen Produkten vorbeikommen, von denen vielleicht auch noch das eine oder andere im Wagen landet.“

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