Am Stoßfänger eines geparkten Autos sind Spuren eines Unfalls zu sehe. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Arno Burgi/dpa-Zentralbild/dpa)

Jede Minute eine Fahrerflucht Wie schnell ein Parkrempler zur Straftat wird

Im Südwesten gab es 2018 über 103.000 Fahrerfluchten. Die Dunkelziffer ist hoch, denn Geschädigte gehen bei kleinen Kratzern oft nicht zur Polizei. Und viele Verursacher hauen ab.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
21:00 Uhr
Sender
SWR Fernsehen

Wer nach einem vermeintlich kleinen Unfall einfach verschwindet, macht sich strafbar. Denn egal wie groß oder sichtbar der Schaden ist, der Unfallverursacher muss entweder

  • auf den Geschädigten warten oder
  • die Polizei verständigen.

Irrtum Nr. 1: Das Märchen vom kleinen Kratzer

Hartnäckig hält sich das Gerücht: Bei kleineren Sachschäden könne man auch einen Zettel mit Namen und Telefonnummer an die Windschutzscheibe klemmen. Völlig falsch! Ein Zettel reicht in keinem Fall.

f einer Serviette steht «Sorry! Musste ausweichen und bin momentan knapp bei Kasse». Eine unbekannte Person hatte im Oktober 2019 das Entschuldigungsschreiben auf einem Auto hinterlassen (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/N.A./Polizei Hagen/dpa)
Auf einer Serviette an der Scheibe entschuldigte sich ein Autofahrer in Hagen für seine Straftat. picture alliance/N.A./Polizei Hagen/dpa

Irrtum Nr. 2: Das Märchen von der Viertelstunde Warten

Ebenso falsch: Wenn ich nach einer leichten Berührung zehn Minuten oder eine Viertelstunde auf den Fahrer des beschädigten Fahrzeugs warte, reicht ein Zettel. Auch wenn der Geschädigte innerhalb dieser Zeit nicht kommt, gilt: Weiter warten oder die Polizei informieren. Die Wartezeiten-Geschichte ist und war schon immer falsch.

Irrtum Nr. 3: Das Märchen vom Bekannten

Sie kennen den Fahrer des Wagens, der berührt oder beschädigt wurde? Auch dann reicht es nicht, ihn später anzurufen. Der Geschädigte muss sofort verständigt werden. Denn er muss die Chance haben, sich den Schaden unmittelbar anzusehen und gegebenenfalls dann auch die Polizei oder Versicherung zu verständigen.

Bei Unfallflucht drohen Geldstrafen, Punkte und Führerscheinentzug

Wer einfach wegfährt, ohne einen Schaden zu melden, begeht eine Straftat (nach § 142 Strafgesetzbuch). Dies hat Folgen: Je nach Höhe des Schadens droht bei Unfallflucht eine Geldstrafe und mindestens zwei Punkte in Flensburg. Es kann ein Fahrverbot ausgesprochen werden oder der Führerschein kann für eine Dauer – nicht unter sechs Monaten – entzogen werden. Wenn es sich nicht um einen Parkrempler, sondern beispielsweise um einen Unfall mit Personenschaden handelt, sind auch lange Haftstrafen möglich.

US-Sängerin Britney Spears betritt das Planet Hollywood Resort & Casino auf dem Las Vegas Strip. (Foto: dpa Bildfunk, Brian Jones / Handout)
Auch Prominente begehen Fahrerflucht: Britney Spears wurde 2007 allerdings sofort von Zeugen erkannt. Brian Jones / Handout

Versicherung holt sich vom Schadensverursacher Geld zurück

Außerdem holt sich die Kfz-Versicherung den Schaden bis zu einer Höhe von 5000 Euro zurück. Hat der Schadensverursacher Alkohol getrunken, kann die Versicherung sogar bis zu 10.000 Euro zurück verlangen.

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