Vier Hunde im Gebüsch (Foto: Colourbox)

Vergiftet beim Gassigehen Wie man seinen Hund vor Giftködern schützen kann

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Leckeres Fleisch gefüllt mit Nägeln, Scherben oder Gift: Immer wieder kommen Hunde durch Giftköder qualvoll zu Tode. Unsere Tipps helfen, die Gefahr für die Tiere zu reduzieren.

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Sendedatum
Sendezeit
21:00 Uhr
Sender
SWR Fernsehen

Immer wieder werden Hunde vergiftet und oft kann dann auch kein Tierarzt mehr helfen:  Der Hund hat den Giftköder vielleicht unbemerkt aufgenommen, der Besitzer reagiert zu spät auf die Symptome oder die Verletzungen oder Vergiftungen sind zu drastisch. Diejenigen, die die Giftköder auslegen, bringen bei diesen kriminellen Handlungen nicht nur die Hunde in Lebensgefahr, sondern auch Wildtiere und manchmal sogar Kinder.

Was sind Giftköder?

Giftköder haben als Trägermaterial oft Hackfleisch, Leberwurst oder für einen Hund vergleichbar Schmackhaftes und sind präpariert mit Rattengift, Schneckenkorn, Rasierklingen, Nägeln oder Glasscherben. Die giftigen Substanzen oder verletzenden Gegenstände sind dabei meist gut im Trägermaterial eingeschlossen und somit auf Anhieb schwer als solche zu erkennen.

Wo werden Giftköder bevorzugt platziert?

Am häufigsten werden Giftköder an Plätzen ausgelegt, an denen viele Hunde ausgeführt werden. Das können Parks, öffentliche Grünanlagen oder auch Seeufer sein. Dabei werden die Köder vielfach an den Rändern platziert, also beispielsweise im Gebüsch am Rande einer Hundeauslaufwiese.

Hund schnüffelt im Gras (Foto: Colourbox)
Giftköder werden bevorzugt an Stellen abgelegt, die Hundebesitzer nicht dauernd im Blick haben.

Manche Täter platzieren die Köder aber auch direkt in den Gärten der Hundebesitzer oder in der Nähe von Kinderspielplätzen.

Wie kann ich meinen Hund vor Giftködern schützen?

Generell ist es empfehlenswert, den Hund beim Spaziergang immer im Blick zu haben und ihn darauf zu trainieren, dass er umgehend zu einem zurückkommt, wenn man ihn ruft. Er sollte gelernt haben, dass Sie ihn beobachten und er für richtiges Verhalten Anerkennung bekommt. Es geht also um positive Verstärkungen in Form von Streicheleinheiten und Lob. Wer dann noch ein besonders vom Hund geliebtes Leckerli springen lässt, bringt dem Tier bei, dass es sich lohnt, umgehend zu kommen, wenn Sie rufen.

Hund bekommt von seinem Frauchen ein Leckerli (Foto: Colourbox)
Weiß der Hund, dass er bei Ihnen im Zweifelsfall das leckere Fressen bekommt, ist schon viele für seine Sicherheit erreicht.

Hilfreich ist es auch, wenn der Hund sich darauf verlassen kann, dass es während des Spaziergangs spannende Spiele mit Ihnen gibt. Weiß der Hund, was Schönes auf ihn zukommt, lässt er sich mit solchen Spielen in Gefahrenzeiten leichter davon abbringen, sich wie ein „Staubsauger“ am Wegrand zu betätigen.

Aber Achtung: Das ist nur mit geduldigem Training, sowie freundlicher und zugewandter Konsequenz zu erreichen. Mal so, mal so bringt gar nichts. Und muss das Tier sogar damit rechnen, dass Sie es bestrafen oder ihm einfach nur etwas wegnehmen, erreichen sie mitunter den gegenteiligen Effekt: Bevor Sie zu nahe kommen, verschlingt der Hund noch schnell etwas, dass er normalerweise auch von sich aus nicht gefressen hätte.

Gut trainierte Hunde sind weniger gefährdet

Es werden vielfältige Kurse angeboten, bei denen man mit dem Hund trainieren kann, generell nichts auf einem Spaziergang zu fressen, vorher zumindest die Erlaubnis einzuholen, oder den gefundenen Gegenstand gegen Leckerlis einzutauschen. Auch gibt es spezielle Anti-Giftköder-Workshops. Durch solche Trainings können die Gefahren deutlich minimiert werden, wenn man sie mit Geduld, Ausdauer und Konsequenz durchführt und sich bei jedem Spaziergang auch als Besitzer an die Regeln hält. Trotzdem muss man immer damit rechnen, dass es nicht zu 100 Prozent funktioniert, denn aus tierpsychologischer Sicht handelt es sich bei einem Futterfund um einen sich selbst belohnenden Vorgang.

Gut gewappnet für den Ernstfall?

Halten Sie stets die Nummer ihres Tierarztes bereit. Die Rufnummern einer mobilen Tierarztpraxis, der nächstgelegenen Tierklinik mit 24-Stunden-Notdienst und auch der Giftnotrufzentrale sollten Sie ebenfalls in Reichweite haben.

Schäfehund sitzt beim tierarzt auf der Behandlungsliege (Foto: Colourbox)
Bei Giftungssymptomen kann das zügige Aufsuchen eines Tierarztes lebensrettend sein.

Ferner ist es für jeden Hundehalter empfehlenswert, einen Erste-Hilfe-Kurs zu absolvieren, um dem Vierbeiner im Ernstfall helfen zu können.

Wie erfährt man von Giftköderwarnungen?

Steht man mit anderen Hundebesitzern im regen Austausch, bekommt man häufig auf diesem Wege mit, wenn eine Giftköder-Gefahr in der Umgebung besteht. Ansonsten hilft es, auf Mitteilungen in regionalen Tageszeitungen, im Dorf- oder Stadtblatt und auf Aushänge an der Hundelaufstrecke zu achten. Ferner gibt es Social-Media-Gruppen und diverse – teilweise auch als App angebotene - Giftköderwarnseiten im Internet. Eine der umfangreichsten ist dabei der GiftköderRadar.   

Hier gilt übrigens: Wer solche Warnungen zu schätzen weiß, sollte sich im Gegenzug auch die Zeit nehmen, seinerseits eine Warnung publik zu machen, wenn er einen Giftköder gefunden hat.

Wie verhält man sich bei aktuellen Giftköderwarnungen?

Meiden sie Gebiete mit aktueller Giftköderwarnung und weichen Sie bis zu einer Entwarnung auf alternative Routen aus.

Ist das nicht möglich, nehmen Sie den Hund auch auf Strecken, wo das eigentlich nicht vorgeschrieben ist, an die Leine.

Drei Hunde an der Leine (Foto: Colourbox)
Angeleinte Hunde lassen sich leichter von Giftködern fernhalten.

Ferner können Sie - vor allem wenn Sie mit dem Hund noch kein Training absolviert haben - über den vorübergehenden Einsatz von einem sogenannten Fress- oder Beißkorb nachdenken. Dabei handelt es sich nicht um einen klassischen Maulkorb, sondern um Konstrukte, die verhindern sollen, dass der Hund etwas fressen kann, ihm aber ansonsten ausreichend Freiraum insbesondere zum Hecheln lassen. Angeboten werden sie in unterschiedlichen Ausführungen, die alle ihre Vor- und Nachteile haben. Es gilt also, dass für Sie und Ihren Hund passende Modell zu finden.

Tipp: Wer mit dem Hund in entspannten oder spielerischen Situationen das Tragen eines solchen Korbes schon geübt hat, erspart sich und dem Tier bei einer Giftköderwarnung zusätzlichen Stress.  

Woran erkenne ich, dass mein Hund einen Giftköder gefressen hat?

Vergiftungssymptome können je nach Gift und Konzentration vielfältig und im Einzelfall unterschiedlich stark auftreten.

Symptome, die auf Vergiftungen hinweisen können, sind:

  • Unruhe
  • unregelmäßiger oder schneller Herzschlag
  • Muskelzittern, Lähmungserscheinungen, schwankender Gang, Taumeln
  • ungewöhnliche Pupillengröße, entweder stark verengt oder auch erweitert
  • Durchfall, Blut im Urin, Blut im Stuhlgang
  • helle Schleimhäute im Rachenbereich, blasses Zahnfleisch,
  • Atemstörungen, übermäßiges Hecheln, starkes Speicheln
  • Erbrechen, das Erbrochene eventuell mit schaumiger Konsistenz
  • Atemstillstand, Krämpfe, schneller Herzschlag, Herzstillstand
  • absinkende Körpertemperatur
  • Apathie, Bewusstlosigkeit
  • anhaltende oder immer wieder eingenommene Gebetsstellung: Der Hund steht auf den Hinterläufen, die Vorderläufe sind weit nach vorne gestreckt. Wenn ihr Hund dazu einen aufgeblähten Bauch hat und dabei unruhig hin und her läuft, wenn ihm kein Platz recht ist, wenn er häufig zwischen Liegen, Stehen und Umhergehen wechselt oder auch noch einen Katzenbuckel macht, weißt das auf starke Bauschmerzen hin, die auch von einer Vergiftung herrühren können.

Sofortmaßnahmen nach einer Giftköder-Aufnahme

  • Entfernen Sie den Hund von den Resten des Giftköders.
  • Bringen Sie ihn nicht zum Erbrechen, wenn Sie nicht wissen, was er zu sich genommen hat, denn ätzende Gifte verätzen den Rachen und scharfe Gegenstände verletzen ihn dann nochmal zusätzlich.
  • Rufen Sie den Tierarzt an und berichten Sie Ihren Verdacht und schildern Sie Symptome. So kann der Arzt Ihnen wertvolle Tipps geben und gegebenenfalls schon ein Gegengift bereitlegen.
  • Versuchen Sie, eine Probe vom Giftköder mitzunehmen, vermeiden Sie dabei aber Hautkontakt mit der Giftprobe. Verwenden Sie beispielsweise Hundekotbeutel, um die Probe zu sichern. Und packen Sie auch bereits Erbrochenes in einen Beutel.
  • Notieren Sie sich, was, in welcher Menge und wann gefressen wurde.
  • Suchen Sie schnellstmöglich den Tierarzt auf. Und bedenken Sie dabei, dass es auch bei der vielleicht auf den ersten Blick nicht so bedrohlich wirkenden Gebetsstellung mitunter auf jede Minute ankommt, da es sich um einen Darmverschluss oder eine Magendrehung handeln kann.  

Schalten Sie die Polizei ein

Spätestens wenn sich durch den Tierarzt der Verdacht erhärtet hat, dass es sich um einen Giftköder handelt, sollten Sie unbedingt die Polizei einschalten und Anzeige erstatten. Denn neben Haus- und Wildtieren sind möglicherweise auch Kinder gefährdet. Und möglicherweise handelt es sich nicht um eine Einzeltat sondern um einen Serientäter. Die Polizei kann die Spuren sichern und gegebenenfalls die Staatsanwaltschaft einschalten.  Wer Giftköder auslegt und damit ein Tier verletzt oder tötet, macht sich nach dem Tierschutzgesetz strafbar und kann wegen Tierquälerei und Sachbeschädigung angeklagt werden. Die Strafen belaufen sich auf Haft bis zu drei Jahren und Geldstrafen bis 25.000 Euro.

Tragen Sie zur Deeskalation bei

Hundebesitzer sollten alles daran setzen, ihren Beitrag dazu zu leisten, dass Menschen, die eine Abneigung gegen Hunde haben, nicht solche drastischen und strafbaren Handlungen in Betracht ziehen:

  • Signalisieren Sie Menschen, die Angst vor Tieren haben, dass Sie das ernst nehmen.
  • Holen Sie Ihren Hund zu sich, wenn Sie das Unbehagen einer anderen Person wahrnehmen.
  • Behandeln Sie Menschen, die Hunde schlichtweg nicht mögen, mit Respekt.
  • Die Vorgärten der Nachbarn und beispielsweise auch die Baumscheiben in Städten sollten nicht als Hundeklo missbraucht werden, auch nicht für das „kleine Geschäft“.
  • Und ganz wichtig: Nehmen Sie den Hundekot mit. Dazu sind Sie vielerorts gesetzlich verpflichtet. Außerdem trägt das auch viel zum Frieden zwischen Tierbesitzern und Menschen bei, die diese Tiere und vor allem ihre Hinterlassenschaften nicht so mögen.

Mehr zum Thema im WWW

Auf den Internetseiten von „Erste Hilfe beim Hund“ finden Sie neben neben umfänglichen Informationen rund um die Thematik Giftköder 50 Notfall-Checklisten und Anleitungen zum Ausdrucken.

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