Superfood oder Hype? Wie gesund ist Kokosöl wirklich?

Früher wurde Kokosfett in Palmin als Frittierfett verwendet. Heute wird es als gesund beworben. Doch neue Studien zeigen, dass Kokosfett oder -öl sogar gefährlich sein kann.

Dauer

Kokosöl hat eine feste bis cremige Konsistenz, da es erst bei etwa 25 Grad Celsius flüssig wird. Die Kokosnuss ist die Nuss der Kokospalme, die in den Tropen wächst. In den Anbauregionen ist es sehr warm, wodurch das Fett dort zähflüssig ist - deswegen heißt es auch Kokosöl. Es kostet in der Regel zwischen zehn und 30 Euro pro Liter.

Kokosöl wird aus dem Kokosnussfleisch gepresst. Bei den im Handel erhältlichen Ölen stammt dies meist aus getrocknetem Kokosnussfleisch. In der Regel werden die Öle kalt gepresst, das heißt, sie werden nicht zusätzlich erwärmt.

Nativ, kalt gepresst und raffiniert

Pflanzenöl kann auf zwei verschiedene Arten gewonnen werden: durch Extraktion oder Pressung. Extraktion bedeutet, dass der Pflanze ein Lösungsmittel hinzugegeben wird, um das Öl herauszulösen. Danach wird das Öl oftmals raffiniert, wodurch verschiedene Stoffe aus dem Öl entfernt werden - auch wertvolle Stoffe wie Vitamin E. Dadurch wird das Produkt weniger trüb, hitzebeständiger und länger haltbar. Raffinierte Öle sind auch eher geschmacksneutral.

Ein Glas mit Kokosfett, aus dem ein Holzlöffel etwas heraus holt, steht offen neben einer Schale mit Kokosfett. (Foto: getty images -)
Bis etwa 25 Grad Celsius ist Kokosöl fest. getty images -

Der Begriff "nativ" bedeutet, dass das Öl ausschließlich mit mechanischen Verfahren gewonnen wurde. Während des Pressens wurde auch keine weitere Wärme zugeführt. Native Öle werden nicht raffiniert und behalten ihre natürliche Farbe. Dafür müssen sie kaltgepresst sein - beim Pressen dürfen keine hohen Temperaturen entstehen. Der Begriff "nativ extra" wird nur bei Olivenöl verwendet und bedeutet, dass besonders gute Oliven verwendet wurden und diese besonders sorgsam gepresst wurden.

Wozu eignet sich Kokosöl?

Bei asiatischen Gerichten eignet sich Kokosöl gut, da es dem Gericht einen besonderen Geschmack verleiht. Da sich das Öl aufgrund seines hohen Anteils an stabilen, gesättigten Fettsäuren stark erhitzen lässt, ist es zum Braten und Frittieren gut geeignet. Dabei spritzt es auch nicht. So lassen sich beispielsweise Hähnchen oder Tofu gut mit Kokosöl anbraten.

Kokosmilch

Kokosmilch lässt sich ähnlich wie Sahne verwenden, besteht in der Regel aber nur aus etwa 20 Prozent Fett - deutlich weniger als normale Sahne. Neben der Kokosmilch gibt es im Handel noch zahlreiche weitere Kokosprodukte für die Küche, zum Beispiel Kokosmehl oder Kokoswasser.

Gesättigte Fettsäuren

Kokosöl besteht zu rund 90 Prozent aus gesättigten Fettsäuren. Diese erhöhen den Cholesterinspiegel im Körper. Ernährungsexperten empfehlen daher, nur möglichst wenige gesättigte Fettsäuren zu essen.

Kokosnussöle im Test

In einem aktuellen Test von Stiftung Warentest, schneiden nur fünf von 15 Kokosölen mit "gut" ab. Häufig beanstandeten die Tester Fehler bei der Deklarierung. Auf den Etiketten wurden zum Teil widersprüchliche Angaben über die Herkunft gemacht. Auch fanden die Prüfer verbotene Bezeichnungen, das heißt, die Produkte warben beispielsweise mit Laurinsäure in der Nährwerttabelle, was verboten ist. In drei Fällen waren die Öle mit Mineralölkohlenwasserstoffen belastet, bei einem Produkt wiesen die Tester Fettsäuren nach, die in der hohen Konzentration lediglich bei raffinierten Speiseölen vorkommt. Die Produkte trugen allerdings die Bezeichnung "natives Öl".

Heil-Versprechen von Kokosöl

Alternative Gesundheitsportale behaupten, Kokosöl würde gegen alle möglichen Krankheiten helfen - auch gegen schwere Krankheiten wie Krebs oder Infektionen wie HIV. Daneben sollen mittelkettige Fettsäuren schlank machen und das Herz schützen, indem sie die Fettverbrennung ankurbelten.

Mit solchen Versprechen - auch Health Claims genannt - dürfen Produkte nicht beworben werden, denn die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (efsa) hat dies nicht genehmigt. Hersteller dürfen deswegen nicht mit Gesundheitsversprechen werben, wie etwa dass Laurinsäure vermeintlich antibakteriell wirke. Ein Antrag, Produkte mit dem Versprechen, dass mittelkettige Fettsäuren zum Abnehmen führen sollen, deklarieren zu dürfen, wurde von der Behörde 2011 ebenfalls abgelehnt. Mit Health Claims dürfen Anbieter werben, wenn wissenschaftlich nachgewiesen wurde, dass ein Produkt einen positiven Effekt auf die Gesundheit hat.

Prof. Michels: "Kokosöl ist das reine Gift"

Zu einem sehr eindeutigen Urteil kommt Prof. Dr. Karin Michels von der Universität Freiburg. Sie sagt, "Kokosöl ist das reine Gift. (...) Ich Ich kann sie nur eindringlich warnen vor Kokosöl. Das ist eines der schlimmsten Nahrungsmittel, die sie zu sich nehmen können." Dies liege an dem hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren. Die deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, gesättigte Fettsäuren sollten maximal zehn Prozent der täglichen Kalorienzufuhr ausmachen. Das entspricht rund drei Teelöffel Kokosfett am Tag. Experten empfehlen, auf gesündere Fette zurückzugreifen.

Gesündere Öle

Riedl rät anstelle von Kokosöl, andere Öle zu verwenden. So könne er Olivenöl, Nussöle, Hanföl oder auch Rapsöl uneingeschränkt empfehlen. Diese haben zudem eine "antientzündlichen Wirkung". Raps- und Olivenöl enthalten zum Beispiel zu 32, bzw. 13 Prozent mehrfach ungesättigte Fettsäuren - Kokosöl beinhaltet hingegen nur zwei Prozent mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Der Vorteil von Raps-, Nuss- und Olivenöl liegt aber auch in ihrer Herkunft. Sie können auch in Europa angebaut und hergestellt werden, während die Kokospalme in Asien, Afrika und Südamerika wächst. Zudem sind diese Öle günstiger als Kokosöl.

Fazit

Die Kokosnuss ist weder ein Engel, noch ein Teufel. In Maßen können wir die Produkte weiterhin essen, aber Wunder bewirken sie nicht.

Der Text gibt den Stand zum Sendungsdatum wieder

Filmautorin: Nina Rathfelder | Online: Thomas Oberfranz
© SWR Marktcheck

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