Am Telefon Wie Verbrauchern Verträge untergeschoben werden

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Callcenter nutzen Verwirrungen unter Verbrauchern, etwa bei der PSD2-Richtlinie, um ihnen Verträge unterzuschieben. So können Sie sich und ihre wertvollen Daten schützen.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
20:15 Uhr
Sender
SWR Fernsehen

Im Jahr 2018 gab es bei der Bundesnetzagentur 62.247 Beschwerden wegen unerlaubter Telefonwerbung, der Großteil davon zum Thema Energie. Oftmals rufen Callcenter Verbraucher an und versuchen ihnen neue Stromverträge, Kreditkarten oder Versicherungen unterzuschieben. Viele Menschen merken während des meist geschickt geführten Telefonats nicht einmal, dass es gerade um ein Gespräch zum jeweiligen Thema geht.

Verträge können am Telefon geschlossen werden

„Zunächst ist wichtig zu wissen, dass man tatsächlich gültige Verträge grundsätzlich übers Telefon schließen kann. Aber die Voraussetzung für einen gültigen Vertragsschluss ist, dass am Telefon dem Angerufenen ein Angebot unterbreitet wurde, was dieser auch wahrgenommen und verstanden hat und der Angerufene dieses Angebot eben auch ausdrücklich annimmt.“

Sonja Guettat, Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz

Damit ein gültiger Vertrag zustandekommen könne, müssten die essenziellen Vertragsbestandteile genannt werden, also der Name des Produkts sowie der Preis, sagt Verbraucherschützerin Sonja Guettat.

Unternehmen oder Call-Center, die Verbrauchern Verträge am Telefon unterschieben wollen, versuchen Verbraucher aber im Unklaren zu lassen. Manche Unternehmen sammeln personenbezogene Daten und die Einwilligung für Telefonwerbung etwa über Gewinnspiele. So können sie die Verbraucher mit Namen ansprechen und Adressen nennen. Die Angerufenen denken dann oftmals, der Anrufer sei von der Hausbank oder dem örtlichen Stromversorger. Viele Verbraucher merken aber erst, was passiert ist, wenn Post von der neuen Kreditkartenfirma, des Stromanbieters oder der Versicherung im Briefkasten liegt.

Das können Sie während des Telefonats machen

Die Verbraucherzentrale rät, drei einfache Fragen zu stellen, um illegale oder ungewünschte Telefonwerbung zu erkennen:

  • „Mit wem spreche ich?“
  • „Für welches Unternehmen rufen Sie an?“
  • „Was ist der Grund Ihres Anrufs?“

Wer die Aussagen des Anrufers nicht eindeutig versteht, sollte diese nicht bestätigen – vor allem nicht mit einem „Ja“, rät Sonja Guettat. „Denn wenn es tatsächlich mal zu einem Streit darüber kommt, ob jetzt am Telefon ein gültiger Vertrag geschlossen wurde oder nicht, kommt es entscheidend darauf an, was genau im Einzelnen gesagt und besprochen wurde. Um sich gar nicht erst in diese Streitsituation zu begeben, ist es eigentlich am besten sich überhaupt nicht auf ein solches Telefonat einzulassen, wenn ich nicht ganz genau weiß, mit wem hab ich’s da eigentlich zu tun.“ Verbraucherschützer empfehlen, bei unseriöser Telefonwerbung einfach aufzulegen.

Wenn ein Vertrag schon untergeschoben wurde

Wurde ein Vertrag bereits geschlossen, empfehlen Verbraucherschützer sofort zu widersprechen. Innerhalb von 14 Tagen gibt es bei Verträgen ein Widerrufsrecht. Dadurch kommen Verbraucher wieder unkompliziert und ohne eine Begründung aus Verträgen raus. Die Frist beginnt ab dem Zeitpunkt, ab dem man darüber belehrt wurde, dass es dieses Widerrufsrecht gibt. Meist geschieht das mit der Zustellung des Vertrags.

Wenn die Widerrufsfrist bereits verstrichen ist, sollten sich Verbraucher trotzdem wehren, da nicht sicher ist, ob am Telefon überhaupt ein gültiger Vertrag geschlossen wurde. Grundsätzlich muss der Anbieter beweisen, dass ein gültiger Vertrag vorliegt.

Beschwerde bei der Bundesnetzagentur einreichen

Wenn Sie Opfer unerlaubter Telefonwerbung geworden sind, können Sie bei der Bundesnetzagentur Beschwerde einreichen. Um die Beschwerde zu bearbeiten, benötigt die Bundesnetzagentur folgende Angaben von Ihnen:

  • Ihre persönlichen Daten und die Nummer des Anrufers, die auf dem Display erschienen ist,
  • den Namen des Anrufers sowie die Dienstleistungen oder Produkte, für die geworben wurden,
  • Auskunft, ob Sie dem Unternehmen die Erlaubnis gegeben haben, Werbeanrufe zu tätigen,
  • eine detaillierte Gesprächsbeschreibung sowie Unterlagen, die im Zusammenhang mit dem Gespräch stehen (Vertragsunterlagen, Prospekte, Schriftverkehr,...).

Die Beschwerde kann sowohl online als auch auf dem Postweg eingereicht werden. Das Formular zum Download finden Sie hier.

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