Mädchen liegt mit Fieber im Bett (Foto: Colourbox, Foto: Colourbox.de -)

Kita zu, Kind krank Grippewelle: Diese Rechte haben Eltern

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Die Grippesaison ist für berufstätige Eltern besonders viel Stress: Wenn Kinder krank sind oder Kitas zu bleiben, gerät der Alltag aus den Fugen. Diese Rechte haben Eltern.

Die Grippewelle hat begonnen - und ist mittlerweile auch im Südwesten angekommen: In Baden-Württemberg haben die Gesundheitsämter bereits mehr als 2.000 Fälle registriert, in Rheinland-Pfalz 140 - die Dunkelziffer dürfte höher liegen.

Für Eltern mit Schul- und Kita-Kindern ist die Erkältungssaison besonders aufreibend: Wenn die Kleinen mit Fieber im Bett liegen oder der Kindergarten krankheitsbedingt geschlossen bleibt, brauchen Berufstätige eine Menge Organisationstalent. Diese Rechte helfen ihnen dabei:

Wenn die Kita geschlossen bleibt

Wenn eine Krankheitswelle heftig wütet, bleiben manchmal ganze Kindergärten geschlossen. Wenn deutlich mehr als die Hälfte des Personals der Einrichtung im Bett liegt, ist ein geregelter Betrieb meist nicht mehr möglich.

Bei Erkältung hilft am besten viel heißer Tee und Bettruhe (Foto: Unsplash/Kelly Sikkema)
Tee, Taschentücher, Tiefenentspannung: Bewährte Mittel bei einer Erkältung Unsplash/Kelly Sikkema

"Kitas in Trägerschaft von Städten und Kommunen müssen in solchen Fällen eine Ersatzbetreuung bereitstellen", erklärt Andreas Winheller vom Landeselternausschuss der Kitas in Rheinland-Pfalz. Wenn die Träger dazu vorübergehen nicht in der Lage sind, seien die zuständigen Jugendämter in der Pflicht. Die Behörden müssten sich also um eine Betreuungslösung kümmern.

Einen Anspruch auf Schadensersatz gibt es bei solchen kurzfristigen und für die Träger unvorhersehbarem Personalausfall allerdings nicht, sagt Fachanwältin Loreena Melchert, Fachanwältin mit Schwerpunkt Kita-Recht:

"Sollte eine Kita krankheitsbedingt für vier Tage schließen müssen, ist das keine Amtspflichtsverletzung der Stadt oder Kommune."

Loreena Melchert, Fachanwältin für Kita-Recht

Auch entstehe für die betroffenen Zeiträume kein Anspruch auf Erstattung möglicher Kita-Gebühren: "Die allermeisten Kommunen oder privaten Träger schließen das in ihren Satzungen aus."

Findet sich tatsächlich keine andere Lösung, haben Eltern zudem das Recht, zu Hause zu bleiben, erläutert die Fachanwältin: "Eltern haben eine Aufsichtspflicht gegenüber den Kindern. Wenn die weder die Kita noch Großeltern oder eine andere bekannte Person wahrnehmen kann, darf ein Elternteil in einer solchen Notsituation zu Hause bleiben." Der Arbeitgeber muss in einem solchen Fall übrigens weiter Lohn zahlen.

Wenn Kinder krank sind

Häufiger als mit geschlossenen Kitas haben Eltern mit kranken Kindern zu tun. Wer Tochter oder Sohn zu Hause pflegen muss, kann Kinderkrankengeld in Anspruch nehmen. Voraussetzung: Der Betroffene und das Kind müssen gesetzlich krankenversichert sein.

Dazu muss ein Arzt nicht nur die Krankheit des Kindes feststellen, sondern auch, dass eine Betreuung unbedingt notwendig ist. In diesem Fall zahlt die Krankenkasse des betroffenen Elternteils ein Kinderkrankengeld in Höhe von 70 Prozent des regelmäßigen Einkommens. Vom Arbeitgeber bekommt man für diesen Zeitraum also kein Gehalt.

Attest, Geldscheine und Tabletten in kleinem Einkaufskorb (Foto: Imago, STPP)
Um Kinderkrankengeld zu bekommen, ist ein Attest nötig. Imago STPP

"Laut § 45 Sozialgesetzbuch V haben Eltern für jedes Kinder unter zwölf Jahren einen Anspruch auf zehn Tage Kinderkrankengeld im Jahr", erklärt Loreena Melchert. Wenn ein Elternteil "seine" Tage bereits ausgeschöpft hat, kann er die vom Partner auf sich übertragen lassen. Das setzt allerdings das Einverständnis der Arbeitgeber voraus. Alleinerziehenden stehen pro Kind 20 Arbeitstage zu, maximal jedoch 50 im Jahr.

Wer privat versichert ist, darf zwar von der Arbeit fernbleiben, hat allerdings keinen Anspruch auf Kinderkrankengeld. Wer in diese Gruppe fällt und regelmäßig ein krankes Kind betreuen muss, sollte über eine Zusatzversicherung nachdenken.

Wann der Arbeitgeber den Lohn weiter zahlt

In vielen Unternehmen regeln Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen, was passiert, wenn Kinder von Mitarbeitern krank sind. Beispielsweise kann ein Unternehmen seinen Mitarbeitern das Recht einräumen, kranke Kinder bis zu vier Tage lang bei vollen Bezügen zuhause zu betreuen.

In einem solchen Fall müssen Eltern also kein Kinderkrankengeld bei der Krankenkasse beantragen. Eine komfortable Lösung - zu der die Arbeitgeber allerdings nicht verpflichtet sind.

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