Autobrand Wenn das E-Auto plötzlich Feuer fängt

Rund 15.000 Fahrzeuge brennen jedes Jahr auf Deutschlands Straßen. Auch Elektroautos. Das Problem: Diese sind offenbar wesentlich schwieriger zu löschen.

Dauer

Sibylle B. ist auf der Landstraße unterwegs, als plötzlich Qualm aus der Motorhaube dringt. Sie stellt das Auto ab, steigt aus und ruft ihren Mann an - und schon geht das Fahrzeug in Flammen auf, das ganze binnen Sekunden.

Sibylle B. alarmiert die Feuerwehr. Die vermutet zunächst einen Unfall - Dass das sechs Jahre alte Auto von selbst Feuer gefangen hat, wird erst am Einsatzort klar. Der gesamte vordere Fahrzeugbereich muss gelöscht werden.

Öl hat sich entzündet

Als Brandursache wird vermutet, dass der Hochleistungsmotor "Ecoboost" durch Überhitzung gerissen ist und Öl verloren hat. Dieses Öl hat sich offenbar entzündet.

Generell sind Autobrände selten, aber jeder einzelne ist einer zu viel. Das Risiko heißt Verbrennungsmotor, wie dieser Test zeigt. Doch auch wenn zukünftig statt Diesel oder Benziner immer mehr Elektro-Autos fahren werden, ist die Brandgefahr damit nicht aus der Welt.

Tesla brennt in der Schweiz

Brennendes Fahrzeug auf Autobahn (Foto: SWR, SWR -)
Der Tesla in der Schweiz brannte komplett aus. SWR -

Selbst hochmoderne Elektroautos können brennen: Im Mai fackelt ein Tesla in der Schweiz durch einen Unfall komplett ab. Der Fahrer aus Tettnang stirbt dabei. Ein E-Auto in Flammen: Das ist vor allem für die Feuerwehren eine neue und ernsthafte Herausforderung.

Denn Elektroautos stehen buchstäblich unter Strom. Müssen Retter die Karosserie aufschneiden, um eingeklemmte Insassen zu retten, ist der Blick auf die Schaltpläne lebenswichtig. Denn die Hochspannungskabel dürfen keinesfalls durchtrennt werden.

Hinzu kommt: E-Autos brennen anders als Diesel und Benziner. An Feuerwehrschulen übt man deshalb den Ernstfall. Oft sind mehr Löschwasser und mehr Druck nötig. Vor allem das Herzstück, der Lithium-Ionen-Akku, gilt als gefährlicher Dauerbrenner.

Versenken als Lösch-Option

Roland Demke von der Staatlichen Feuerwehrschule Würzburg berichtet: "Es wurden auch schon Ereignisse berichtet - das ist zwar der Ausnahmefall -, dass so ein Fahrzeug, das gebrannt hat, im Wasser versenkt werden musste, weil es einfach nicht zu löschen war."

Auto wird mit Kran in Wasser-Container getunkt (Foto: Feuerwehr -)
Die Feuerwehr Reutlingen löschte den Elektro-Smart, indem sie ihn in einen Wassercontainer tauchte. Feuerwehr -

November 2017: Die Feuerwehr Reutlingen nimmt einen Elektro-Smart an den Haken und versenkt ihn komplett in einem Wassercontainer. Nur auf diese Weise lässt sich das Auto soweit runter kühlen, dass keine Brandgefahr mehr besteht. Ein enormer Aufwand.

Problem: Antriebsbatterien

Auch der ADAC ist den Risiken von E-Fahrzeugen auf der Spur. Bei Crash-Tests erweist sich die Brandgefahr zwar als genauso gering, wie bei Autos mit Verbrennungsmotoren. Aber kommt es durch Kollision doch zum Feuer, hilft Löschen allein nicht. Das Problem sind die Antriebsbatterien.

"Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Antriebsbatterie nach einem Unfall oder Brand nach einigen Tagen erneut brennt, ist durchaus gegeben", so Thomas Kubin vom ADAC. Chemische Reaktionen in der Antriebsbatterie gehen weiter, erklärt der Experte, was zu einem Überhitzen der Batterie führen kann.

Wrack muss tagelang bewacht werden

Oktober 2017: In Österreich steht auf der Autobahn ein Tesla in Flammen. Die Fahrerin war gegen die Leitplanke gerast. Sie kann sich aus dem Auto leicht verletzt befreien. Die Feuerwehr löscht das Fahrzeug und übergibt das Wrack an ein Abschleppunternehmen. Und das muss die Anweisung der Feuerwehr genauestens befolgen.

"Das Wrack muss auf einen so genannten Quarantäneplatz abgestellt werden, wo sich im Umkreis von mehreren Metern keine entzündbaren Gegenstände befinden und dort teilweise sogar bis zu 14 Tage bewacht werden", erklärt Christian Mayer von der Feuerwehr Landeck.

14 Tage oder länger - niemand weiß das genau, weil es noch keine langfristigen Erfahrungen mit E-Autos gibt.

Der Text gibt den Stand zum Sendungsdatum wieder.

Filmautor: Dirk Heinemann | Online: Sola Hülsewig
© SWR Marktcheck

STAND