Computer- und Videospiele werden bei Senioren immer beliebter. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Rolf Vennenbernd/dpa)

Wenn Oma und Opa zocken Computerspiele sollen Senioren fit halten

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Gerade läuft die Computerspiele-Messe Gamescom. Aber Zocken ist nicht nur was für junge Leute und Unterhaltung. Auch Senioren sollen profitieren, dazu gibt es ein Pilotprojekt.

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Fünf Senioren, fast alle schon weit über 90, sitzen im Alten- und Pflegeheim Sankt Elisabeth in Bad Kreuznach vor einem großen Bildschirm. Darauf ein virtuelles Kegel-Videospiel. Wie auf der Kegelbahn bewegen die betagten Spieler einen Arm und tun so, als wenn sie eine Kegel-Kugel rollen würden. Die erscheint dann auf dem Bildschirm. Die Bewegungen der Spieler werden über eine Kamera an der memoreBox aufgenommen und in die Bewegungen der virtuellen Spieler auf dem Bildschirm übersetzt.

Computerspielen für mehr Beweglichkeit in Körper und Geist

Seit Anfang Juli spielen die Senioren dreimal in der Woche jeweils eine Stunde mit der Seniorenkonsole namens memoreBox. Neben Kegeln können die Teilnehmer interaktiv auch Tanzen, Singen, Motorrad fahren, Tischtennis spielen oder als Postbote arbeiten. Den Senioren macht das sichtlich Spaß. Viele hatten zuvor noch nie etwas mit Computerspielen zu tun.

Die memoreBox ist etwa so groß wie eine Zigarrenkiste und steht neben dem Bildschirm. Zur Verfügung gestellt hat sie die Krankenkasse Barmer. Sie übernimmt die Mietkosten und finanziert die begleitende Forschung. Wieviel Geld die Kasse das Projekt kostet, will die Barmer nicht sagen.

Die memoreBox steht in einem Pflegeheim. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Rolf Vennenbernd/dpa)
Die memoreBox soll Videospiele in Pflegeheime bringen. picture alliance/Rolf Vennenbernd/dpa

Effekte für die Gesundheit werden erforscht

Entwickelt wurde die therapeutische Spielkonsole von einem Hamburger Startup-Unternehmen. Die Barmer will sie bis Ende des Jahres in insgesamt 100 Alten- und Pflegeheime bringen und ein Jahr lang mit wissenschaftlicher Begleitung testen. In Rheinland-Pfalz sind drei Heime beteiligt, in Baden-Württemberg sieben. Die Barmer möchte mit dem interaktiven Computerspiel die Gesundheit der Senioren fördern.

„Es sind Spiele, aber unbewusst machen die Spieler dabei physiotherapeutische und kognitive Übungen, die präventiv und therapeutisch wirken sollen.“

Boris Wolf, Pressesprecher Krankenkasse Barmer

Computerspiele sollen auch gegen Demenz eingesetzt werden

Zum Beispiel auch bei Demenz-Erkrankungen. Im Alten- und Pflegeheim Sankt Elisabeth in Bad Kreuznach ist die Memorebox noch nicht lange genug im Einsatz, um sagen zu könne, ob das Spielen wirkt. Das Projekt kommt aber gut an.

„Ich sehe schon jetzt Erfolge, vor allem in dem Bereich der Motorik. Menschen, die jetzt spielen, konnten am Anfang ihren Oberkörper viel weniger bewegen. Wichtig ist auch, dass die Menschen in einer Gruppe sozial aktiv sind.“

Michael Stahl, Leiter Alten- und Pflegeheim Sankt Elisabeth in Bad Kreuznach
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