Geplanter Produkttod? Wenn Geräte immer schneller kaputtgehen

Fernseher, Computer, Waschmaschine - die Lebensdauer von Elektrogeräten wird immer kürzer. Das beschert dem Handel Umsatz. Steckt etwa Absicht dahinter?

Dauer

Eine Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes bestätigt: Die meisten elektronischen Geräte werden immer kürzer genutzt.

Wird die Lebensdauer vom Hersteller absichtlich begrenzt, nennt man dies in der Fachsprache "geplante Obsoleszenz". Industrie und Handel profitieren von Geräten mit kurzer Lebensdauer, weil die Verbraucher dann wieder neue Geräte anschaffen müssen. Ob es die geplante Obsoleszenz tatsächlich flächendeckend gibt, ist schwer nachzuweisen.

Haushaltsgeräte mit kurzer Lebensdauer

Es gibt jedoch Indizien dafür, dass Produkte aufgrund ihrer Bauweise schnell kaputt gehen, so Holger Krumme von HTV in Bensheim. HTV vergibt ein Prüfzeichen für Produkte mit besonders langer Lebensdauer. Immer wieder begegnen Holger Krumme und seinen Kollegen Haushaltsgeräte mit einer auffallend kurzen Lebensdauer.

Ein Beispiel: Eine LED-Deckenleuchten ist so konzipiert, dass alle Leuchtmittel in Reihe geschaltet sind. Wenn eine Lampe ausfällt, ist damit die ganze Deckenleuchte kaputt. "Meiner Ansicht nach ist es hier gewollt, dass die Lebensdauer nicht zu lange ist", so Krumme.

Lebensdauer häufig planbar

Ein weiteres Beispiel: Ein Staubsauger geht nach vier, fünf Jahren kaputt, Ersatzteile sind nicht verfügbar. Das Problem ist, dass die im Gerät verbauten Kohlen abgenutzt sind. "Die Kohlen sind ein lebensdauerbestimmendes Teil dieser Motoren", so Krumme. "Dementsprechend kann man durch die Länge der Kohlen sehr genau die Lebensdauer definieren. Man hätte durch längere Kohlen auch eine deutlich längere Lebensdauer erreichen können."

Für Geldbeutel und Umwelt ist der schnelle Verschleiß fatal. Immer größere Müllberge sind die Folge und auch bei der Herstellung werden unnötig viele Ressourcen verbraucht.

Ein Mann schaut sich innere Teile eines Computers an. (Foto: Getty Images, Getty Images -)
Moderne Elektrogeräte lassen sich häufig schlecht reparieren. Getty Images -

Lässt Code in der Software Geräte kaputtgehen?

Markus Krajewski lehrt an der Universität Basel. Er hat sich unter anderem mit dem Glühbirnen-Kartell beschäftigt und glaubt, zu wissen, wie Hersteller tricksen, um die Lebensdauer von Geräten zu verkürzen. In der Vergangenheit seien dafür meist mechanische Bauteile verantwortlich gewesen. Heute, im digitalen Zeitalter, biete Software noch ganz andere Möglichkeiten. "Der Hersteller hat die Möglichkeit, mit drei Programmzeilen im Code eine Bedingung einzubauen, wie dass, wenn ein Zähler 20.000 erreicht hat, das Gerät den Dienst versagt", erklärt Krajewski. "Es ist für den Verbraucher mit allerhöchstem Aufwand verbunden, das zu entdecken und nachzuweisen."

Verbraucher in der Verantwortung

Als Verbraucher sollte man vor dem Kauf neuer Geräte prüfen, ob Ersatzteile auch über einen längeren Zeitraum hinweg geliefert werden können und welche Reparaturmöglichkeiten der Hersteller anbietet, rät Holger Krumme.

Die Studie der Umweltbundesamtes zeigt jedoch auch, dass Verbraucher Geräte häufig ohne unmittelbar Notwendigkeit austauschen - bevor diese kaputt und nicht mehr reparierbar sind. Das Amt rät aus Umweltschutzgründen, Produkte möglichst lang zu nutzen.

Der Text gibt den Stand zum Sendungsdatum wieder

Filmautor: Moritz Hartnagel | Online: Sola Hülsewig
© SWR Marktcheck

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