Weltweit begehrter Rohstoff Sand wird knapp - auch im Südwesten

Wenn es etwas "wie Sand am Meer gibt", dann ist es reichlich vorhanden. Wirklich? Mittlerweile ist Sand ein begehrter Rohstoff. Auch bei uns wird er knapp.

Förderbänder stehen in einer Kiesgrube. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Sand und Kies sind wichtige Baustoffe. picture-alliance / dpa -

In Deutschland seien Quarz- und Bausand "eigentlich in ausreichendem Maße verfügbar", so die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). Dennoch drohen Engpässe in manchen Regionen die Baukosten in die Höhe zu treiben. Die BGR hat eine mögliche Sand-Knappheit in einer Kurzstudie untersucht, die am Freitag vorgestellt wurde.

Teurer Sand in Stuttgart

Unter anderem in Stuttgart und Umgebung legen die Sandpreise zu. Während eine Tonne Sand entlang des Oberrheins von Südbaden über die Region Mannheim/Ludwigshafen bis Mainz derzeit rund sechs Euro pro Tonne kostet, müssen Kunden in Stuttgart mehr als das Doppelte bezahlen, etwa 13 Euro pro Tonne.

Karawane zieht an Dünen vorbei (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
In der Wüste gibt es Sand so weit das Auge reicht. Leider eignet sich der nicht zum Bauen. picture-alliance / dpa -

Das hat vor allem den Grund, dass es in vielen Gebieten zwar Sand gibt, der jedoch nicht abgebaut werden kann, weil der Naturschutz Vorrang hat oder der Boden überbaut ist mit Straßen oder Bahnlinien.

Situation könnte sich verschlimmern

Für 2018 erwarten die Studienmacher, dass sich das Problem verschlimmern wird. Selbst Regionen entlang des Rheins wie Mannheim-Karlsruhe könnten unter Lieferengpässen leiden. Das läge auch an langwierigen Genehmigungsverfahren, wodurch der Aufbau von mehr Produktionsstätten behindert werde. Im Ergebnis würden die Preise steigen.

Pärchen im Sand eines Palmenstrands auf der Malediven-Insel Kudo Bandos im Indischen Ozean (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
12 Inseln der Malediven sind schon verschwunden. picture-alliance / dpa -

Sand wird regional gewonnen und verarbeitet. Die ungeheuren Mengen können nicht quer durchs Land gefahren werden. So wurden im Jahr 2016 in Deutschland fast 250 Millionen Tonnen Bausand und -kies produziert. Das entspricht etwa fast sechs Millionen Lkw-Ladungen.

Weltweiter Sandbedarf

200 Tonnen Sand stecken in einem mittelgroßen Haus, 30.000 Tonnen in einem Kilometer Autobahn. Weltweit wird in jedem Jahr 2.800 mal der Inhalt der Cheopspyramide an Sand abgebaggert und verbaut.

Dabei ist Sand nicht gleich Sand: Wüstensand beispielsweise eignet sich nicht zum Bauen. Dazu taugt nur der aus alten Flusstälern und Meersand.

Illegaler Sandabbau

Australien verkauft Sand für fünf Milliarden Dollar im Jahr - unter anderem an den Wüstenstaat Dubai. Singapur baut nicht nur nach oben, sondern auch ins Meer hinaus. 700 Lkw mit Sand rollen jede Nacht in die Stadt. Woher diese kommen, ist unklar.

Stadtansicht Dubai (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Dubai hat einen hohen Bedarf an Bausand. picture-alliance / dpa -

In vielen Regionen wird Sand illegal abgebaut. Greenpeace warnt davor, dass Dutzende indonesischer Inseln deshalb in Gefahr sind, unterzugehen. Ganze zwölf Inseln der Malediven sind schlicht verschwunden - ihnen wurde buchstäblich der Sand abgegraben. Schuld daran ist der Bauboom auf der Hauptinsel Malé.

Touristen-Strände

Der Sand fließt aber nicht nur in die Bauindustrie: Immer mehr Sand wird gebraucht, um Strände für den Tourismus aufzuschütten. Die leiden unter anderem unter dem steigenden Meeresspiegel durch den Klimawandel.

Aber nicht nur das: Der natürliche Sand-Nachschub bleibt aus. Staustufen und Kraftwerksdämme sind der Grund, dass die Flüsse immer weniger Sand ins Meer transportieren.

Von Eva Laun und Werner Eckert, SWR Wirtschaft und Umwelt | Online: Sola Hülsewig

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