Weltmarktführer aus Mainz Hollywood-Musik für Computerspiele

Das Mainzer Musikstudio "Dynamedion" hat Musik für bekannte Spiele wie "Anno 1404", "Call of Duty" oder "Mortal Kombat" produziert. Weltbekannte Orchester arbeiten mit dem kreativen Unternehmen zusammen.

Musik für Spiele, die nach Hollywood klingt (Foto: © Dynamedion -)
Musik für Computerspiele, die nach Hollywood-Film klingt. © Dynamedion -

"Dynamedion" gehört nach eigenen Angaben zu den zehn führenden unabhängigen Musikstudios für Computerspielmusik in Europa. Man findet sie in einem unscheinbaren alten Backsteinhaus in der Mainzer Innenstadt - früher war hier eine Brauerei drin.

Vorbild Filmmusik aus Hollywood

"Der Wunsch der Kunden lautet meistens Hollywoodmusik", erklärt Tillmann Selescu, einer der beiden Gründer und Kreativ-Direktor. "Der Wunsch ist, so nahe wie möglich an eine tolle Filmmusik heranzukommen und dann aber auch wieder sehr funktional zu sein. Wir müssen es ermöglichen, dass die Musik auf die Gegebenheiten im Spiel eingeht."

"Plötzlich einer der Weltmarktführer" (Foto: © Dynamedion -)
"Plötzlich einer der Weltmarktführer" © Dynamedion -

Die ersten Computerspiele erzeugten nur sehr einfache Töne, später einfache synthetische Musik. Mit der Erfindung des Audio-Formats MP3 war es plötzlich möglich, richtige Musik in die Spiele einzubauen. In dieser Zeit, vor 18 Jahren, begann auch die Firmengeschichte von "Dynamedion", erklärt Mitgründer Pierre Langer, der damals gerade ein Musikstudium absolviert hatte. Ein Freund bat ihn, die Musik für sein Computerspiel beizusteuern.

"Für mich war es viel natürlicher, für Videospiele zu komponieren als für Film und Fernsehen zum Beispiel - weil Videospiele einfach eine noch viel chaotischere Branche waren damals. Man ist so reingerutscht. Wir hatten Glück, haben direkt einen relativ großen Auftrag bekommen und sind von da aus immer weiter gewachsen. Und plötzlich haben wir uns umgeschaut und waren einer der Weltmarkführer."

Herausforderung: Keine lineare Handlung

Die aktuellen Projekte sind streng geheim (Foto: © Dynamedion -)
Die aktuellen Projekte sind streng geheim © Dynamedion -

Inzwischen buchen die Mainzer sogar ganze Orchester für ihre Produktionen, wie zum Beispiel das "London Symphony Orchestra". Denn wie beim Film gilt: 50 Prozent des Erfolges macht die Musik aus. Dabei muss die Musik ganz anders als beim Film gestaltet sein, meint Firmeninhaber Pierre Langer, der in Mainz 30 festangestellte Kreative und noch 20 freie Mitarbeiter weltweit beschäftigt. Bei einem Spielfilm gibt es fortlaufende Handlungsstränge, an denen sich die Musik orientieren kann. Bei einem Computerspiel dagegen gibt es verschiedene Spiel-Level und Wiederholungen, auf die die Musik eingehen muss.

"Als Entwickler weiß man nicht, wie lange der Spieler in einer Szene verharren wird. Wenn zum Beispiel ein Level immer wieder wiederholt wird oder der Spieler einen gewissen Gegner immer wieder bekämpft, dann geht einem die Musik schnell auf die Nerven. Da muss man schon eine gute Balance finden - unaufdringlich sein ohne gleichzeitig völlig gesichtslos zu sein. Man löst das dann in Stufen. Wenn der Spieler lange an einer Stelle hängt, lässt man vielleicht eine Spur raus von der Musik."

Schwierige Produktionsbedingungen

Musik als Letztes in der Produktionskette (Foto: © Dynamedion -)
Musik als Letztes in der Produktionskette © Dynamedion -

Hunderte verschiedene Titel können auf diese Weise in ein Spiel eingebaut sein. Obwohl die Musik für Computerspiele sehr wichtig ist, fristet sie für die Spiele-Entwickler-Firmen oft ein Schattendasein. Manchmal wird erst in letzter Minute an den Sound gedacht, manchmal werden die Komponisten aber auch schon in die Entwicklung einbezogen. Aber höchstens fünf Prozent der Kosten für die Spiele-Entwicklung werden für die Musik ausgegeben, schätzt Pierre Langer.

"Sound und Musik machen einen ganz verschwindend geringen Teil des Budgets der Spiele-Entwickler aus, haben aber eine enorm große Wirkung. Das ist natürlich das Dilemma, in dem wir stehen. Auf der einen Seite kommen Musik und Sound immer ganz am Schluss einer Produktion. Da ist das Budget schon ziemlich runter genudelt. Auf der anderen Seite kann man den Leuten immer nur sagen: Ihr könnt mit nur ein wenig mehr Budget im Bereich Audio die Qualität des Spieles deutlich erhöhen."

"Dynamedion" wird dieses Jahr auch auf der Spiele-Messe Gamescom in Köln vertreten sein.

Wolfgang Brauer, SWR Wirtschaftsredaktion | Online: Moritz Hartnagel

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