Welpenhandel in Bornheim Tierärztin zu neun Monaten Gefängnis verurteilt

Infolge unserer Recherchen wurde eine Tierärztin aus Bornheimwegen Misshandlung von Tieren angeklagt. Jetzt ist das Urteil gefallen.

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20:15 Uhr
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SWR Fernsehen

Welpenhandel in Bornheim

Marktcheck hat 2017 einen illegalen Welpenhandel in Bornheim in Rheinland-Pfalz aufgedeckt. Dabei hielt eine Tierärztin Tiere in nicht artgerechter Haltung und verkaufte sie weiter. Marktcheck hatte die Vorgänge der Polizei gemeldet.

Bei einer Razzia im April 2017 wurden 44 Hunde, 18 Katzen und drei Kängurus befreit. „Von Haltung kann keine Rede sein. Wir haben schon viel gesehen, aber das ist schon heftig hier,“ sagte damals eine an der Razzia beteiligte Mitarbeiterin des Tierheims.

Geschmuggelte Tiere oft krank

Die Tiere waren in zu kleinen Räumen gehalten worden. Zum Teil standen sie knöcheltief in ihrem Kot, ein Hund wurde im Dunkeln gehalten. Stein des Anstoßes war ein Welpe, den eine Hundehalterin kaufte. Die Tierhalterin brachte den Welpen zur Tierärztin, Frau S., in Behandlung und zahlte insgesamt 1.600 Euro Arztkosten.

Der Welpe verstarb kurze Zeit später an Parvovirose, ein für Welpen oft tödliches Virus, das häufig bei aus Osteuropa geschmuggelten Tieren auftritt. Daraufhin wandte sich die Hundehalterin an die Tierschutzorganisation Vier Pfoten.

Tierärztin handelte offenbar verbotenerweise weiter mit Welpen

Das Veterinäramt sprach Frau S. ein vorläufiges Berufsverbot aus und untersagte ihr jegliche Haltung von Tieren. Doch wie Marktcheck-Recherchen zeigten, betrieb sie den Welpenhandel möglicherweise weiter. Im Dezember 2017 beobachtete Marktcheck, wie Frau S. Tiere transportierte. Zuvor hatte sie über Mittelsmänner einige der aus ihrer Tierarztpraxis und zwei weiterer Anwesen geretteten Tiere zurückgeholt und zum Verkauf angeboten.

Nach Marktcheck-Informationen betrieb Frau S. den Welpenhandel aus dem nahegelegenen Elsass, um dem deutschen Veterinäramt zu entgehen. Mittlerweile hat das deutsche Veterinäramt seine französischen Kollegen über Frau S. informiert. Nach unseren Dreharbeiten werden die Behörden dort aktiv. Auch dort drohen ihr jetzt wohl rechtliche Konsequenzen.

Illegaler Tierhandel ist ein lukratives Geschäft

Jährlich werden Schätzungen zufolge 100.000 bis 200.000 Tiere aus Osteuropa illegal nach Deutschland geschmuggelt. Es ist ein Millionengeschäft. Nicht selten werden dabei Stammbäume und Impfpässe gefälscht und die Tiere anschließend zu Billigpreise an Kunden weiterverkauft.

Hintergrund: Die Marktcheck-Recherchen

Bereits seit 2017 verfolgt die Marktcheck-Redaktion den Fall in Bornheim. Alle Beiträge aus den Sendungen finden Sie hier:

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