Eine Frau alleine im Flur einer Unternehmenszentrale  (Foto: dpa Bildfunk, Jan Woitas/ZB/dpa-Bildfunk)

Weibliche Top-Managerinnen Was fehlt, sind Frauen in der zweiten Führungsebene

Die deutsche Wirtschaft tut sich schwer mit Frauen an der Spitze. In den USA sind weibliche CEOs nichts Ungewöhnliches, in Deutschland gibt es noch vielerlei Hürden.

2012 kam Marissa Mayer in ihr Amt – als CEO von Yahoo, dem ehemaligen Erzrivalen von Google. Damals war die Vorstandsvorsitzende 37 Jahre alt. Jünger war noch keine Frau auf einem solchen Posten. Drei Kinder brachte sie während ihrer Zeit bei Yahoo – zwischen 2012 und 2017 – zur Welt. Als sie 2015 Zwillinge bekam, nahm sie nur drei Wochen Auszeit. In der Chefetage von Yahoo entstand ein Kinderzimmer.

Eine Chefin an der Spitze eines Großkonzerns – was in den USA normal ist, wäre in Deutschland fast eine Sensation: Noch nie stand bei einem Dax-Unternehmen bisher eine Frau an der Spitze. Auch wenn die Zahl weiblicher Top-Managerinnen wächst, in den 160 Unternehmen, die in Dax, MDax und SDax gelistet sind, beträgt der Frauenanteil in den Vorständen nur magere 8,6 Prozent.

Dauer

Es fehlt an Frauen bereits in der zweiten Reihe der Führungsriegen

Warum schaffen es nur wenige Frauen in der Wirtschaft ganz nach oben? Eine, die diese Frage umtreibt, ist Ulrike Wieduwilt, Deutschland-Chefin von Russell Reynolds, einem der größten Personalberater der Welt. Sie glaubt: Woran es am meisten fehlt, sind Frauen in der zweiten Reihe.

„Wenn Sie in große Industrieunternehmen reingehen, in Länderverantwortlichkeiten oder in regionale Verantwortlichkeiten, dann haben Sie da häufig keine Frauen. Wenn Sie einen Anteil von 25 Prozent Frauen haben auf einer Ebene, dann wird es auch einfacher, dass davon Frauen weiterbefördert werden. Es kommt dann eine natürliche Auslese da rein – in diesen Prozessen sind eben auch Frauen mit drin.“

Ulrike Wieduwilt, Deutschland-Chefin der Personalberatung Russell Reynolds

Die Familie – der Karriereknick

Mehr Frauen auf die Nachrückerlisten für die Spitzenposten: Damit das gelingt, muss in den Karrieren der Nachwuchs-Managerinnen alles glatt laufen. Doch das passiert oft nicht. Laut Ulrike Wieduwilt kommt bei vielen Frauen der Karriereknick – meist dann, wenn die Kinder kommen. Zwischen 30 und 40 Jahren machen die Frauen wichtige Schritte in ihrer Karriere. Wenn dann auch das zweite Kind kommt und der Stress steigt, ziehen sich viele beruflich zurück. Wieduwilt hält es deshalb für wichtig, dass Haushaltshilfen steuerbegünstigt werden.

Janina Kugel hat es geschafft: Personalvorständin bei Siemens

Eine der Wenigen, die es trotzdem nach oben geschafft haben, ist Janina Kugel. Geboren in Stuttgart, Studium der Volkswirtschaftslehre in Mainz, heute Personalvorständin bei Siemens. In der Wirtschaftspresse gilt sie aktuell als eine der einflussreichsten Frauen der deutschen Wirtschaft. Gegenüber dem SWR sagte Janina Kugel Ende 2018:

„Ich sage zum Beispiel jungen Frauen: Ihr müsst nicht denken, dass bloß weil Ihr in irgendeiner Weise einen guten Job macht, das jemandem auffällt. Ihr müsst auch darüber sprechen.“

Janina Kugel, Personalvorständin bei Siemens

Das sei schwer für Frauen, die erzogen wurden mit der Maßgabe „Du kannst das nicht, Du bist ein Mädchen." Sie trügen das lange mit sich herum. Das beobachtet auch Ulrike Wieduwilt. Verhaltensweisen, mit denen sich Frauen manchmal bei ihrer Karriere selbst im Wege stünden, lägen nicht in ihrer Natur, sondern seien anerzogen und könnten auch abtrainiert werden. „Es gibt ein paar Dinge, die muss man einfach lernen, wie man mehr Selbstbewusstsein kriegt.“

Janina Kugel, Personalvorständin bei Siemens (Foto: dpa Bildfunk, dpa - Bildfunk/Sven Hoppe)
Janina Kugel, Chief Human Resources Officer und Mitglied des Vorstands der Siemens AG dpa - Bildfunk/Sven Hoppe

Hoffnung auf Besserung für Frauen - neues Rollenverständnis bei Jüngeren

Doch es gibt Hoffnung – ein Faktor könnte den Wandel in den Chefetagen beschleunigen: die Zeit. Bei den Leistungsträgern der Gesellschaft steht bald ein Generationswechsel an: Die Baby-Boomer mit ihrem oft noch traditionellen Geschlechterbild treten ab, die Generationen X und Y übernehmen die Schaltstellen:

Wieduwilt sagt: „Die Generation lernt viel mehr, dass sie sich auch durchsetzen können, und stellen sich auch nicht mehr so in Frage. Und je mehr Frauen das dann sind, desto weniger ist das eben ein Thema. Genauso wie Männer auch gerne mal zuhause bleiben. Oder auch gern mal drei Monate, sechs Monate sagen, sie wollen von dem Kind was mitbekommen.“

Vielleicht ist der Weg also gar nicht mehr so weit zu einer deutschen Marissa Mayer, einer Vorstandsvorsitzenden in einem börsennotierten Unternehmen. Janina Kugel, Managerin von Siemens, würde das begrüßen: „Die Welt dreht sich ein bisschen, und ich sehe es als meine Verantwortung an – und übrigens auch in der Verantwortung von anderen Frauen, die in Führungspositionen sind – dass wir den Weg ein bisschen besser bereiten für die Generation, die da kommt.“

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