Wegelagerer auf Urlaubsrouten Die Tricks der Touristen-Betrüger

Vermeintliche Unfälle, Pannen und falsche Polizisten: Mit diesen Tricks versuchen Betrüger an das Geld oder die Wertsachen von Urlaubern zu kommen.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
20:15 Uhr
Sender
SWR Fernsehen

Der Spiegel-Trick

Stellen Sie sich vor, Sie fahren mit dem Wohnmobil an einem am Straßenrand stehenden Auto vorbei und fast zeitgleich gibt es einen Knall, so als wäre etwas auf ihr Fahrzeug gefallen. Kurze Zeit nähert sich das Auto von hinten und der Fahrer versucht mit Lichtzeichen oder Hupe auf sich aufmerksam zu machen und setzt sich vielleicht sogar vor Sie und bremst Sie aus. Ihnen wird deutlich signalisiert, dass Sie anhalten sollen.  

Zerbrochener Autsospiegel (Foto: Colourbox)
Haben wirklich Sie den Schaden am Spiegel verursacht?

Sie steigen also aus und gehen zu der Stelle, auf die der Betrüger an ihrem Fahrzeug zeigt und entdecken einen langen breiten schwarzen Strich. Der Betrüger behauptet dann, Sie hätten mit ihrem Wohnwagen seinen Spiegel berührt, der jetzt kaputt sei. Er erklärt sich aber sofort bereit, die Sache auf sich beruhen zu lassen, wenn Sie ihm beispielweise 200 Euro geben. Es wird permanent auf Sie eingeredet und Zeit zum Nachdenken haben Sie auch nicht.  

Es hat ja schließlich geknallt, hat man also wirklich das andere Fahrzeug touchiert? Betroffene sind in solchen Situationen oft verunsichert, gleichzeitig scheint eine Lösung in Sicht: Die Angelegenheit lässt sich ohne großes Aufsehen mit Geld bereinigen und die Reise kann weitergehen. Doch genau diese Stresssituation ist bewusst herbeigeführt und die Falle schnappt zu.

Jan Everding, Landeskriminalamt Baden-Württemberg (Foto: SWR)
Jan Everding, Landeskriminalamt Baden-Württemberg

Jan Everding vom Landeskriminalamt Baden-Württemberg kennt die Maschen der Betrüger, rät zu einem gesunden Misstrauen.  Und vor allem dazu, dass man sich nicht unter Druck setzen lässt.

„Man befindet sich in einer Situation, die man nicht erwartet hat und ist deshalb kurz überfordert. Will deshalb nur aus der Situation raus, lässt man daher leicht mit sich etwas machen. Zum Beispiel, dass man Geld abgibt, was man sonst nicht machen würde.“

Jan Everding, Landeskriminalamt Baden-Württemberg

Die Masche: Während man selbst noch am Aussteigen ist, wird der schwarze Strich aufgemalt und der Knall wurde durch einen Stein oder Ähnliches verursacht, den der Betrüger auf das Fahrzeug geworfen hat. Man hat also nicht einen Schaden verursacht, sondern hat mitunter durch den Steinwurf selbst einen Schaden am Fahrzeug erlitten.

Tipps: Bleiben Sie gelassen, notieren Sie sich, wenn möglich bereits vor dem Aussteigen das Kennzeichen des anderen Fahrzeuges. Zeigen Sie, dass Sie ein betriebsbereites Handy dabeihaben.
Schauen Sie sich sowohl den Spiegel als auch den vermeintlichen Schaden an Ihrem Auto genau an: Sind der Spiegel des anderen Autos und der schwarze Strich überhaupt auf einer Höhe? Und wie sieht der Strich aus, ist er vielleicht aufgemalt?
Zweifeln Sie das Ganze an, sollten Sie mit Ihrem Smartphone Fotos machen und signalisieren, dass Sie die Polizei anrufen möchten. Meist sind die Trickbetrüger dann ganz schnell verschwunden. Überprüfen Sie Ihr Fahrzeug auf Schäden durch den Steinwurf und erwägen Sie  - je nach Schadensausmaß - eine  Anzeige bei der Polizei.

Der Pannen-Trick

Auch klassische Trickdiebe warten auf Raststätten und Parkplätzen und spielen den vermeintlichen Helfer in der Not.

ein Autoreifen mit einem Platten (Foto: Colourbox)
Kontrollieren Sie nach jeder Rast, bei der Sie das Fahrzeug verlassen haben, die Reifen auf Beschädigungen.

Die Masche: Während man sich selbst vom Auto entfernt hat, wird einem beispielsweise ein Reifen aufgeschlitzt. Kommt man zurück und ist wieder ins Auto eingestiegen, spielt einer der Trickdiebe den Helfer.  Er macht die Opfer auf den platten Reifen aufmerksam. Im Eifer des Gefechts lassen die meisten Urlauber beim Aussteigen einfach die Autotüren offen. Während sie noch den Schaden begutachten und mit dem angeblichen Helfer diskutieren, stiehlt einer seiner Komplizen ihre Wertsachen.

Varianten:

  • Manchmal wird man auch nicht sofort auf der Raststätte mit dem Helfer konfrontiert, die Trickbetrüger folgen einem stattdessen, bis man auf der Straße wegen des Schadens anhält.
  • Eine weitere Möglichkeit ist, dass Sie um Hilfe gebeten werden, also beispielsweise nach dem Weg gefragt werden.

In allen Fällen geht es darum, dass ein Trickbetrüger Sie ablenkt, während ein anderer versucht, unbemerkt etwas aus Ihrem Fahrzeug zu entwenden.

Tipps: Gerade wenn jemand übermäßig freundlich ist, oder übermäßig gestikuliert, sollte man der Situation mit Skepsis begegnen. Bleiben Sie erst mal im Auto und versuchen Sie sich einen Überblick über die ganze Szene zu verschaffen. Schließen Sie sämtliche Fenster und achten Sie beim Aussteigen auf das Umfeld, schließen Sie sofort die Tür und verriegeln Sie das Fahrzeug. Das kann auch sinnvoll sein, wenn noch weitere Personen im Auto sind, da die Trickdiebe mitunter recht rüde vorgehen, die Beifahrertüre aufreißen und den Beifahrer oder die Kinder auf dem Rücksitz überrumpeln um an Wertsachen zu kommen. Und auch der Kofferraum ist so vor einem Zugriff geschützt.  

Der „Falsche Polizisten“-Trick

Viele Menschen lassen sich von Uniformen beeindrucken und außerdem wollen die meisten Urlauber auf keinen Fall Ärger mit ausländischen Ordnungshütern. Außerdem können viele nicht einschätzen, wie realistisch beispielsweise eine Verkehrskontrolle in dem fremden Land ist. So haben falsche Polizisten ein leichtes Spiel. 

Nachgestellte Szene: Zwei Betrüger geben sich als Poliszisten aus und führen getürkte Verkehrkontrolle durch (Foto: SWR)
Vorsicht vor falschen Polizisten im Urlaub: Lassen Sie sich den Dienstausweis zeigen!

Die Masche: Sie werden von vermeintlichen Polizisten angehalten, angeblich, weil Sie zu schnell gefahren sind. Die Polizisten wollen für die Geschwindigkeitsübertretung sofort Bargeld abkassieren. Oftmals nehmen die Betrüger eine bedrohliche Haltung ein, fordern kompromisslos das Bußgeld und geben den Reisenden keine Chance zum Nachdenken.

Tipps: Bleiben Sie höflich, aber skeptisch und bewahren Sie die Ruhe. Am besten fragen Sie nach dem Dienstausweis: Echte Polizisten haben kein Problem damit, wenn sich der Autofahrer Namen und Dienstnummer notieren will, falsche schon.

„Wenn man weiterhin misstrauisch ist, kann man auch zum Beispiel unter dem Vorwand, man habe nicht genug Bargeld dabei, anbieten, dass man zum nächsten Polizeirevier mitfährt, dort die Buße begleicht. Sodass man dann anhand des Gebäudes und anhand der Umgebung sicher sein kann, dass man es mit der richtigen Polizei zu tun hat.“

Jan Everding, Landeskriminalamt Baden-Württemberg

Tipps zur Sicherheit im Urlaub

Wer ein paar allgemeine Tipps beherzigt, kann sich vor vielen Betrügereien schützen und im Betrugsfall ohne Zeitverlust reagieren.

  • Speichern Sie sich vor der Fahrt die Polizeinotrufe ihrer Urlaubsländer in Ihrem Handy ab. So können Sie in einer merkwürdigen oder bedrohlichen Situation sofort dort anrufen.
  • Auch die Nummern der deutschen Vertretungen wie Botschaften oder Konsulate und - wenn vorhanden – die Notrufnummern Ihrer Versicherungen sollten Sie jederzeit parat haben. Der Vorteil dabei ist, dass sie mit deutschsprachigen Mitarbeitern verbunden werden.
  • Notieren Sie auch die für die Sperrung Ihrer Geldkarten benötigten Nummern.
  • Erstellen Sie eine Kopie Ihrer Fahrzeug- und Ausweispapiere und Geldkarten, die Sie entweder gesondert mit sich führen oder digital in Ihrem E-Mail-Postfach oder Ihrer persönlichen Cloud gespeichert haben.
  • Führen sie Bargeld, Schecks und Ausweispapiere in einem Brustbeutel, Geldgürtel oder in einer Innen befindlichen Jackentasche mit sich. Umhängetaschen können einem leicht entrissen und Geldbeutel entwendet werden.
  • Verteilen Sie Ihre Urlaubskasse auf verschiedene Stellen.
  • Gegenstände auf dem Beifahrersitz oder auf den Rücksitzen locken Diebe geradezu an, versuchen Sie daher Ihr Reisegepäck möglichst nur im Kofferraum oder zumindest nicht sofort einsehbar zu transportieren.
  • Lassen Sie Ihr beladenes Fahrzeug möglichst nie unbewacht.
  • Seien Sie immer skeptisch, wenn Sie auf Parkplätzen, Rastanlagen etc. von Fremden angesprochen werden.
  • Kontrollieren Sie Ihr Fahrzeug nach jedem Rastplatzaufenthalt auf eventuelle Beschädigungen – insbesondere die Reifen.  
  • Haben Sie eine Panne, ziehen Sie den Zündschlüssel ab, schließen Sie die Tür nach dem Aussteigen sofort und verriegeln Sie das Fahrzeug.
  • Das Gleiche gilt, wenn sie während der Fahrt von Fremden animiert werden, anzuhalten.

Speziell für Camper empfiehlt der ADAC unter anderem beim Übernachten außerhalb von gesicherten Campingplätzen Türen und Fenster möglichst geschlossen zu halten und Dokumente und Wertsachen in einem fest eingebauten Safe aufzubewahren.  Ferner soll der Zündschlüssel im Schloss stecken bleiben und keine Parkstützen verwendet werden, damit man in einer bedrohlichen Situation sofort abfahren kann.

Und es gilt immer: Sind Sie in eine bedrohliche Lage geraten, ist es besser, Wertsachen herzugeben, als ihre Gesundheit oder ihr Leben zu riskieren.

Weitere Informationen finden unter: „Tipps des ADAC zur Sicherheit im Urlaub für Autofahrer, Camper und Bootsfahrer“

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