Wechseljahre Wenn das Altern zur Qual wird

Marktcheck klopft ab

Wie lassen sich typische Beschwerden in den Wechseljahren lindern? Welche Ernährung ist ratsam? Und inwiefern können auch Männer betroffen sein?

Dauer

Was sind die Wechseljahre?

Als Wechseljahre (Fachsprachlich: Klimakterium) werden die Jahre vor und nach der letzten Regelblutung - der Menopause - der Frau bezeichnet. Mit zunehmendem Alter ist der Vorrat an Eizellen aufgebraucht. Der Eisprung bleibt immer häufiger aus. Dadurch sinkt der Gelbkörperhormonspiegel. Der Zyklus kommt aus dem Takt. Irgendwann setzt die Monatsblutung ganz aus. Es wird weniger Östrogen produziert.

Das Alter, in dem Frauen die Menopause erleben, beträgt im Durchschnitt 51 Jahre. Sie kann aber auch schon mit 45 oder erst mit 55 Jahren kommen.

Wie lange dauern die Wechseljahre?

In den Wechseljahren muss der Körper mit einer hormonellen Umstellung zurechtkommen. Diese beginnt schon Jahre vor der Menopause und endet einige Jahre danach. Meistens dauern die Wechseljahre zwischen drei und elf Jahren - Der Durchschnitt liegt bei etwas über sieben Jahren.

Symptome

Ob Frauen überhaupt Symptome der Wechseljahre spüren und wie stark diese ausfallen können, ist unterschiedlich. Statistisch gesehen bemerkt ein Drittel der Frauen die Wechseljahre kaum. Ein weiteres Drittel spürt leichte Veränderungen und ein Drittel leidet unter starken Beschwerden.

Typische Symptome der Wechseljahre sind Hitzewallungen und nächtliches Schwitzen, ein unruhiger Schlaf, Gewichtszunahme und Stimmungsschwankungen bis hin zur Depression.

Wie empfehlenswert ist eine Hormontherapie?

Ob Frauen in den Wechseljahren Hormone einnehmen sollten, ist umstritten.

Noch in den neunziger Jahren wurde die Therapie mit Östrogenen und Gestagenen vielen Frauen empfohlen. Dann sorgte eine Studie der Women's Health Initiative (WHI) aus dem Jahr 2002 für einen Verschreibungsrückgang, da die Ergebnisse die Hormontherapie scheinbar mit einem Anstieg des Herzinfarkt- und Brustkrebsrisikos in Verbindung brachte.

Mittlerweile sind jedoch viele Fachärzte der Ansicht, die Studie von 2002 sei falsch interpretiert worden.

Dennoch sollten Vorteile und Risiken einer Hormontherapie gut abgewogen werden. So warnt Gynäkologin Friederike Perl vor einem steigenden Risiko in Bezug auf Thrombose, Embolie, Brustkrebs und Gebärmutterinnenschichtkrebs. Und auch Marktcheck-Gesundheitsexperte Dr. Lothar Zimmermann empfiehlt eine Hormontherapie nur, wenn der Leidensdruck der Betroffenen groß ist - keinesfalls aber bei schwachen Symptomen oder gar vorbeugend.

Hormonpräparate lassen sich übrigens auch über Zäpfchen, Pflaster, Cremes oder Gels anwenden. Sie wirken dann lokaler und haben weniger negative Gefäßnebenwirkungen.

Eine Hormontherapie dauert meist zunächst einmal ein bis zwei Jahre. Danach wird die Dosis reduziert und geschaut, wie die Patientin damit zurechtkommt.

Pflanzliche Präparate

Einige Pflanzliche Präparate gegen Wechseljahrs-Beschwerden sind umstritten. So rät das Bundesinstitut für Risikobewertung beispielsweise von isolierten Sojapräparaten ab. Dass Medikamente auf Pflanzenbasis bestehen bedeutet nämlich nicht, dass sie harmlos sind, warnt Dr. Lothar Zimmermann. Sie können beispielsweise in Wechselwirkung mit anderen Medikamenten treten und deren Wirkung verstärken oder abschwächen.

Einige pflanzliche Mittel haben sich jedoch bewährt: So wird traditionell Johanniskraut bei Stimmungsschwankungen und leichten Depressionen verschrieben. Salbeitee kann außerdem bei Schweißausbrüchen helfen.

Sport und Ernährung

Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Frauen, die Sport machen, weniger mit Wechseljahrs-Beschwerden zu kämpfen haben. Da die Muskelmasse im Alter verloren geht, ist ein gezieltes Muskelaufbautraining hilfreich.

Ebenso wichtig ist eine gesunde Ernährung mit wenig Fleisch, viel Gemüse und viel Milchprodukten. Das darin enthaltene Kalzium kompensiert das steigende Osteoporose-Risiko. Zusätzlich empfehlen Experten herzschützende Öle wie Lein-, Raps- und Olivenöl. Scharfe Gewürze und Alkohol wirken dagegen bei Hitzewallungen kontraproduktiv.

Mann im Hemd sitzt am Schreibtisch und stützt den Kopf in die Hände. Vor ihm auf dem Tisch liegen Tabletten. (Foto: imago stock&people -)
Im Normalfall brauchen Männer im mittleren Alter keine Hormonpräparate. imago stock&people -

Wechseljahre bei Männern

Es ist ein Mythos, dass Männer in die Wechseljahre kommen und deshalb Hormone brauchen. Wenn Männer sich ab dem mittleren Alter verstärkt müde und lustlos fühlen, hat das weniger mit dem Testosteronspiegel zu tun, sondern eher mit dem normalen Alterungsprozess.

Testosteron ist kein Verjüngungsmittel oder Lifestyle-Medikament, warnt auch Gesundheitsexperte Zimmermann. Durch falsch eingenommenes Testosteron kann ein bestehender Prostatakrebs beschleunigt werden. Die Risiken für Schlaganfälle, Herzinfarkte, Leberschäden und Unfruchtbarkeit steigen durch die Einnahme. Als leichtere Nebenwirkungen können Übelkeit und Akne auftreten.

Das Hormon sollte wirklich nur eingenommen werden, wenn ein krankhafter Testosteronmangel besteht (weniger als 12 Nanomol Testosteron im Liter Blut). Der Testosteronspiegel schwankt jedoch so stark, dass man mindestens zu zwei unterschiedlichen Zeitpunkten messen sollte.

Es gehört zwar zum normalen Alterungsprozess, dass der Testosteronspiegel beim Mann ab 35 sinkt. Auch hier gilt jedoch: Durch Sport und gesunde Ernährung kann viel erreicht werden. Ein fitter Siebzigjähriger kann einen höheren Testosteronspiegel haben, als ein gestresster, übergewichtiger und unsportlicher Vierzigjähriger.

Erektionsstörungen haben übrigens wenig mit dem Testosteronspiegel zu tun, sondern werden hauptsächlich durch verengte Blutgefäße verursacht.

Der Text gibt den Stand zum Sendungsdatum wieder


Filmautorin: Heike Scherbel | Online: Sola Hülsewig
© SWR Marktcheck

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