Pilze und Bakterien Keimschleuder Waschmaschine

AUTOR/IN
AUTOR/IN

Keime und Pilze verteilen sich beim Waschen in der Maschine auf den Kleidungsstücken. Wir haben Proben genommen. Erschreckendes Ergebnis: Alle Waschmaschinen waren massiv verkeimt.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
20:15 Uhr
Sender
SWR Fernsehen

Multiresistente Keime auf einer Frühchen-Station

Bei 17 Frühchen wird der gefährliche Keim Klebsiella oxytoca gefunden und löst höchste Alarmbereitschaft in der betroffenen Klinik aus. Woher kommen diese Keime und warum finden sie sich auffällig häufig bei den Frühgeborenen?

Neugeborenes liet in einem Brutkasten (Foto: Colourbox)
Keime versetzen eine Frühchenstation in Alarmbereitschaft

Profis vom Hygieneinstitut Bonn nehmen Proben aus jedem Winkel des Krankenhauses, auch von einer Waschmaschine im Keller. Und sie werden fündig, sie können den gefährlichen Keim in einer Klinik-Waschmaschine nachweisen. Ist der Täter gefunden? Die Molekularbiologen untersuchen die Kleidung der Frühchen. Und stellen fest: Es sind nur die Söckchen und Mützchen besiedelt, die in der einen Klinik-Waschmaschine im Keller gewaschen wurden. Und der multiresistente Keim ist genetisch identisch mit dem Keim in der Krankenhaus-Waschmaschine. Offenbar waren die Keime also während des Waschens auf die Kleidung übergegangen.

Prof. Martin Exner, Hygieneinstitut Bonn  (Foto: SWR)
Prof. Martin Exner, Hygieneinstitut Bonn

„Dass die Waschmaschine tatsächlich die Quelle war, konnten wir dadurch beweisen, dass - nachdem diese Waschmaschine entsorgt worden ist und nicht mehr weiterverwendet wurde - tatsächlich diese Serie von Besiedlung von Kleinkindern mit diesen spezifischen Erregern vollständig unter Kontrolle gebracht worden ist.“

Prof. Martin Exner, Hygieneinstitut Bonn

Damit haben die Forscher bewiesen, dass Keime aus der Waschmaschine auf den Menschen übertragen werden können. Obwohl das wegen des unüblichen Einsatzes einer Haushaltswaschmaschine in einer Klink ein Sonderfall ist, stellt sich die Frage, was das für Waschmaschinen in privaten Haushalten bedeutet.

Sind auch Haushaltswaschmaschinen keimbelastet?

Wir entnehmen bei 20 zufällig ausgewählten Familien Proben an einer Stelle in der Waschmaschine, die immer mit Wasser in Berührung kommt: In der Einspülkammer über der Schublade, in die das Waschmittel eingefüllt wird. Im Mikrobiologischen Institut der Hochschule Rhein-Waal in Kleve werden unsere Proben auf Fäkalkeime, verschiedene Bakterienarten, Hefen und Schimmelpilze untersucht. Dafür müssen die Keimproben zwei Tage lang im Wärmeschrank bei 36 Grad brüten. Das Ergebnis:

Prof. Dirk Bockmühl, Hochschule Rhein-Waal (Foto: SWR)
Prof. Dirk Bockmühl, Hochschule Rhein-Waal

„Im Prinzip haben wir hier einen Zoo. Wir haben das mal untersucht und es waren 100te verschiedene Arten Bakterien, aber auch Schimmelpilze. Und man kann eigentlich fast sogar sagen, dass jede Waschmaschine anders ist. Also man findet jetzt nicht den Waschmaschinenkeim.“

Prof. Dirk Bockmühl, Hochschule Rhein-Waal

Fäkalkeime, diverse Bakterien, Pilze und Hefen - teilweise mehr als 300 verschiedene Arten zählen die Wissenschaftler auf den Platten.

Warum sind gerade Waschmaschinen so anfällig für Keime?

Die Waschmaschine ist eigentlich ein guter Platz für Bakterien, denn die ist feucht, das ist eigentlich das was Bakterien brauchen und die ist dann auch noch ordentlich temperiert, das heißt, die fühlen sich da schon wohl.

Prof. Dirk Bockmühl, Hochschule Rhein-Waal

Weichspüler und Waschmittel sind biologisch abbaubar und damit ein Festschmaus für Keime und Bakterien. Wer dann noch ausschließlich bei niedrigen Temperaturen wäscht, züchtet sich sein Waschmaschinen-Biotop.

Mit höheren Temperaturen waschen

Grund zur Panik besteht dennoch nicht, aber ein paar Dinge beachten sollte man schon. Aus Umweltschutzgründen und um Energie zu sparen waschen immer mehr Haushalte damit Temperaturen unter 60 Grad. Das ist in der Regel gut und richtig so. Doch leben pflegebedürftige, ältere Menschen mit offenen Wunden oder Blasenkathetern oder auch jüngere Menschen mit eiternden Verletzungen oder Infektionen, wie beispielsweise Fußpilz oder Magen-Darm-Erkrankungen im Haushalt, empfehlen die Experten rund um Prof. Martin Exner die Wäsche bei 60 Grad zu waschen. Damit wird die Übertragung von gefährlichen Keimen vermieden.

Aber Vorsicht: Nicht alle 60-Grad-Programme waschen auch tatsächlich mit 60 Grad. Bei einem Test mit vier Waschmaschinen im 60 Grad-Eco-Programm und einem Temperaturfühler im Inneren erreichte keine der Maschinen mehr als 31 Grad. Wie kann das sein?

„Wir haben bei den Waschmaschinen ja einen Energieeffizienzlabel, dieses A+, A++. Und das wird im Wesentlichen aufgrund dieses Ökoprogramms berechnet. Und die beste Möglichkeit, eigentlich fast sogar die einzige Möglichkeit bei einer Waschmaschine Energie einzusparen ist, die Temperatur runterzusetzen. Maschinen waschen dann einfach länger. Dieses Ökoprogramm hat deswegen auch, obwohl es 60 Grad Programm heißt, keine 60 Grad, sondern wäscht nur so gut wie ein 60 Grad-Programm."

Prof. Dirk Bockmühl, Hochschule Rhein-Waal

Im Inneren der Trommel müsste die Wassertemperatur eigentlich bei 50 Grad liegen. Dann wäre das Öko-Programm wirksam gegen Keime. Prof. Dirk Bockmühl empfiehlt daher für das Abtöten der Keime kein Öko-Programm zu verwenden, sondern ein anderes 60-Grad-Programm.

Weitere Hygiene-Tipps für die Waschmaschine

Nach der Wäsche offenlassen: Wenn die Einspülkammer, also die Schublade, in die das Waschmittel eingefügt wird, und die Tür leicht geöffnet bleiben, kann die Maschine innen gut austrocknen.

Waschmittelreste in einem Faltenbalg einer Waschmaschine (Foto: SWR)
Im Faltenbalg bleibt neben Waschmittel auch gerne Wasser stehen.

Keine Pfützen: Im unteren Bereich der dicken Türdichtung, des sogenannte Faltenbalgs, bleibt häufig etwas Wasser stehen und sollte weggewischt und die gesamte Türdichtung einmal trockengewischt werden. Wer auf Nummer sicher gehen will, nimmt dafür einen mit verdünnter Zitronensäure getränkten Lappen. Essig hingegen würde Gummidichtungen und Kunststoffteile angreifen.

Regelmäßige Reinigung von innen: Wem das zu viel ist, der sollte zumindest das Glas und die Dichtungen der Tür regelmäßig gründlich reinigen. Auch hierbei empfiehlt sich der Einsatz von verdünnter Zitronensäure. 

Verdreckte Einspülkammer einer Waschmaschine (Foto: SWR)
Die Einspülkammer als wahres Paradies für Keime!

Weg mit den Waschmittelresten: In der Einspülkammer setzen sich gern Waschmittelreste fest. In der Bedienungsanleitung erfahren Sie, wie sich die Lade ausbauen lässt. Mit einer kleinen Bürste und etwas Zitronensäure wird die Schublade wieder hygienisch sauber. Hat sich bereits schwarzer Schimmel gebildet, hilft es, die Lade zusätzlich mit hochprozentigem Alkohol oder Spiritus auszuwischen. Und wichtig ist, neben der Schublade auch die Kammer zu reinigen.

Vorsicht gilt bei der Verwendung von Hygienespülern: Das sind umweltschädliche Desinfektionsmittel. Man sollte sie daher nur gezielt benutzen, zum Beispiel, wenn die Waschmaschine bereits stinkt.

Ein Waschgang mit 60 Grad: Besser und umweltfreundlicher ist es einmal im Monat mit einer höheren Temperatur zu waschen: Am besten sind 60 Grad und die Verwendung eines bleichehaltigen Vollwaschmittels in Pulverform. 90 Grad sind nicht nötig. 

Flusensieb nicht vergessen: Im unteren Bereich der Waschmaschine, unter der Trommel, sitzt ein Flusensieb. In der Bedienungsanleitung wird erklärt, wie das Sieb entnommen und gereinigt wird. Auch hier bleibt Wasser stehen, daher sollte man vor dem Öffnen des Sieb-Einsatzes ein saugfähiges Tuch unterlegen oder eine flache Schale unterstellen.

Waschmittel richtig dosieren: Wie das Waschmittel richtig dosiert wird, steht auf jeder Verpackung. Nehmen sie dabei eher weniger als mehr und beachten Sie den Verschmutzungsgrad der Wäsche, die Beladungsmenge und den Härtegrads Ihres Wassers. Eine Überdosierung hinterlässt Waschmittelrückstände in Ihrer Kleidung und mitunter auch in der Maschine. Weitere Tipps dazu finden Sie m Faltblatt „Richtiges Dosieren von Geschirrspül- und Waschmitteln“

Keime lieben Weichspüler: Er soll unsere Wäsche duftend und weich machen. Was kaum jemand weiß: Weichspüler kann zum Teil tierische Schlachtabfälle beinhalten, in denen Keime gut reifen können. Schauen Sie also genau auf die Verpackung oder verzichten Sie darauf.

So kann man sicher gehen, dass die Waschmaschine nicht zur Keimschleuder wird.

AUTOR/IN
STAND
AUTOR/IN