Blumen auf einer frischen Grabstelle (Foto: Colourbox)

Verträge, Konten und Digitales Was beim Nachlass zu beachten ist

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Wer einen lieben Menschen verliert, ist im emotionalen Ausnahmezustand. Doch gerade dann gibt es viel zu beachten. Erfahren Sie, welche Fallstricke lauern und wo es Hilfe gibt.

Verträge enden nicht mit dem Tod

Wenn ein Mensch stirbt, hinterlässt er in der Regel eine Vielzahl bestehender Verträge. Abos, Telefonverträge, Versicherungen - und nicht alles endet automatisch mit dem Tod.

Bahncard & Co: Nur wenige Verkehrsunternehmen regeln den Sterbefall eines Kunden in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Die Bahn beispielsweise löst derartige Fälle nur auf Kulanz. Regionale Anbieter wie der Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) oder der Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) geben an, nach Vorlage einer Sterbeurkunde die Kosten für ein Langzeit-Ticket ab dem Todesdatum zurückzuerstatten. <

Bei Reisebuchungen tritt der Erbe als Nachfolger in den Reisevertrag ein. Will er die Reise nicht selbst antreten, fallen ohne Rücktrittsversicherung hohe Stornogebühren an.

Telefon und Handy: Bei Telefon- und Handyverträgen und auch Zeitungs- oder Zeitschriftenabos gibt es ein Sonderkündigungsrecht im Todesfall. Solche Verträge können sofort gestoppt werden, wenn eine Sterbeurkunde vorliegt.
Tipp: Eventuelle Einzugsermächtigungen umgehend widerrufen, damit man im Streitfall nicht dem Geld hinterherlaufen muss.

Versicherungen: Unterschieden wird zwischen Personen- und Sachversicherungen. Kranken- und Unfallversicherungen sowie die Privathaftpflichtversicherung enden in der Regel mit dem Tod. Versicherungen, die mit einer Sache verknüpft sind - wie Hausrat- oder Kfz-Haftpflichtversicherungen - laufen zunächst weiter. Die Hausratversicherung erlischt nach zwei Monaten, wenn die Wohnung nicht vom Erben übernommen wird. Die Kfz-Versicherung ist mit dem Kfz verbunden und geht auf den Erben über.

Wohnung oder Haus: Stirbt ein Immobilieneigentümer, gehen Rechte (zum Beispiel Mieteinnahmen) und Pflichten (z. B. Hausgeld, öffentliche Abgaben oder Gebäudeversicherung) auf die Erben über. Bei gemieteten Immobilien kommt es darauf an, wer im Mietvertrag steht: Eventuelle Mitmieter können den Vertrag übernehmen, haben aber auch ein Sonderkündigungsrecht. Auch im Haushalt lebende Angehörige können als Mieter mit den bis dahin geltenden Konditionen eintreten. Sobald sie vom Tod des Mieters wissen, haben sie einen Monat Zeit, das zu erklären. Dem Vermieter steht in diesem Fall allerdings eventuell ein Sonderkündigungsrecht unter Wahrung der gesetzlichen Fristen zu. Will kein Mitmieter oder Angehöriger den Mietvertrag übernehmen, geht das Mietverhältnis auf die Erben über. Beide Parteien haben dann ein Sonderkündigungsrecht. Die Kündigungsfristen (für Mieter drei, für Vermieter je nach Dauer des Mietverhältnisses bis zu neun Monate) ändern sich jedoch nicht.

Digitaler Nachlass

Mann aktiviert Fingerprint (Foto: Colourbox)
Mit Fingerprint gesicherte Geräte können Erben vor Herausforderungen stellen.

Was passiert mit den Social Media Accounts, Zugängen, digital gespeicherten Medien eines Verstorbenen? Nach Ansicht des Bundesgerichtshofes treten Erben die Gesamtrechtsnachfolge des Verstorbenen an - sie haben also auch Anspruch auf den digitalen Nachlass.

Die Unternehmen müssen die Zugangsdaten auf entsprechenden Nachweis herausgeben.

Tipp: Notieren Sie im Testament oder in einer Vorsorgevollmacht die Zugänge, damit Ihre Erben sie nicht aufwändig anfordern und im Ernstfall sogar einklagen müssen.

Die Verbraucherzentrale hat zusammengestellt, wie man seinen Digitalen Nachlass am besten regelt, dazu gibt es Muster-Vollmacht und eine Muster-Liste zum Download. 

Und bedenken Sie: In der digitalen Welt kommen ständig neue Entwcklungen, wie beispielsweise Fitness-Armbänder (Wearables) oder die Möglichkeiten, mit seinem Zuhause von unterwegs in Kontakt zu treten (Smart Home) hinzu. Vollmachten und Listen sollten daher regelmäßig auf ihre Aktualität hin geprüft werden.

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