Rote Rosen und eine brennende Kerze (Foto: Colourbox)

Zwischen Funktionieren und Trauer Was Angehörigen und Betrieben im Todesfall helfen kann

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Stirbt ein Angehöriger oder Mitarbeiter, muss plötzlich ein Berg von Dingen erledigt werden. Doch: Was ist dringend? Was kann warten? Und wie und wo findet die Trauer ihren Platz?

Die ersten Stunden und Tage - eine Orientierung

Sterbeurkunde, Bestattung, Testament: Wenn jemand stirbt, müssen sehr viele Dinge erledigt werden – manche noch am selben Tag, andere haben ein paar Tage oder sogar Wochen Zeit. Während manche in ihrer Trauer dankbar sind, für die Ablenkung, die sich aus daraus ergibt, erscheint es anderen als schier unüberwindbarer Berg von Aufgaben, der sie zu überfordern droht.

Hilfreich kann da eine Checkliste sein, aus der sich nicht nur die Reihenfolge ergibt, sondern die auch verhindert, dass man einen wichtigen Punkt vergisst.

Vertragsfallen vermeiden: Wo Sie genau hinschauen sollten

Ein großer Baustein sind die Verträge des Verstorbenen und sein digitaler Nachlass. Also: Was passiert mit also E-Mail- und Einkaufskonten sowie Konten bei sozialen Medien wie Facebook, Instagram und Co.? Welche Fallstricke hier lauern und wo Sie Hilfe bekommen, haben wir gemeinsam mit unserem Rechtsexperten Karl-Dieter Möller für Sie zusammengestellt.

Trauerbegleitung: Helfer in bitteren Stunden

Angehörige, Freunde und Nachbarn sind oft überfordert mit Trauernden und ihren Gefühlen. Aus Unsicherheit, aus Angst etwas Falsches zu sagen, sagen sie oft lieber gar nichts und lassen die Trauernden mit ihrem Schmerz allein.  Doch das ist für viele Trauernde ein zusätzlicher Schmerz: Ihnen helfen Gespräche.

Ein jüngerer Mensch hält mit beiden Händen die Hand eines Älteren (Foto: Colourbox)
Wenn die Worte fehlen

Hier können professionelle Trauerbegleiter sowohl für Trauernde als auch das Umfeld eine Hilfe sein. Ihr Ziel ist es, den Hinterbliebenen die eigenen Kräfte und das eigene Netzwerk bewusst zu machen und sie in ihrem eigenen Erleben zu bestärken und zu stützen.  

Sie wollen mehr dazu wissen? Auf der Internetseite „gute-Trauer.de“ wird beispielsweise ausführlich beschreiben, was eine Trauerbegleitung leistet. Zudem gibt es dort eine Liste mit Trauerbegleitern.  

Trauerbegleitung im Betrieb

Besonders schwierig ist der Umgang mit Todesfällen im beruflichen Kontext. Sieht man den trauernden Kollegen, drehen viele eine weitere Runde auf dem Parkplatz oder verschwinden in der Toilette - alles nur, um ihm nicht begegnen zu müssen. Solche und ähnliche Situationen spielen sich täglich in Betrieben ab. Denn nicht nur Angehörige und Freunde sind überfordert, sondern auch Kollegen.

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Und viele Firmen sind nicht ausreichend auf Todesfälle und Trauerarbeit vorbereitet. Ansprache an die Mitarbeiter, Kondolenzschreiben an die Angehörigen, mögliche Trauerräume - es gibt also keinen betrieblichen Leitfaden, der Orientierung bieten könnte.

Prof. Dr. Frank Wallau forscht zum Thema mittelständische Unternehmensführung. Seiner Erfahrung nach wird beispielsweise viel zu selten externe Hilfe geholt. Er vermutet, dass gerade kleine Betriebe das eher als Schwäche ansehen.

Dass das nicht sein muss, zeigt das Beispiel der Handwerkskammer Koblenz. Sie engagiert sich seit 20 Jahren mit Seminaren und Projekten für Trauerbegleitung am Arbeitsplatz.

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„Die Thematik Trauer und Trauerbegleitung am Arbeitsplatz war sehr neu. Wir sind deshalb auch manchmal schräg angeguckt worden, weil wir uns damit beschäftigen.“

Barbara Koch vom Projekt „Trauer und ihre Begleitung" der Handwerkskammer Koblenz

Während es zunächst darum ging, das Thema aus der Tabuzone zu holen und eine Anlaufstelle einzurichten, bietet die Handwerkskammer den Betrieben inzwischen vielfältige Kurse und Leitfäden an, die sich einer regen Nachfrage erfreuen. Relativ neu und sehr erfolgreich ist dabei die kostenlose Kursreihe Letzte-Hilfe. Dabei wird die Erste-Hilfe-Idee aufgegriffen, Grundkenntnisse für Jedermann vermittelt und eine erste Auseinandersetzung mit dem Sterben ermöglicht.

Todesfälle im Arbeitsalltag

Besonders sensibel: Todesfälle im Arbeitsalltag. Wenn beispielsweise ein tödlicher Arbeitsunfall passiert, ist die Belegschaft mitunter völlig schockiert und wartet auf eine Reaktion der Führungsebene. Gibt es dann keinen betrieblichen Leitfaden, kann zum Beispiel das Hinzuziehen eines Betriebsseelsorger hilfreich sein.

Brennende Kerze in einer Hand (Foto: Colourbox)

Genau wie im Privatleben helfen vielen Betroffenen Rituale: Ein Gedenkkreis an der Unglückstelle, eine Zeremonie am Spind des Verstorbenen oder einfach ein Zusammenkommen in der Kantine. Jeder Kollege trauert anders und jeder hat seinen Umgang mit dem Tod. Und darauf sollte sich ein Unternehmen einstellen. Hilfreich kann für Unternehmen dabei auch ein Betriebsseelsorger sein. Er kann Mitarbeitenden die Möglichkeit geben, ihre Gefühlswelt darzulegen – geschützt durch seine Schweigepflicht. Außerdem kann ein Betriebsseelsorger dabei helfen, die richtigen Rituale für die Belegschaft zu finden.

Die Betriebsseelsorge ist bei den Kirchen angesiedelt und arbeitet konfessionsübergreifend. Jeder kann sich dorthin wenden und das Angebot ist kostenlos. 

Eine Extremsituation: Wenn der Chef eines Unternehmens von einem Tag auf den anderen nicht mehr da ist. Mitarbeiter bangen um Ihren Job, die Trauer muss bewältig werden – und gleichzeitig muss das Unternehmen weitergeführt werden.

Im Sommer 2010 starb der Chef des zweitgrößten deutschen Nudelherstellers beim Mountainbiken. Der Tod des 52-jährigen Unternehmers traf seine Frau Irmgard Freidler völlig unerwartet. In dieser Extremsituation übernahm die Witwe mit Unterstützung ihrer Söhne die Führung von Alb-Gold. „Ich glaube am Anfang war Arbeit meine Trauerarbeit“, sagt sie heute. Aber sie hat es geschafft, die Firma steht gut da: Sie ist gewachsen, hat andere Unternehmen übernommen, den Umsatz gesteigert. 

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„Es erfüllt mich schon mit einer Zufriedenheit, dass das gelungen ist und wenn ich den Blick nach oben richte, denke ich: Er würde zufrieden sein, was wir getan haben, wie wir’s weitergeführt haben und in seinem Sinne auch verändert haben.“

Irmgard Freidler

Um auf einen solchen Extremfall vorbereitet zu sein, hilft im Unternehmen ein so genannter Notfallkoffer: In ihm finden sich unverzichtbares Firmen-Know-How, Passwörter oder Vollmachten. Wichtig dabei ist aber, dass der Notfallkoffer regelmäßig auf den Stand der Dinge gebracht wird.

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