Vorsicht Datendiebe Fast jeder Dritte von Identitätsdiebstahl betroffen

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Name, Geburtsdatum und Adresse: Persönliche Daten, die wir oft unbedarft herausgeben. Missbrauchen Betrüger die Daten, sind die Folgen oft drastisch. So kommen Sie da wieder raus.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
21:00 Uhr
Sender
SWR Fernsehen

Formen von Identitätsdiebstahl

  • Bei vielen Fällen von Identitätsdiebstahl wird mit geklauten Daten online eingekauft.
  • Mitunter werden dafür Kundenkonten auf Marktplätzen gehackt und über das Profil eingekauft.
  • Geklaute Daten werden verwendet, um beispielsweise Hörbücher oder Software einzukaufen und dann weiterzuverkaufen.
  • Auch kostenpflichtige Streaming-Dienste, Abos für teure Online-Dating-Portale oder Premium-Mail-Konten werden mit geklauten Daten abgeschlossen.
  • Betrüger, die sich als vermeintliche Vermieter ausgeben, verlangen gerne Passkopien. Damit wird dann der nächste Mietsuchende in die Falle gelockt: Die Passkopie wird dem nächsten Mietsuchenden als „Beleg“ dafür verschickt, dass der angebliche Vermieter bei einer gefälschten Wohnungsanzeige „echt“ ist. Zahlen die neuen Opfer dann tatsächlich zum Beispiel die Kaution vorab, wenden sie sich später an den „Vermieter“, also die geklaute Identität.  

Das betrifft Sie alles nicht? Identitätsdiebstahl ist zu einem gewaltigen Problem geworden. Millionen Deutsche wurden bereits geschädigt.  Nach einer Umfrage aus dem Jahr 2018 hat fast jeder dritte den Missbrauch seiner Daten erlebt. Viele haben dadurch Geld verloren, müssen sich mit einem verschlechterten Kredit- Score, oder einer gesunkenen Bonität auseinandersetzen. Aber vor allem ist es schwierig, wieder Herr seiner eigenen Daten zu werden.

Ihre Identität wurde missbraucht?

Wenn Sie beispielsweise Rechnungen oder gar Mahnungen erhalten, ohne dass Sie etwas bestellt haben, wurde vermutlich Ihre Identität von Betrügern missbraucht. Das nennt sich Warenkreditbetrug. Und dann müssen Sie damit rechnen, dass Ihre Identität nicht nur für eine, sondern für eine ganze Reihe an Betrügereien missbraucht wurde. Trotzdem gilt: Bleiben Sie ruhig! Gegen einen sogenannten Identitätsdiebstahl kann man sich inzwischen ganz gut wehren - vorausgesetzt man behält die Nerven.

  • Ignorieren Sie die Mahnbescheide und ähnliche Schreiben auf keinen Fall!
  • Versuchen Sie herauszubekommen, ob „nur“ ihr Name und ihre Anschrift beispielsweise für einen Paketbetrug missbraucht wurde, oder ob ein umfänglicher Identitätsdiebstahl stattgefunden hat – also auch Kontodaten oder Passwörter für Onlinegeschäfte oder Ähnliches abgegriffen wurden.
  • Im Falle eines umfänglichen Identitätsdiebstahl müssen Sie auch mit ihrer Bank in Verbindung setzen und ihre Passwörter ändern.
  • Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei wegen Betrugs und Identitätsdiebstahls und kopieren Sie die Anzeige für ihre Unterlagen.
  • Treffen mehrere Forderungen bei Ihnen ein, sollten Sie jede einzelne davon zur Anzeige bringen. Beziehen Sie sich dabei immer wieder auf das Aktenzeichen der ersten Anzeige.
  • Wurde zwar ihre Identität gestohlen, nicht aber ihre Adresse für die Betrügereien verwendet kann es auch sein, dass die ersten Forderungen, die bei Ihnen eintreffen, nicht vom Warenversender sind, sondern bereits von einer Inkassofirma. Mitunter handelt es dabei schon um den zweiten oder dritten Mahnbescheid; wenn die vorangegangen beispielsweise an die vermeintlich korrekte Lieferadresse der durch Betrüger online bestellte Pakete gegangen sind.
  • Wird aus dem Inkassoschreiben nicht ersichtlich, um was konkret es bei der Forderung eigentlich geht, haken Sie nach.
  • Setzen Sie den Unternehmen immer Fristen von 14 Tagen. Lassen die Firmen diese Fristen verstreichen, ist es empfehlenswert, einen Anwalt einzuschalten. Denn wenn die Firmen Ihrer Forderung nach Aufklärung nicht nachkommen, müssen sie in der Regel die Kosten für Ihre anwaltliche Vertretung übernehmen.
  • Und: Die Beweispflicht liegt nicht bei Ihnen, sondern bei den geprellten Unternehmen, die nicht beweisen können, dass Sie die Waren bestellt haben. Sie müssen also auf keinen Fall die Rechnungen bezahlen und Sie sollten sich auch nicht einschüchtern lassen.
  • Trotzdem müssen Sie sich wehren – und zwar innerhalb der sehr kurzen Fristen, die Ihnen die Inkassofirmen aufnötigen. Teilen Sie den Firmen – und auch den geprellten Unternehmen - schriftlich mit, dass Sie nicht der gesuchte Schuldner sind und hier ein Betrugsfall vorliegt. Nennen Sie das Aktenzeichen der Anzeige, legen Sie diese immer in Kopie mit bei und nennen Sie den Firmen die Kontaktdaten der ermittelnden Polizeibehörde mit der Aufforderung, sich umgehend hier mit der offenen Forderung zu melden.
  • Tipp: Schicken Sie alle Schreiben zunächst per Fax und per Email an die Unternehmen – also den Versender der Pakete und gegebenenfalls die Inkassofirma. Schreiben Sie dabei „zuerst per Fax/Email“ auf den Briefkopf. Reagieren die Unternehmen, haben Sie so die Kosten für ein Einschreiben gespart.
  • Ratsam ist es auch, von den Inkassobüros und Unternehmen alle Informationen zu diesem Fall anzufordern und diese an die Polizei weiterzugeben.
  • Fordern Sie die Unternehmen und Inkassobüros zudem auch auf, Ihnen binnen einer 14-tägigen Frist mitzuteilen, welche Daten sie über Sie gespeichert oder an weitere Unternehmen und Behörden weitergeleitet haben. Bestehen Sie darauf, dass diese falschen Daten über Sie gemäß §35 des Bundesdatenschutzgesetzes umgehend zu löschen sind. Die Firmen sind dazu verpflichtet und sie sind auch verpflichtet, Ihnen darüber einen Beleg zukommen zu lassen.
  • Versäumen die Firmen die Löschung dieser falschen Daten, kann das unangenehme Folgen für Sie haben. Die Unternehmen handeln mit den Datensätzen und falschen Schuldnerdaten beispielsweise bei der Schufa belasten Ihre Bonität. Es kann sein, dass Sie künftig Probleme bekommen, wenn Sie einen Kredit aufnehmen, ein Auto kaufen oder einen Handyvertrag abschließen wollen.
  • Allerdings stellt so ein Versäumnis einen groben Verstoß gegen das Bundesdatenschutzgesetz dar, wer also an dieser Stelle nicht weiterkommt, sollte mit Hilfe eines Anwaltes sein Recht durchsetzen.

Hilfe können Sie sich auch bei den Verbraucherzentralen und beim Landesdatenschutzbeauftragten suchen. Zudem gibt es eine Forschungsgruppe zu diesem Phänomen, die ein Beratungstelefon eingerichtet hat.

So schützen Sie Ihre Daten

Und damit es gar nicht soweit kommt, empfiehlt es sich, die Tipps des BSI zum persönlichen Datenschutz umzusetzen. zu kennen und umzusetzen.

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