Coronavirus Flugreisende mit Mundschutz am Abfertigungsschalter nach China (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Vorkehrungen der Wirtschaft wegen des Coronavirus Virus aus Wuhan trifft die Wirtschaft

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Der Coronavirus wirkt sich zunehmend auf Unternehmen im Südwesten aus. Dienstreisen werden zum Schutz der Mitarbeiter eingeschränkt. Auch die Reisebranche befürchtet Einschnitte.

Mundschutz, Desinfektion, Homeoffice

Das Coronavirus wirkt sich zunehmend auf deutsche Firmen aus. Immer mehr Firmen berichten über Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz ihrer Mitarbeiter. An Standorten und Niederlassungen in China verteilen viele Unternehmen Desinfektionsmittel und Mundschutzmasken. Der Metro-Konzern installiert zusätzlich Fiebermesstationen. Viele Unternehmen haben ihren Mitarbeitern wegen der verlängerten Frühjahrsferien in China auch länger frei gegeben. Zum Beispiel Volkswagen. In den chinesischen Niederlassungen des Sensorenherstellers Sick geht es für die Mitarbeiter erst am 10. Februar im Büro weiter.

SAP-Mitarbeiter können in der betroffenen Provinz im Homeoffice arbeiten.

Dauer

Dass Mitarbeiter deutscher Firmen wegen des Virus China verlassen, kommt nach Informationen des ARD-Studios Shanghai bisher sehr selten vor.

"Bei uns herrscht keine Panikstimmung."

Volkswagensprecher gegenüber dem ARD-Studio Shanghai

Trotzdem breitet sich Unsicherheit aus, weil nicht vorherzusagen ist, wie sich die Lage weiter entwickelt. Ein Spitzenmanager eines großen Dax-Konzerns sagte, insgesamt herrsche in der deutschen Wirtschaftscommunity schlechte Stimmung.

Dienstreisen nach China verboten oder stark eingeschränkt

Die Autozulieferer Schaeffler und Webasto und der Künzelsauer Ventilatorenhersteller Ziehl-Abegg verbieten Dienstreisen nach China zur Zeit komplett. Der Waldkircher Sensorenhersteller Sick erklärt, alle Sick-Gesellschaften weltweit setzten Dienstreisen nach China bis Ende Februar aus. Andere raten dazu, diese Reisen zu verschieben, wie der Mainzer Spezialglashersteller Schott. Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen erklärt, Dienstreisen nach China würden auf ein Minimum beschränkt.

"Wenn es nicht absolut notwendig ist, dann empfehlen wir unseren Mitarbeitern, nicht nach China zu reisen."

Sprecher ZF Friedrichshafen
Eine Frau mit Mundschutz vor dem Gesicht (Foto: dpa Bildfunk, Fabian Strauch)
Viele deutsche Unternehmen verteilen an Mitarbeiter in China Mundschutzmasken. Fabian Strauch

Ähnlich halten es die Autobauer Daimler und BMW, sowie der Zulieferer Bosch. Daimler erklärt, nicht zwingend notwendige Geschäftsreisen nach China würden bis Mitte Februar ausgesetzt. Dienstreisen in die Hubei Region seien derzeit nicht möglich. Wuhan ist die Hauptstadt dieser Provinz. Auch die BASF hat Reisen in die Region gestoppt.

Deutsche Firma schließt vorübergehend Standort in Bayern

Der Autozulieferer Webasto hat wegen des Coronavirus seine Firmenzentrale in Stockdorf bei München bis 2. Februar geschlossen. Bei vier Mitarbeitern (Stand 29.01.) ist das neuartige Virus festgestellt worden. Zuerst hatte sich ein Mitarbeiter bei einer chinesischen Kollegin angesteckt, die in Bayern zu Gast war. Weitere Informationen dazu finden Sie auch beim Bayerischen Rundfunk.

Reisebranche befürchtet Verluste

Die Nachfrage nach Flügen nach China ist nach Lufthansa-Angaben leicht gesunken. Lufthansa hält die China-Verbindungen aufrecht. Kunden, die in den nächsten Wochen fliegen wollten, können kostenlos umbuchen. Air France hat seine Verbindung nach Wuhan gestoppt. Damit fliegt keine europäische Airline mehr in die Metropole, in der die Lungenkrankheit zuerst ausgebrochen war.

Der Studienreiseveranstalter Studiosus hat vorsorglich alle China-Reisen bis Mitte April abgesagt. Andere Veranstalter wie DER Touristik und die FTI Group bieten ihren Kunden kostenlose Umbuchungen oder Stornierungen an. Beim Marktführer TUI können Kunden, die in den kommenden zwei Wochen nach China fliegen wollten, den Reisetermin verschieben.

Weniger Touristen aus China in Deutschland

Die chinesische Regierung hat allen Bürgern empfohlen, vorerst auf Auslandsreisen zu verzichten. Pauschalreisen ins Ausland hat die Regierung gestoppt. Das beunruhigt die deutsche Tourismusbranche – denn Deutschland ist für Chinesen ein beliebtes Reiseziel. 2018 zählten die Statistiker rund drei Millionen Übernachtungen chinesischer Gäste. Wenn diese nun ausbleiben, könnte das schlechtere Geschäfte für Hotels, Gaststätten und Einkaufszentren bedeuten, warnt die Touristik Marketing GmbH Baden-Württemberg.

Wuhan wirtschaftlich global vernetzt – weltweite Folgen

Wirtschaftsforscher befürchten, dass das Coronavirus weltweit massive wirtschaftliche Folgen haben könnte. Deutlich mehr als bei SARS. Hier geht die Weltgesundheitsorganisation von einem Gesamtschaden von 30 Milliarden US-Dollar aus.

Das zeigt sich am Beispiel Luftfahrt. China ist heute weltweit vernetzter als früher, nach einer Schätzung des britischen Economist fliegen heute pro Tag mehr als 200.000 Menschen von und nach China. Sechs Mal so viele wie zu Beginn des SARS-Ausbruches. Das Virus und die wirtschaftlichen Auswirkungen könnten sich schneller ausbreiten als damals. Wuhan ist ein Hauptsitz der chinesischen Automobil- und Stahlindustrie mit weltweiten Handelsbeziehungen.

Bei Corona rechnen drei US-Ökonomen mit 500 Milliarden Dollar – wobei noch völlig unklar ist, wann die Ausbreitung gestoppt werden kann.  

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