Verwirrspiel mit Kleidergrößen Wie uns Modehersteller manipulieren

Derselben Frau passt beim einen Hersteller eine Jeans in Größe 36, beim anderen nur in Größe 46. Warum gibt es keine einheitlichen Standards für Kleidergrößen?

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Ob beim Onlineshopping oder im Geschäft, je nach Hersteller variieren die Konfektionsgrößen. Mal passt die 38 wie angegossen, mal die 42. Es scheint, als würden die Hersteller machen, was sie wollen in Sachen Größen. Dabei gibt es eigentlich eine Richtschnur für die Festlegung der Kleidergrößen in der deutschen Textilindustrie. Entwickelt wurde diese vom Prüfdienstleister Hohenstein und trägt den Namen "Size Germany". Dafür wurden 13.000 Menschen aus Deutschland millimetergenau vermessen und gescannt – und danach die Konfektionsgrößen festgelegt. Deutsche Hersteller wie Hallhuber und s.Oliver bestätigen zwar, sich an diese Standardgrößentabelle zu halten, doch verpflichtend ist dies nicht. Am Ende haben die Hersteller ihre eigenen Richtlinien für ihre Konfektionsgrößen.

Schmeichel- und Wohlfühlgrößen

Man passt plötzlich wieder in eine 38 und das ganz ohne Diät? Glückwunsch! Das könnte aber auch ein Marketingtrick der Hersteller sein. Wenn man zur kleineren Größe greifen kann, gibt das doch ein schönes Gefühl. Hersteller schneidern deshalb gerne etwas größer, etikettieren aber trotzdem eine kleinere Größe. Generell gilt, je größer die Konfektionsgröße, desto mehr wird geschmeichelt.

Junge Zielgruppe, schmalere Größen

Hersteller produzieren spezifisch für ihre Zielgruppe. Sprechen sie die Jüngeren an, dann schneidern sie enger und körperbetonter. Sprechen sie eine ältere Zielgruppe an, dann fallen die Kleidungsstücke generell etwas weiter und größer aus. Außerdem gibt es Hersteller, die bewusst nur jungen Leute ansprechen wollen, die nicht die Elterngeneration in der gleichen Kleidung sehen möchten. Die Hersteller "vergraulen" die älteren Kunden, indem sie kaum weite Kleidung anbieten. Der amerikanische Hersteller Hollister war vor einigen Jahren genau deswegen heftig in der Kritik.

Vergleich Italienerin, Deutsche und Amerikanerin (Foto: SWR, SWR -)
Italienerinnen, Deutsche und Amerikanerinnen sind unterschiedlich groß und breit. SWR -

Eine Faustregel in Sachen Konfektionsgrößen gibt es, wenn man die Herkunftsländer der Hersteller einbezieht. Italienerinnen sind kleiner und schmaler als wir, Kleidung fällt hier auch kleiner aus. Auf italienische Größen muss man also zwei Kleidergrößen draufrechnen, um seine Größe nach deutschen Maßstab zu finden. Eine deutsche 38 ist in Italien eine 42. Anders ist es in den USA. Hier sind die Menschen tendenziell etwas fülliger, entsprechend großzügiger wird auch geschneidert. Hier kann man häufig eine Nummer kleiner tragen.  

Die richtige Größe finden 

Das ist im Konfektionsgrößen-Dschungel gar nicht mal so einfach. Doch es gibt Möglichkeiten. Das Prüfinstitut Hohenstein rät, die eigenen Maße mit den Maßtabelle der Hersteller zu vergleichen und so die passende Größe für sich zu finden.

Das kann funktionieren. In unserem Test fanden wir allerdings heraus, dass es Ausreißer gibt. Laut Größentabelle von s.Oliver passt unserer Testerin die Größe 40 bei Hosen. Letztendlich passte ihr allerdings die Größe 36 am besten. Das Gegenteil war bei Zara der Fall. Der Größenkonfigurator riet zur 40, es passt dann aber doch nur die 46.

Ein Kleiderbügel liegt mit verschiedenen Kleidungsgrößen Etiketten auf einem blauen Hintergrund (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Kleidergrößen sind bei verschiedenen Marken nicht immer einheitlich. Thinkstock -

Was nicht passt, wird passend gemacht! 

Im Laufe der Zeit verändert sich manchmal der Körper: nach Weihnachten, vor der Diät, nach der Diät. Die Kleidung wächst oder schrumpft dann allerdings nicht synchron mit. Gerade bei Jeans ist es besonders auffällig, wenn die Passform nicht mehr stimmt. Zu groß wirkt die Jeans dann wie ein Sack, ist sie zu eng geworden, entsteht der Muffin-Speck, der über den Hosenbund ragt. Doch man kann ein bisschen nachhelfen, damit die Sachen wieder passen.

1) Hose passend bügeln

Klingt fragwürdig, funktioniert aber, besonders wenn die Jeans am Bund zu eng ist, einschneidet und so ungewollte Pölsterchen betont werden. Dazu den Hosenbund ordentlich anfeuchten und dann mit voller Hitze trockenbügeln. Dabei den Bund dehnen – entweder per Hand oder den Hosenbund mit einem großen Kleiderbügel unter Spannung setzen.

2) Mit der Jeans in die Badewanne

Der älteste Jeans-Trick der Welt! Damit sich die Jeans an die Körperform anpassen kann, mitsamt der Hose ein Vollbad nehmen und am Körper trocknen lassen. Ist die Hose etwas fest und steif, reicht es auch, sie beim Schlafen zu tragen. Nach 8 Stunden am Körper ist sie eingetragen.

3) Hitze hilft

Ist die Jeans zu groß, helfen Waschmaschine und Trockner: etwas heißer waschen, dann noch in den Trockner und die Hose geht etwas ein. Vorsicht bei Elasthan: der Stoff verträgt keine Hitze! Die Hose verliert dann ihre Stretchwirkung. Außerdem wird die Hose so auch kürzer. Besondere Obacht gilt, wer seine Shirts oder Pullover kleiner waschen möchte – lieber vorsichtig rantasten, sonst sind diese am Ende bauchfrei.

4) Gummiband als Notlösung

Wenn die Hose so eng ist, dass der Knopf nicht mehr zugeht, kann ein Haargummi helfen. Als Schlaufe durch das Knopfloch gezogen, entsteht so ein zusätzliches, flexibles Knopfloch. Ein Trick, der gerne von Schwangeren angewandt wird.

Ist der Hosenbund zu weit und steht am Rücken unschön ab, kann ebenfalls ein Gummi helfen. Diesmal ein breiteres aus dem Nähbedarf. Das wird straff im hinteren Teil der Hose, von innen, fixiert und zieht den abstehenden Bund an den richtigen Platz.

Der Text gibt den Stand zum Sendungsdatum wieder.

Filmautorin: Annika Erbach | Online: Annika Erbach
© SWR Marktcheck

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