Vergiftung durch Gasthermen Wie man die unsichtbare Gefahr vermeidet

Marktcheck klärt auf

Immer wieder verursachen Gasthermen gefährliche Kohlenmonoxidvergiftungen, die tödlich enden können. Wir zeigen die Ursachen und Vorsichtsmaßnahmen.

Dauer

Anfang Februar 2018 strömt Kohlenmonoxid in Esslingen bei Stuttgart aus - unerwartet und unbemerkt vergiftet es die Bewohner eines Hauses. Immer wieder kommt es zu solchen Unfällen mit Verletzten und sogar Toten. Und immer wieder muss sich auch auch Michael Kemmerer von der Druckkammer in Wiesbaden mit solchen Fällen auseinandersetzen, bei denen zunächst nicht klar war, dass eine Kohlenmonoxidvergiftung vorliegt.

Die Gefahren

Gelangt Kohlenmonoxid in die Lunge, entfaltet es dort seine lebensbedrohliche Wirkung: Das Blut nimmt das giftige Gas viel schneller als Sauerstoff auf - über die Blutbahn verteilt es sich. Die Folge: Das Herz und das Gehirn bekommen nicht mehr genügend Sauerstoff.

Daher gilt: Bei Kohlenmonoxid-Vergiftungen zählt jede Minute! Viele Feuerwehren sind mit CO- Warnern ausgerüstet, so können sie im Notfall sofort feststellen, wie sie reagieren sollten, wenn sie zum Beispiel eine ohnmächtige Person vorfinden.

So entsteht Kohlenmonoxid

Kohlenmonoxid entsteht, wenn Kohlenwasserstoffe nicht vollständig verbrennen. Das kann bei der Holzkohle auf dem Grill passieren, beim Rauchen einer Wasserpfeife, wenn Heizöfen oder Kamine defekt sind und natürlich bei Bränden.

Gefahr durch Gasthermen, Heizanlagen, Gartengrills und Holzpellets

Marco Pfeuffer, Einsatzleiter bei der Mannheimer Berufsfeuerwehr, beschäftigt sich seit Jahren mit der Gefährlichkeit von Kohlenmonoxid. Er stellt fest: Defekte Gasthermen und Heizanlagen sind immer wieder die Ursache von CO-Unfällen. Aber auch Gartengrills, die bei schlechtem Wetter in die Wohnung gestellt werden, oder eine unsachgemäße Lagerung von Holzpellets führt vermehrt zu Kohlenmonoxid-Vergiftungen. Und für ihn steht fest, dass die Anzahl der Einsätze in letzter Zeit deutlich höher geworden ist.

Gefahr auch durch Dunstabzugshauben und Klimageräte

Kohlenmonoxid ist ein farb-, geruch- und geschmackloses, nicht reizendes Atemgift, das bei unvollständiger Verbrennung von kohlenstoffhaltigen Materialien entsteht. Gefahr besteht immer, wenn nicht genügend Sauerstoff bei der Verbrennung zur Verfügung steht – besonders zum Beispiel, wenn der Kamin verstopft oder die Gastherme defekt ist.

Gefahr besteht aber auch, wenn Geräte, wie beispielsweise eine Dunstabzugshaube oder ein Klimagerät im laufenden Betrieb Raumluft ansaugen. Kommen zu diesem Szenario moderne, luftdichte Fenster hinzu, die keine Sauerstoffzufuhr von außen zulassen, bleibt sauerstoffarme Raumluft zurück. Noch fataler: Starke Abzugshauben können in Ausnahmefällen sogar Verbrennungsgase aus dem Schornstein ansaugen und im Raum verteilen.

Wie kann man sich schützen?

  • Regelmäßiges Lüften: Um eine gute Luftqualität sicherzustellen, sollten Fenster und Türen regelmäßig geöffnet werden - insbesondere, wenn eine energetische Sanierung stattgefunden hat.
  • Jährliche Wartung: Die regelmäßige Wartung der Gastherme durch einen Fachbetrieb sollte nicht hinausgezögert werden. Vermeintliche Geldeinsparungen durch eine Verschiebung können lebensbedrohliche Folgen haben. Denn Probleme, wie beispielsweise ein verstopfter Wärmetauscher sind für den Laien schwer zu erkennen - eine regelmäßige Wartung sorgt für einen gewissen Schutz.
  • Warner installieren: Kohlenmonoxidwarner sind gesetzlich nicht vorgeschrieben, doch sie können Leben retten. Die Auswahl ist groß - ab etwa 25 Euro sind sie erhältlich und halten fünf bis sieben Jahre. Danach muss das Gerät ausgetauscht werden, weil die Lebensdauer des Sensors beschränkt ist. Fachleute raten zu Geräten mit fest verbautem Akku. Eine Orientierung bei der Auswahl bietet ein Test der Stiftung Warentest. Die Melder müssen nicht unbedingt vom Fachmann installiert werden – aber richtig platziert werden: Zum Beispiel in unmittelbarer Nähe des Abzugsschachtes einer Gastherme oder in direkter Nähe einer offenen Feuerstätte. Im Zweifelsfall können Sie Ihren Schornsteinfeger um Rat fragen oder ihm auch die Montage überlassen.

Die Feuerwehr rät, bei Verdacht einer Kohlenmonoxidvergiftung sofort den Raum zu verlassen und den Notruf 112 zu wählen. Sofern ohne Gefährdung möglich, kann versucht werden, die Kohlenmonoxid-Quelle abzuschalten. Weitere Handlungshinweise gibt die Feuerwehr Baden-Württemberg hier.

Der Text gibt den Stand zum Sendungsdatum wieder

Filmautorin: Maike Busse | Online: Dorothée Panse
© SWR Marktcheck

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