Blutvergiftung Unterschätzte Gefahr Sepsis

Die Sepsis - auch Blutvergiftung genannt - gehört zu den häufigsten Todesursachen. Kaum jemand weiß das. Und auch Ärzte unterschätzen nicht selten die Symptome.

Dauer

Eine Sepsis kann durch jede Entzündung im Körper ausgelöst werden. Zum Beispiel durch eine Lungenentzündung, oder eine Wunde.

Normalerweise hält das körpereigene Abwehrsystem die Erkrankung in Schach. Ist das aber geschwächt, gelangen Bakterien über Lymph- und Blutgefäße zu anderen Organen. Dadurch kann sich ein septischer Schock entwickeln: Das Immunsystem registriert große Mengen an Bakterien und überschwemmt den Körper mit Botenstoffen zur Immunantwort, wie die Sepsis-Stiftung schreibt. Das Immunsystem wird überaktiviert. Dadurch werden nicht nur die Erreger, sondern auch gesunde Körperzellen angegriffen.

Drohender Tod binnen Stunden

Wird nicht sofort ein passendes Antibiotikum eingesetzt, können Körperteile absterben, im schlimmsten Fall versagen Organe. Binnen weniger Stunden kann ein septischer Schock so zum Tode führen.

Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Etwa 80 Prozent der Patienten überleben einen septischen Schock, wenn sie innerhalb der ersten Stunde behandelt werden, erklärt Dr. Sebastian Steven vom Zentrum für Kardiologie der Universitätsmedizin Mainz. Mit jeder Stunde, die dann verstreiche, sinke die Überlebenswahrscheinlichkeit um sieben Prozent.

Zweithäufigste Todesursache bei Kindern

Die Sepsis ist mittlerweile eine der häufigsten Todesursachen, bei Kindern sogar die zweithäufigste. 2015 gab es in Deutschland rund 320.000 Sepsis-Erkrankungen. Davon endeten etwa 75.000 tödlich, Tendenz steigend.

"Ich glaube, dass die Dunkelziffer nochmal deutlich höher liegt", so Dr. Sebastian Steven von der Unimedizin Mainz. In Deutschland werden relativ wenige Verstorbene obduziert. "Die letzte Sicherheit, woran ein Patient gestorben ist, kann einem natürlich nur die Obduktion geben", sagt Steven.

Ein Klemmbrett mit dem Wort Sepsis und einem langem Text, daneben liegen Tabletten, eine Spritze und ein Stethoskop. (Foto: getty images -)
Die Sterberate nach Sepsis ist in Deutschland besonders hoch. getty images -

Höhere Sterberate als in anderen Ländern

Die Sterberate bei schweren Sepsisfällen mit Organversagen ist in Deutschland mit über 40 Prozent deutlich höher als in anderen Ländern. In England liegt sie bei 32 Prozent, in den USA bei nur 23 und in Australien sogar nur bei 18 Prozent. Dr. Steven hat dafür eine mögliche Erklärung: "In den Ländern sind Aufklärungskampagnen gemacht worden und es ist eine viel höhere Sensibilität für das Krankheitsbild der Sepsis vorhanden. Es ist vielleicht deutlicher in diesen Ländern, dass Sepsis ein Notfall ist, der sofort behandelt werden muss."

Weshalb ist in Deutschland die Sterberate bei Sepsis-Fällen so hoch und was wird dagegen unternommen? Wir fragen nach beim Bundesministerium für Gesundheit. Man teilt uns mit: "Wissenslücken beim medizinischen Personal aber auch in der Bevölkerung können dazu führen, dass eine Sepsis zu spät diagnostiziert und behandelt wird." Darüber hinaus prüfe das Bundesministerium derzeit, "welche Möglichkeiten der verstärkten Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit bestehen."

Sepsis erkennen

Eine Sepsis zu erkennen, ist für den Laien tatsächlich nicht ganz einfach, da Symptome und Laborwerte unspezifisch sind. Fieber, beschleunigter Herzschlag, schnelle Atmung und vermehrt weiße Blutkörperchen im Blut können Anzeichen sein. Häufig wird die Sepsis sowohl von Patienten als auch von Medizinern mit einer Erkältung oder Grippe verwechselt. Vor allem bei Kindern können die Symptome zunächst unauffällig sein, bis sich der Zustand ganz plötzlich dramatisch verschlechtert.

Der berühmte rote Strich auf dem Arm kann zwar ein Hinweis auf eine anstehende Sepsis sein: Er zeigt die Entzündung einer Lymphbahn an, die zu einer Sepsis führen kann. Bei den meisten Sepsis-Patienten fehlt dieses Symptom jedoch.

Sich vor Sepsis schützen

Direkt vor einer Sepsis schützen kann man sich nicht. Man kann jedoch indirekt die Gefahr senken, an einer Sepsis zu erkranken, wenn man für weniger Infektionen sorgt. Strenge Hygiene im Umgang mit Wunden sowohl zuhause als auch im Krankenhaus gehört dazu. Außerdem kann man mit Impfungen Infektionen vorbeugen. So empfiehlt Dr. Sebastian Steven sowohl Impfungen gegen Pneumokokken, als auch gegen Grippe (Influenza), vor allem für Menschen über 60.

Der Text gibt den Stand zum Sendungsdatum wieder.

Filmautor: Wolfgang Weber | Online: Sola Hülsewig
© SWR Marktcheck

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