Krankmachender Zusatzstoff? Carrageen in vielen Lebensmitteln

In vielen Produkten aus dem Supermarkt steckt Carrageen. Der Stoff steht jedoch im Verdacht, Magen-Darm-Krankheiten und sogar Krebs zu fördern.

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Carrageen ist ein Zusatzstoff, der sich auch hinter der Kennzeichnung E407 versteckt. Er wird als Verdickungs- und Geliermittel eingesetzt und dienst als Emulgator bei Fett-Wasser-Gemischen. Um Carrageen zu gewinnen, wird der Stoff chemisch aus einer Algenart, der Rotalge, herausgelöst.

Da er sowohl hitzestabil als auch salzresistent ist, ist Carrageen vielseitig einsetzbar. In Puddings, Speiseeis und Cremes sorgt es für ein volleres, sämigeres Mundgefühl, in Sahne beispielsweise verhindert es, dass sich oben Fettpfropfen bilden - sie bleibt schön flüssig.

"Versuch an der deutschen Bevölkerung"

Unter Lebensmittelexperten ist Carrageen umstritten. E407 werde in immer mehr Nahrungsmitteln eingesetzt, so Ernährungsmediziner Dr. Matthias Riedl. "Das ist letztendlich ein Black-Box-Versuch an der deutschen Bevölkerung. Wir bekommen die Rückmeldung von Patienten, dass sie bei Zusatzstoffen in Nahrungsmitteln vermehrt Symptome bekommen."

Getrocknete Algen in einem Trinkglas (Foto: SWR, SWR -)
Carrageen wird aus Rotalgen chemisch extrahiert. SWR -

Dabei verarbeitet unser Körper Carrageen laut aktuellem Stand der Wissenschaft gar nicht, sondern scheidet es unverdaut aus. Noch nicht endgültig geklärt ist aber, ob Carrageen den Körper an der Verwertung anderer Inhaltsstoffe hindert. Studien konnten negative Auswirkungen des Stoffes auf unseren Körper bislang nicht ausschließen.

Fördert Carrageen Krebs?

So steht Carrageen im Verdacht, den Magen-Darm-Trakt negativ zu beeinflussen. Tierversuche geben außerdem Hinweise darauf, dass der Zusatzstoff krebsfördernd wirken könnte - vor allem die kurzkettigen Moleküle der Stoffgruppe. Tiere, die damit gefüttert wurden, bekamen häufiger Darmgeschwüre. "Leider sind das nur Tierversuche und nur Hinweise, aber diese sollte man ernst nehmen", so Riedl.

Sahne mit Klumpen (Foto: SWR, SWR -)
Sahne ohne Carrageen verklumpt häufig. Sie ist deswegen aber nicht schlecht - umrühren oder schütteln hilft. SWR -

Die kurzkettigen Moleküle dürfen laut EU-Richtlinie maximal fünf Prozent des in Lebensmitteln eingesetzten Carrageens ausmachen.

Der Anteil hoch- und niedermolekularen Carrageens lässt sich jedoch derzeit nicht überprüfen. Selbst die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit räumte kürzlich ein: "[…] in der Praxis gibt es keine bestätigte Analyse-Methode, die die genaue Prozentzahl der kleinen Moleküle messen kann."

Keine Mengenangabe für Zusatzstoffe

Wie viel Carrageen in Produkten enthalten ist, kann man auf der Verpackung außerdem nicht erkennen. Die Hersteller müssen die Menge eines verwendeten Zusatzstoffes nicht angeben. Die von der EU empfohlene maximale tägliche Verzehrmenge für einen achtzig Kilogramm schweren Menschen liegt bei sechs Gramm Carrageen.

Dr. Matthias Riedl empfiehlt seinen Patienten, auf Carrageen weitestgehend zu verzichten - insbesondere bei chronischen Darmkrankheiten wie Colitis Ulcerosa. Dafür müssen Verbraucher auf die Inhaltsstoffe schauen und Produkte mit Carrageen oder E407 stehen lassen.

Bio-Lebensmittel

Carrageen ist sogar in einigen Lebensmitteln mit EU-Biosiegel enthalten. Viele Bio-Anbauverbände sind jedoch wesentlich strenger und verzichten komplett auf den Zusatzstoff, darunter Demeter, Bioland und Naturland. Auch die Bio-Lebensmittelkette Alnatura setzt kein Carrageen ein.

Der Text gibt den Stand zum Sendungsdatum wieder

Filmautorinnen: Nina Rathfelder | Online: Sola Hülsewig
© SWR Marktcheck

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