Traumjob Bierbrauerin Als Frau in einer deutschen Männerdomäne

Wer an Bier denkt, denkt an Fußball, dicke Plauzen, Kerle und harte Jungs. Blödes Klischee? Leider nein, sagt Chloe Stanzel. Die Australierin hat gelernt, sich in dieser Männerwelt zu behaupten.

Bierbrauerin Chloe Stanzel (Foto: SWR, SWR - Chloe Stanzel)
Bierbrauerin Chloe Stanzel hat ihre eigene Strategie gegen den Sexismus in der Branche entwickelt SWR - Chloe Stanzel

Die Australierin Chloe Stanzel ist vor vier Jahren nach Deutschland gekommen. Mit im Gepäck hatte sie den großen Traum, Bierbrauerin zu werden. Zusammen mit ihrem Mann hat sie mittlerweile ein kleines Unternehmen in Koblenz gegründet, das Craftbeer produziert.

Trotz Leidenschaft für die Bierbrauerei haben es Frauen schwer

Doch auf dem langen Weg dorthin musste sie oftmals schmerzhaft erfahren: Bierbrauen ist eine Männerdomäne, und Frauen haben es dort ziemlich schwer. Die Leidenschaft für Bier geht Chloe Stanzel im wörtlichen Sinne unter die Haut. Auf ihren Arm hat sie sich kunstvoll Hopfenblüten tätowieren lassen, sie ranken sich hinunter bis zum Handgelenk.

Doch Leidenschaft allein reicht nicht. Das musste die junge Australierin schnell feststellen, als sie in Deutschland begann, in der Bierbranche zu arbeiten.

Chloe muss mit zahlreichen Konventionen brechen

Das ist lange her, vier Jahre immerhin. Geändert hat sich seither wenig - nur naiv ist Chloe jetzt wahrlich nicht mehr. Sie und ihr Mann Mike haben beide eine Ausbildung zum Brauer und Mälzer in der Tasche, nebenher haben sie gemeinsam ihr Craftbeer-Unternehmen aufgebaut. Dennoch wird sie ständig für die Sekretärin gehalten, wenn die beiden sich mit Kunden treffen.

Nur ein knappes Zehntel der Brauerei-Azubis ist weiblich

Tatsächlich sind Frauen in der Branche eine Rarität. Der Deutsche Brauer-Bund erklärt, dass 2015 unter den insgesamt über 900 Azubis gerade mal 80 Frauen waren - noch nicht mal ein Zehntel also. Der Verband weist darauf hin, dass es an der sehr technischen Ausrichtung der Ausbildung liegen könne - viel Mathematik, und ein bisschen Chemie sei auch dabei.

Immer noch hat sie mit sexistischen Anfeindungen zu kämpfen

Team der Brauerei "Wild Animal" (Foto: SWR, SWR - Chloe Stanzel)
Chloe und ihr Mann Mike haben das Craftbeer-Unternehmen "Wild Animal" aufgebaut. SWR - Chloe Stanzel

Das sei aber noch lange kein Grund, weibliche Bierbrauerinnen herabzuwürdigen, sagt Chloe Stanzel. Eine Zeit lang fragte sie sich, ob es an ihr oder ihrer Art liegen könnte. Doch dann traf sie in Köln die Spanierin Anastasia, ebenfalls leidenschaftliche Bierbrauerin. Auch sie musste sich - sowohl in Deutschland, als auch in Spanien - mit sexistischen Anfeindungen herumschlagen.

Chloes Erfahrungen belasteten auch die Beziehung zu Michael. Sie war wütend auf ihn, weil alle ihn bevorzugten und er es so viel einfacher hatte. Aber dann wurde ihr klar: In Wahrheit hatten sie einen gemeinsamen Gegner.

Mit Bier-Etiketten gegen Diskriminierung

Chloe Stenzel mit Freunden (Foto: SWR, SWR - Chloe Stanzel)
Das Brauen ist Chloes Leidenschaft. Das verraten auch die Hopfenblüten auf ihrem Arm. SWR - Chloe Stanzel

Seitdem machen sie mit ihrer Craftbeer-Firma "Wild Animal" auf Diskriminierung aufmerksam - und zwar direkt auf den Bier-Etiketten. Eines zeigt beispielsweise das unglückliche Treffen zwischen dem Chauvi Donald Trump und Angela Merkel, ein anderes riesige, unförmige Melonen als eine Anspielung auf nicht ganz perfekte Brüste.

"Wir wollen so ein Bild von Frauen in die Bierwelt einführen, das nicht sexualisiert ist. Bisher ist der einzige Platz für Frauen die Sexbombe in der Bierwerbung. Wir zeigen Angela Merkel oder Hängebrüste - also realistische Bilder von Frauen in der Welt."

"Ich wünsche mir, dass meine Tochter später Chef-Brauerin wird"

Chloe ist Realistin und weiß, dass es noch ein paar Generationen dauern kann, bis Frauen in der Brauerei-Branche als gleichwertig akzeptiert werden. Ganz im Martin-Luther-King-Stil formuliert sie am Ende trotzdem noch ihren Traum:

Stephanie Geißler, SWR Studio Koblenz | Online: Stefan Heinz

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