Fahrradunfall Wenn der "Tote Winkel" Leben kostet

Der Fahrradfahrer will geradeaus und der Lkw nach rechts - was sich simpel anhört, führt im Straßenverkehr immer häufiger zu gefährlichen Unfällen, oftmals sogar mit Todesfolge. Der Fahrradfahrer wird übersehen, fährt im "Toten Winkel". Welche Hilfsmöglichkeiten für Lkw-Fahrer gibt es? Wie können die Radler besser geschützt werden? Marktcheck hakt nach.

Dauer

Im Schnitt 28 Radfahrer sterben pro Jahr in Deutschland durch abbiegende Lkw. Das Muster ist immer dasselbe: Der Laster will rechts abbiegen und übersieht dabei den Radler, der geradeaus fährt. Selbst bei langsamer Fahrt des Lkw folgen auf solche Begegnungen schwerste Unfälle bis hin zum Tod, wenn die Opfer von den tonnenschweren Kolossen überrollt werden.

Spiegel seit 10 Jahren Pflicht

Dabei müsste der sogenannte Tote Winkel längst Geschichte sein: Durch verschiedene Spiegel, die seit fast 10 Jahren Pflicht sind, kann vom Führerhäuschen des Lkw eigentlich der gesamte Bereich um das Fahrzeug gesehen werden.

Fahrrad steht im toten Winkel, der mit gelben Klebestreifen markiert ist, neben Lkw (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Seit fast 10 Jahren dürfte es eigentlich keinen "Toten Winkel" mehr geben. picture-alliance / dpa -

Die Spiegel müssen jedoch richtig eingestellt sein. Unser Test zeigt außerdem, dass ein neben dem Laster fahrender Radler manchmal nur ganz klein in einem einzigen Spiegel zu sehen ist. Offenbar reicht das nicht aus - die Zahl der durch Lkw getöteten Radfahrer steigt seit Jahren an, meldet der ADFC.

Elektronische Abbiegeassitenten

Von verschiedenen Seiten werden daher seit Jahren Maßnahmen zum besseren Schutz von Radfahrern und Fußgängern gefordert. Elektronische Abbiegeassistenten könnten mehr als 60 Prozent aller Unfälle zwischen Lkw und Radfahrern verhindern oder zumindest abschwächen, so die Unfallforschung der Versicherer (UDV). Die Vereinigung fordert deshalb, dass ein Abbiegeassistent für alle Lkw vorgeschrieben wird. Noch besser wären Systeme mit Notbremsfunktion.

Daimler hat seit 2016 einen elektronischen Abbiegewarner im Programm. Auch der Güterkraftverkehr fordert die Pflicht zum Einbau der Systeme.

Politische Umsetzung

Der ADFC hat bereits 2012 den "Runden Tisch Lkw-Abbiegeassistent" beim Bundesverkehrsministerium initiiert. Die damalige Bundesregierung hat Anforderungen und Prüfverfahren entwickeln lassen und die Forderung nach verpflichtenden LKW-Abbiegeassistenten bei der EU und der zuständigen UN-Behörde (UNECE) eingebracht.

Dummy fährt auf Fahrrad neben Lkw her (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Tests mit Dummys verdeutlichen die Unfallgefahr beim Rechts-Abbiegen. picture-alliance / dpa -

Im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung ist die verpflichtende Einführung festgehalten. Und auch im Bundesrat setzten sich erst vor wenigen Wochen mehrere Bundesländer dafür ein. Doch laut Experten wird es frühestens in vier Jahren ein Gesetz geben.

Unfälle mit Kommunalfahrzeugen

Auf freiwilliger Basis werden sie bisher kaum verbaut, weil sich die Speditionen das Geld lieber sparten, so der ADFC.

Filmautorinnen: Anne Jensen, Mareen Mosler | Online: Sola Hülsewig
© SWR Marktcheck

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