Frau in einem Berg aus Taschentüchern und Erkältungsmitteln (Foto: Colourbox)

Husten, Bronchitis, Lungenentzündung Tipps zur Behandlung von Atemwegserkrankungen

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Hustenreiz und Abgeschlagenheit: Wie lassen sich Beschwerden durch gereizte Atemwege lindern, wann ist ein Arztbesuch nötig, helfen Hausmittel und wann braucht es Antibiotika?

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
20:15 Uhr
Sender
SWR Fernsehen

Inhaltsverzeichnis:

Atemwegserkrankungen und ihre viele Namen - eine Begriffsabgrenzung

Husten, Erkältung, Bronchitis, Lungenentzündung, grippaler Infekt und Grippe: Besonders in der kalten Jahreszeit kommt keiner an diesen Begriffen vorbei. Doch was ist eigentlich was?

In unserer Bildergalerie erklären wir Ihnen den Unterschied zwischen Grippe und grippaler Infekt und erläutern, warum Husten eigentlich gar keine Erkrankung ist.

Husten, Erkältung, grippaler Infekt und Grippe

Das Wort Husten auf einer Grafik mit Viren und Bakterien (Foto: Colourbox)
Husten ist keine eigenständige Erkrankung, sondern ein natürlicher Reflex, mit dem die Atemwege von Fremdkörpern gereinigt werden. Er tritt häufig auf, wenn die Atemwege einer permanenten Reizung ausgesetzt sind, was zum Beispiel bei Rauchern oder Allergikern der Fall ist. Die häufigste Ursache ist jedoch eine Erkältung, und Husten ist auch eine typische Begleiterscheinung einer Erkältung. Ein hartnäckiger starker Husten ist darüber hinaus das auffallendste Merkmal bei einer Bronchitis. Bild in Detailansicht öffnen
Die echte Grippe wird von Influenza-Viren ausgelöst, kommt sehr plötzlich und dem Erkrankten geht es sehr schlecht. Typische Symptome sind Hustenreiz, Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen und ein starkes Krankheitsgefühl innerhalb von Minuten. Bis die Grippe auskuriert ist, dauert es etwa drei bis sechs Wochen. An manchen Beschwerden laboriert man sogar bis zu einem halben Jahr und häufig kommt es zu dauerhaften Folgen am Herzen und in den Atemwegen. Bild in Detailansicht öffnen
Eine Erkältung (auch grippaler Infekt genannt) kann von unterschiedlichen Erregern ausgelöst werden und entwickelt sich langsam, fast schleichend. Sie beginnt typischerweise mit Kribbeln in der Nase, Halsschmerzen, Heiserkeit, Schnupfen, sowie Kopf- und Gliederschmerzen. Der Verlauf ist zwar grippeähnlich, man fühlt sich aber weniger krank. Nach fünf bis sieben Tagen kommt mitunter eine Entzündung der Nebenhöhlen oder des Ohrs dazu und oft wird eine Bronchitis daraus. Bild in Detailansicht öffnen

Akute Bronchitis: Eine Entzündung der unteren Atemwege

Jährlich erkranken in Deutschland über 5 Millionen Menschen an einer akuten Bronchitis, die in 90 Prozent der Fälle durch Viren ausgelöst wird. Ein Antibiotikum hilft hier nicht. Die Bronchien und deren kleine Verästelungen (Bronchiolen) bilden zusammen mit der Luftröhre die unteren Atemwege. Bei einer Bronchitis entzündet sich die Schleimhaut der Bronchien und es kommt zu vermehrter Schleimbildung. Sowohl die Entzündungen als auch der Schleim lösen einen Hustenreflex aus.

Grafik zum typischen Verlauf einer Erkältung (Foto: Stiftung Gesundheitswissen (SGW))
Bronchitis statt abklingender Symptome: Tritt ein starker Husten auf, ist das oft ein Zeichen, dass zur eigentlich abklingenden Erkältung eine aktute Bronchitis hinzukommt. Stiftung Gesundheitswissen (SGW)

Hauptsymptom einer akuten Bronchitis ist genau dieser Husten: Während er zunächst meist trocken ist und hinter dem Brustbein schmerzt, husten die Betroffenen im weiteren Verlauf zähflüssigen Schleim ab. Mitunter beginnt ein Teufelskreis: Der Körper versucht durch heftiges Husten den zähflüssigen Schleim loszuwerden. Das reizt die Schleimhäute zusätzlich, was wiederum zu mehr vermehrter Schleimbildung führt.

Zeichnung der aus Luftröhre und Bronchien bestehenden unteren Atemwege (Foto: Colourbox)
Eine Bronchitis liegt vor, wenn die Bronchien, die zusammen mit der Luftröhre zu den unteren Atemwegen gehören, entzündet sind.

Sofern keine Komplikationen auftreten, dauert eine akute Bronchitis zwei bis drei Wochen. Unter ungünstigen Bedingungen, also beispielsweise bei Rauchern, staubiger oder trockener Luft, kann sich die Erkrankung auch über sechs bis acht Wochen hinziehen.

Achtung: Manchmal wird eine Bronchitis begleitet von Fieber. Das kann aber auch ein Anzeichen einer Lungenentzündung sein, daher empfiehlt es sich, bei dieser Kombination einen Arzt aufzusuchen.

Eine gut strukturierte Übersicht über weitere virusbedingte Atemswegerkrankungen wie beispielsweise SARS oder Vogelgrippe finden Sie auf den Seiten des Lungeninformationsdienstes des Helmholtz Zentrums München und des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL).

Welche Hausmittel und rezeptfreien Medikamente sinnvoll sein können

Gut zu wissen: Eine akute Bronchitis verläuft meist unkompliziert. Aber egal was man alles unternimmt, man kann sich damit nur Linderung verschaffen und dafür sorgen, dass es nicht zu Komplikationen kommt. Beschleunigen kann man den Heilungsprozess nicht.

Eine Frau inhaliert mit einem Handtuch über dem Kopf (Foto: Getty Images, Thinkstock)
Inhalieren kann dabei helfen, festsitzenden Schleim zu lösen. Thinkstock
  • Ruhe und Erholung: Gefragt sind daher vor allem ausreichend Ruhe, Geduld und eine maximale Stressreduzierung, den Stress schwächt das Immunsystem. Die Devise heißt also: Schonen, schonen und nochmals schonen und nicht zu früh wieder durchstarten.
  • Ausreichende Luftfeuchtigkeit: Trockene Atemluft reizt die Schleimhäute zusätzlich. Um das zu verhindern, kann man nasse Handtücher über die Heizung legen oder eine Schale Wasser obendrauf stellen. Da Viren bei feuchter Luft schneller nach unten sinken und gleichzeitig langsamer sind, verhindert man auf diese Weise auch, sich mit weiteren Erregern anzustecken.
  • Temperaturschwankungen, Staub und Rauch vermeiden: Neben dem Verzicht auf das Rauchen ist es außerdem hilfreich, Temperaturschwankungen in der Atemluft zu vermeiden. Wer also aus der gut geheizten Wohnung in die Kälte will, sollte sich einen Schal über Mund und Nase wickeln.  
  • Viel Trinken:  Eine erhöhte Flüssigkeitszufuhr in Form von Tee, Suppen oder Wasser sorgt nicht nur für feuchte Schleimhäute, sondern hilft gleichzeitig, weitere Viren oder Bakterien aus dem Mund- und Rachenraum in den Magen zu befördern, wo sie von der Magenschleimhaut vernichtet werden.
  • Bonbons lutschen: Den gleichen Effekt kann man erzielen, wenn man Bonbons lutscht. Die teuren Hustenbonbons müssen es gar nicht sein, da es hauptsächlich darum geht, die Schleimbildung im Mund anzuregen. Allerdings sollte man darauf achten, dass man auf diesem Wege nicht viel zu viel Zucker zu sich nimmt.
  • Inhalieren mit Salz, Kamille oder ätherischen Ölen:  Auch das Inhalieren kann helfen, festsitzenden Schleim zu lösen. Neben der althergebrachten Methode, den Kopf über eine Schlüssel mit dampfenden Wasser zu halten, und noch ein Handtuch darüber zu werfen, gibt es Inhalatoren und insbesondere für die unteren Atemwege Ultraschall- oder Düsenvernebler. Die Zugabe von ätherischen Ölen ist allerdings für Allergiker tabu und kann bei Säuglingen und Kleinkindern zu akuter Atemnot führen.
  • Schleimlösende Medikamente (Hustenlöser): Sogenannte Hustenlöser können dabei helfen, den zähen Schleim zu verflüssigen, so dass er leichter abgehustet werden kann. Eine Untersuchung von Ökotest aus dem Jahr 2018 hat nicht rezeptpflichtige Schleimlöser getestet und dabei erhielten mit „Bronchipret TP“, „Gelomyrtol Forte“ und „Soledum Kapseln Forte “ drei pflanzliche Produkte die Note „sehr gut“.
  • Hustenstiller nur mit Bedacht einsetzen: Sogenannte Hustenstiller machen genau das Gegenteil, sie versuchen, den Hustenreiz zu bändigen und damit den Teufelskreis aus Dauerhusten und der damit einhergehenden Reizung der Schleimhäute zu unterbrechen. Sie werden vorzugsweise am Anfang einer Erkrankung genommen, wenn der Husten noch sehr trocken ist. Da es aber eigentlich angeraten ist, den Schleim loszuwerden, sollten diese Mittel nur in Ausnahmefällen eingesetzt werden, zum Beispiel damit man in der Nacht mal durchschlafen kann. Außerdem ist darauf zu achten, dass man sie nicht zeitgleich mit den Schleimlösern einnimmt.
  • Kombipräparate mit Wirkstoffmix: Auch die Stiftung Warentest hat Erkältungsmittel unter die Lupe genommen und gibt unter anderem zu bedenken, dass bei Kombipräparaten mit mehreren Wirkstoffen die Gefahr unerwünschter Nebenwirkungen steigt.

Antibiotika nur in Ausnahmefällen sinnvoll

Antibiotika helfen nur gegen Bakterien, nicht gegen Viren - und 90 Prozent der Bronchitiden - also Bronchitis-Erkrankungen - werden durch Viren ausgelöst. Antibiotika wirken in diesen Fällen nicht. Im Gegenteil: Oft muss man - ohne einen Nutzen zu haben – die Nebenwirkungen des Medikamentes ertragen und die gefährliche Ausbreitung resistenter Bakterien wird so gefördert.

Sinnvoll ist die Gabe von Antibiotika nur, wenn es sich entweder um eine bakterielle Infektion handelt oder auf jeden Fall verhindert werden muss, dass der Patient sich unter Umständen noch zusätzlich eine bakterielle Infektion einhandelt, also wenn jemand beispielsweise schwer chronisch krank ist. In solchen Fällen wird das Antibiotika prophylaktisch verordnet.

Trotz der Fakten werden bei Atemwegserkrankungen sehr häufig unnötigerweise Antibiotika verschrieben. Zwar gibt es inzwischen unterschiedliche Testmethoden, mit denen sich herausfinden lässt, ob überhaupt Bakterien im Spiel sind, doch keiner der Tests hat sich bisher flächendeckend durchgesetzt.

Im Zuge der Deutschen Antibiotika-Resistenzstrategie DART 2020 tut sich in diesem Bereich gerade aber sehr viel: In Hamburg wird beispielsweise in einem Modellprojekt seit Mitte 2018 ermittelt, inwieweit sich mithilfe eines neuen Blutschnelltests die unnötigen Antibiotika-Verordnungen reduzieren lassen. Ärzte können damit innerhalb weniger Minuten ermitteln, ob eine virale oder bakterielle Erkrankung vorliegt. Sollte sich dieser neue Schnelltest bewähren, könnte das Verfahren bald auch bundesweit eingesetzt werden.  

Tipp: Es lohnt sich also, den Arzt nach neuen Erkenntnissen zu fragen und abzuklären, ob die Verordnung eines Antibiotikums wirklich sein muss.   

Fluorchinolon-Antibiotika Ciprofloxacin, Levofloxacin, Moxifloxacin, Norfloxacin und Ofloxacin (Foto: SWR)
Antibiotika aus der Wirkstoffgruppe der Fluorchinolone sollen laut Rote-Hand-Brief bei leichten und mittelschweren Infektionen wie akuter Bronchitis, Rachen- und Mandelentzündungen nur dann verschrieben werden sollen, wenn nichts anderes möglich ist.

Achtung: Ist ein Antibiotika angeraten , sollten Sie dringend mit Ihrem Arzt über die Wirkstoffe reden, denn Antibiotika aus der Gruppe Fluorchinolone können schwere Nebenwirkungen auslösen.   

Wenn aus einer akuten eine chronische Bronchitis wird

Besteht Husten mit Auswurf über einen Zeitraum von mehr als drei Monaten in zwei aufeinander folgenden Jahren, so spricht man von einer chronischen Bronchitis. Hier sollte dringend ein Arzt aufgesucht werden.
Welche Gefahren mit einer chronischen Bronchitis , insbesondere der bisher unheilbaren chronischen obstruktiven Lungenerkrankung COPD, einhergehen, erfahren Sie auf den Seiten des Lungeninformationsdienstes.

Husten kann auch Symptom einer Lungenentzündung sein

Die Bronchiolen enden in rund 300 Millionen Lungenbläschen (Alveolen), in denen der sogenannte Gasaustausch stattfindet: Kohlendioxidhaltiges Blut fließt in die Lunge, wird dort mit Sauerstoff angereichert und fließt anschließend wieder in den Körper. Von einer Lungenentzündung (Pneumonie) spricht man, wenn die Lungenbläschen entzündet sind.

Auslöser sind meist Bakterien, seltener Viren oder Pilze. An einer Pneumonie erkranken in Deutschland pro Jahr bis zu einer halben Million Menschen und rund jeder Siebte davon muss stationär behandelt werden.

Durch ihr noch nicht ganz ausgereiftes bzw. geschwächtes Immunsystem sind Säuglinge und Kleinkinder, ältere Menschen und schwer chronisch Erkrankte besonders gefährdet.

Beim Verdacht auf eine Lungenentzündung sollten Sie immer einen Arzt aufsuchen. Und da Husten in Verbindung mit Fieber ein Anzeichen einer Lungenentzündung sein, sollten insbesondere gefährdete Personen bei dieser Kombination umgehend einen Termin ausmachen.  

Ausführliche Informationen zum Thema Lungenentzündung finden Sie auf den Seiten des Lungeninformationsdienstes.

Pneumokokken-Schutzimpfung für Risikogruppen

Viele bakterielle verursachte Lungenentzündungen werden durch Pneumokokken ausgelöst. Außerdem können die Bakterien auch andere Erkrankungen auslösen, zum Beispiel Entzündungen von Nasennebenhöhlen, Mittelohr und Hirnhaut sowie schwere allgemeine Entzündungen wie eine Blutvergiftung. Besonders gefährdet sind Kinder unter zwei Jahren, chronisch Kranke und ältere Menschen ab 60. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt daher für diese Risikogruppen eine Schutzimpfung.
Weitere Informationen zu der Gefahr durch Pneumokokken finden Sie im Gesundsmagazin Visite des NDR.

Wann ein Arztbesuch empfehlenswert ist

Auch wenn bei vielen Erkrankungen der Atemwege Ruhe und Erholung die beste Medizin sind, ist manchmal ein Arztbesuch sinnvoll:

  • wenn sich Beschwerden nicht nach einigen Tagen von selbst bessern
  • wenn zum Husten weitere Symptome wie hohes Fieber oder Nachtschweiß hinzukommen
  • wenn Sie sich sehr krank fühlen
  • wenn Sie von starken Hustenanfällen, Atembeschwerden oder auffälligen Atemgeräuschen wie Keuchen oder Pfeifen geplagt werden

Hat ein Baby Husten, sollte vorsichtshalber immer der Kinderarzt kontaktiert werden. Das gleiche gilt für Schwangere und chronisch Erkrankte, die an Asthma, COPD oder Lungenfibrose leiden.

Ganz wichtig: Verschwindet der Husten nach sechs Wochen nicht, sollten Sie unbedingt erneut einen Arzt aufsuchen.

Schutz vor weiteren Erkrankungen

Um zu verhindern, dass man weitere Personen ansteckt, sollte man beim Niesen und Husten immer mindestens einen Meter Abstand von anderen Personen halten und sich wegdrehen. Idealerweise verwendet man ein Einwegtaschentuch und entsorgt es anschließend umgehend in einem geschlossen Mülleimer. Haben Sie kein Taschentuch griffbereit, husten Sie in die Armbeuge und nicht in die Hände.

Apropos Hände: Neben einer ausgewogenen, vitaminreichen Ernährung, ausreichend Schlaf und Bewegung an der frischen Luft und einer generellen Stärkung des Immunsystems ist ein sehr effektiver Schutz vor Neuansteckungen eine sorgfältige Händehygiene und der Verzicht aufs Händeschütteln.

20 Sekunden gründlich einseifen: So geht richtiges Händewaschen

In einem anschaulichen Video zeigt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, wie es klappt mt dem richtigen Händewaschen:

Mit diesen Maßnahmen senkt man nicht nur erheblich das Ansteckungsrisiko durch gängige Viren und Bakterien, sondern ist auch ein Stück weit geschützt, falls neuartige Erreger, wie beispielsweise das gerade in China für Aufregung sorgende Coronavirus, den Weg zu uns finden sollte.

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