Stechmücken Tipps zum Schutz vor Tigermücken und Co.

AUTOR/IN

Welche Gefahr geht von eingewanderten Arten wie der Tigermücke aus? Wie kann man sich schützen? Und warum werden einige Menschen scheinbar eher gestochen als andere?

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
20:15 Uhr
Sender
SWR Fernsehen

Die heimischen Stechmücken haben in den letzten Jahren Gesellschaft bekommen. Auch einige tropische Mückenarten fühlen sich inzwischen in Deutschland wohl. Mittlerweile sind über 50 verschiedene Arten nachgewiesen.

Hier eine Auswahl:

Mückenarten in Deutschland

Mückenarten in Deutschland (Foto: Colourbox)
Die asiatische Tigermücke kommt ursprünglich aus den südostasiatischen Tropen. Auch in Deutschland ist sie seit 2007 beheimatet und gilt als Krankheitsüberträger für das Dengue-, Chikungunya- und Zika-Virus. Bislang wurden in Deutschland diese Viren noch nicht übertragen, Forscher halten dies aufgrund der globalen Erwärmung aber nur noch für eine Frage der Zeit. Bild in Detailansicht öffnen
Die heimische Stechmücke wird von ihrem Aussehen her oft mit Zuckmücken, Büschelmücken und Wiesenschnaken verwechselt. Im Gegensatz zur weiblichen Stechmücke saugen diese jedoch kein Blut. Imago imago Bild in Detailansicht öffnen
Die Kriebelmücke breitet sich immer weiter in Deutschland aus. Mittlerweile sind mehr als 50 Arten bei uns bekannt. Sie sticht nicht, sondern beißt. Dadurch kann sie starke Schwellungen an den betroffenen Hautstellen auslösen und durch die toxischen Stoffe, die sie überträgt, auch Entzündungen hervorrufen. Kriebelmücken fühlen sich vor allem in Feuchtgebieten und Wiesen wohl und sind nachts am aktivsten. Imago imago Bild in Detailansicht öffnen
Die Sandmücke wurde erstmals im Jahr 1999 in Deutschland nachgewiesen, sie stammt aus den Tropen und Subtropen von Europa. Sandmücken brauchen im Gegensatz zu gewöhnlichen Stechmücken keine Blutmahlzeit, um Eier legen zu können. Dennoch stechen sie auch bei Menschen öfter zu und lösen damit Juckreiz und Hautrötungen aus. Bei einigen Personen kann der Stich sogar Unwohlsein und Fieber auslösen. Bild in Detailansicht öffnen
Bartmücken werden auch Gnitzen genannt. Die Männchen dieser Art sind reine Pflanzensauger, die Weibchen dagegen Blutsauger. Sie haben gut ausgebildete Mundwerkzeuge, die einen Stechrüssel bilden und unter anderem die Blauzungenkrankheit auf Wiederkäuer übertragen können. Beim Menschen sorgt ein Biss der Bartmücke häufig für Schmerzen und Quaddeln an der Einstichstelle. Imago imago Bild in Detailansicht öffnen
Die asiatische Buschmücke ist ursprünglich in Korea, Japan und Südchina beheimatet und kann das West-Nil-Virus und verschiedene Arten von Enzephalitis(Entzündung im Gehirn)-Viren übertragen. Seit dem Frühjahr 2013 ist sie auch bei uns in Deutschland zu finden, vor allem am Oberrhein. Imago Imago Bild in Detailansicht öffnen

Die asiatische Tigermücke breitet sich rasant aus

Während einheimische Stechmücken in der Regel für den Menschen nur lästig aber nicht gefährlich sind, sieht es bei so manch eingewanderter Art etwas anders aus.

Die asiatische Tigermücke beispielsweise lebt eigentlich in Südostasien, doch mittlerweile hat sie sich auch in Deutschland breitgemacht – und kann hier zur Gefahr werden. Sie ist drei bis zehn Millimeter groß, schwarz-weiß gefärbt und sehr stechfreudig, auch tagsüber.

Im Institut für Dipterologie in Speyer versuchen Forscher wie Artur Joest mehr über die exotischen Mücken zu erfahren. Zum Beispiel wie sie zu uns kommen.

 

Artur Joest, Diplom-Biologe am Institut für Dipterologie Speyer (Foto: SWR)
Artur Joest, Diplom-Biologe am Institut für Dipterologie Speyer

„Unsere Forschungsergebnisse der letzten Jahre haben gezeigt, dass es insbesondere die Autobahn A5 ist, die die Tigermücken zu uns hier nach Süddeutschland bringt, insbesondere über den PKW, aber auch über den LKW Verkehr. Die Tiere folgen uns, weil sie uns stechen wollen. Und genau so kommen sie auch in die Führerhäuser der LKW oder in den PKW und werden dann als blinde Passagiere verschleppt.“

Artur Joest, Diplom-Biologe am Institut für Dipterologie Speyer

Die asiatische Tigermücke breitet sich bei uns immer weiter aus. Forscher sind gewarnt, denn zum Beispiel in Freiburg, Lörrach, Karlsruhe und Heidelberg haben sie im vergangenen Jahr große Populationen der Plagegeister entdeckt.

„Neben ihrer besonderen Aggressivität zeichnet sie ihre Fähigkeit aus, verschiedene virale Erkrankungen auf den Menschen zu übertragen.“

Artur Joest, Diplom-Biologe am Institut für Dipterologie Speyer

Mehr als zwanzig Viren können von der Tigermücke übertragen werden. Dazu zählen insbesondere:

  • Chikungunya-Fieber
  • Dengue-Fieber
  • West-Nil-Fieber
  • Zika-Virus

Viele sind beunruhigt. Experten sehen aber noch keinen Grund zur Sorge, denn:

Der Stich einer asiatischen Tigermücke unterscheidet sich kaum von dem einer heimischen Mücke. Er kann allerdings eher allergische Reaktionen verursachen.

Wenn man gestochen wurde

  • Wurde man gestochen, ist es am wichtigsten, den Juckreiz so weit zu lindern, dass man sich nicht kratzt. Denn erstens verschlimmert das Kratzen den Juckreiz und zweitens kann sich die aufgekratzte Stelle - zum Beispiel durch Dreck unter den Fingernägeln - infizieren.
  • Um das lästige Jucken zu lindern und damit ein Kratzen zu vermeiden, können Hausmittel nützlich sein. Am wirksamsten ist es, zu kühlen - beispielsweise mit einem Eiswürfel, einem Kühl-Pad oder einer eiskalten Flasche. Auch eine Zitronenscheibe, Apfelessig oder eine halbe Zwiebel können den Juckreiz reduzieren.
  • Kühlende Gels mit pflanzlichen Wirkstoffen aus der Apotheke sorgen für Linderung.
  • Es werden aber auch Gele mit Antihistaminika gegen Insektenstiche angeboten. Die Arzneimittelexperten der Stiftung Warentest bewerten sie aber mit "wenig geeignet", da die darin enthaltenen Wirkstoffe nicht ausreichend tief in die Haut eindringen würden. Eine juckreizdämpfende Wirkung sei daher nicht zu erwarten und die therapeutische Wirksamkeit nicht belegt. Das die Gele bei Juckreiz trotzdem guttun können, führt die Stiftung Warentest darauf zurück, dass sie auf der Haut verdunsten und dabei kühlen.
  • Experten sind sich uneins, ob es sinnvoll ist, eine Einstichstelle zu erwärmen, um den Juckreiz zu lindern.

Wann ein Arztbesuch sinnvoll ist

Vorsicht ist bei Allergikern geboten und, wenn die Schwellung so stark wird, dass man Beschwerden hat, wenn man sich bewegt und/oder es heiß und schmerzhaft wird. Ein deutliches Warnzeichen ist auch Fieber – unter anderem, weil inzwischen auch in Europa tropisches Fieber von Mücken übertragen wird. Treten solche Symptome auf, sollte man sicherheitshalber einen Arzt aufsuchen.

Was Mücken an uns lieben

Vergrößerung einer Tigermücke unter dem Mikroskop (Foto: SWR)
Forscher versuche mehr über das Verhalten von Stechmücken herauszufinden.

Wenn Mücken Opfer suchen, reagieren sie vor allem auf Duftstoffe, den Körpergeruch und auch den Atem von Menschen. Wichtigstes Signal: das ausgeatmete Kohlendioxid. Das bemerken die Stechmücken noch in 50 Meter Entfernung. Und sie riechen auch unseren Körpergeruch, den Schweiß, die Duftstoffe auf unserer Haut: Ammoniak, Milchsäuren und Fettsäuren.

Jeder Mensch hat genetisch bedingt eine persönliche "Duftnote", die sich aus bis zu 40 Substanzen in unterschiedlicher Ausprägung und Konzentration zusammensetzt. Daher ist nicht jeder Mensch gleich attraktiv für die Mücken. Je mehr Bakterien und je weniger unterschiedliche Bakterienarten ein Mensch auf der Haut hat, desto spannender duftet er für Mücken.

Geborene Mückenopfer

Einige von uns werden schon als Mückenopfer geboren. Forscher von der London School of Hygiene and Tropical Medicine haben das in einem Experiment nachgewiesen und im Fachmagazin "PLoS One" veröffentlicht.

Sie ließen Zwillingspaare von Malariamücken anfliegen. Eineiige Zwillinge, die genetisch nahezu identisch sind, waren für die Mücken gleichermaßen interessant. Bei zweieiigen Zwillingen war das ganz anders: Bei ihnen hatten die Mücken jeweils einen Favoriten.

Ernährung und Lebensweise können den persönlichen Duftcocktail beeinflussen. So sind beispielsweise Biertrinker für bestimmte Mückenarten leicht attraktiver als Menschen, die kein Bier trinken. Der Grund hierfür ist vermutlich, dass der Alkohol die Körpertemperatur leicht erhöht.

Mücken stehen auf dunkle Farben

Je nachdem, wie weit Mücken von ihren Opfern entfernt sind, nehmen sie auch optische Reize wahr. Im Abstand von circa zwei Metern fühlen viele Mückenarten sich von dunklen Farben angezogen - vor allem, wenn die dunkle Farbe in Kontrast zu einer hellen steht.

Haben sie sich auf 20 bis 30 Zentimeter genähert, nehmen Steckmücken auch die Hauttemperatur war. Sie suchen geeignete Landestellen, um an warmes, frisches Blut zu gelangen, das sie als Eiweißquelle nutzen

So halten Sie sich Mücken vom Leib

Mücken mögen vieles, was wir eklig finden: verbrauchte Atemluft, Körperwärme und Schweiß. Je weniger die Mücken davon mitbekommen, desto weniger stechen sie uns.

  • Stellen Sie einen Ventilator auf: Für Mücken sind wir nichts anderes als ein Eiweißlieferant mit einer Dunstglocke voller herrlichster Gerüche außenherum. Ein Ventilator lässt diese Dunstglocke um uns verschwinden und schon finden uns die Mücken viel unattraktiver.
  • Gehen Sie vor dem Schlafen oder vor der Grillparty unter die Dusche: Kaum etwas ist für Mücken so verführerisch wie menschlicher Schweiß, der so weggewaschen wird. Zweitens wird auch der natürliche Körpergeruch durch das Duschen zumindest eine Zeit lang weniger intensiv. Je nach persönlichem Duftcocktail werden einige Mückenarten nämlich auch durch unseren natürlichen Körpergeruch angezogen - ganz unabhängig vom Schweiß.
  • Wählen Sie die richtige Kleidung: In mehreren Experimenten zeigten bestimmte Mückenarten eine Vorliebe für dunkle Farben. Schwarz und marineblau kamen besonders gut an. Neben hellen Farben sind langärmelige Pullis, lange Hosen und Socken zu empfehlen - am besten aus dickeren Stoffen wie Leinen, durch die der Stechrüssel der Mücke nicht durchkommt.
  • Meiden Sie ab der Dämmerung im Sommer die Nähe von stillen Gewässern: Denn hier wachsen die Mückenlarven heran. Schon bald nach dem Schlüpfen paaren sich die Mücken und ab diesem Moment steigt das Risiko für Mückenstiche rapide an, denn die Weibchen brauchen jetzt für die Entwicklung ihrer Eier Proteine und Eisen aus dem menschlichen Blut.
  • Lenken Sie Mücken durch getragene Socken ab: In einem Versuch hat sich gezeigt, dass Mücken kaum etwas so unwiderstehlich finden wie getragene Socken. Diese sollten Sie ab jetzt nicht direkt in die Wäschetonne schmeißen, sondern als Ablenkungsmanöver in der Nähe des Bettes platzieren.
  • Mückenschutzmittel möglichst flächendeckend auftragen oder aufsprühen: Mücken lassen sich nicht grundsätzlich durch eine Duftwolke aus Mückenschutzmittel abschrecken. Mit ihren ausgezeichneten Sinnen finden Mücken die noch so kleinste Lücke auf der Haut, die nicht besprüht wurde - und stechen.

Welche Mittelchen helfen?

Mehrfach wurde in den vergangenen Jahren untersucht, womit man sich am besten einreibt oder einsprüht, um möglichst wenige Stiche davonzutragen. Getestet wurden dabei meist Mittel mit den Wirkstoffen Diethyltoluamid (DEET), Icaridin und PMD (pflanzenbasiert). Auch Produkte nur auf der Basis von ätherischen Ölen wurden unter die Lupe genommen.

Die Ergebnisse ähneln sich:
Am wirksamsten erwiesen sich meist die Produkte mit DEET, allerdings ist der Wirkstoff nicht unumstritten und Produkte, die ihn enthalten, sind für Kinder unter drei Jahren nicht empfohlen.

  • Etwas weniger wirksam erweisen sich Produkte mit Icaridin, allerdings sind dafür auch die möglichen Nebenwirkungen durch diesen Wirkstoff geringer.
  • An dritter Stelle bezüglich der Wirksamkeit folgen die Mittel mit dem pflanzenbasierten Wirkstoff PMD.
  • Weit abgeschlagen landen meist Produkte, die nur ätherische Öle enthalten.

Vorbeugen: Nachwuchs vermeiden

Mücken reicht die kleinste Pfütze, um darin Unmengen Nachwuchs abzulegen. So können Sie das ein stückweit verhindern:

  • Eimer, Grillschalen oder Schubkarren: Drehen Sie alles im Garten oder auf der Terrasse um, in dem sich Wasser sammeln.
  • Bodenabläufe auf dem Balkon oder der Terrasse: Sind sie mit Blättern oder Ähnlichem verstopft, kann sich auch dort Wasser sammeln – also regelmäßig kontrollieren.
  • Unterteller von Pflanztöpfen: Einmal pro Woche sollten sie gesäubert werden.
  • Vogeltränken: Einmal pro Woche sollte das Wasser getauscht werden und das Gefäß gesäubert werden.
  • Regentonne: Wer die Regentonnen mit einem Insektenschutzgitter aus Kunststoff abdeckt, erweist sich einen riesigen Gefallen, denn sie ist besonders beliebt für die Eiablage.
AUTOR/IN
STAND