Tarifverhandlungen Flugsicherheitspersonal Diese Rechte haben Fluggäste bei Warnstreiks

Das Sicherheitspersonal der Flughäfen Stuttgart, Düsseldorf und Köln-Bonn soll am Donnerstag ganztags die Arbeit niederlegen, fordert die Gewerkschaft Verdi. Das müssen Passagiere wissen.

Die Gewerkschaft Verdi hat das Flugsicherheitspersonal zu Warnstreiks aufgerufen. (Foto: dpa Bildfunk, dpa Bildfunk -)
Die Gewerkschaft Verdi hat das Flugsicherheitspersonal zu Warnstreiks aufgerufen. dpa Bildfunk -

Wegen der Warnstreiks raten die Flughafenbetreiber den Passagieren dringend, sich bei ihrer Airline oder dem Reiseveranstalter zu informieren, ob der Flieger startet. Um die Beeinträchtigungen möglichst gering zu halten, sollten Reisende mehr Zeit einplanen und so wenig Handgepäck mitnehmen wie möglich.

Fragen an Tamara Land, SWR Aktuelle Wirtschaft

Welche Rechte haben Flugreisende bei Verspätungen und Flugausfällen?

  • Wenn sich der Flug verspätet, haben Passagiere Anspruch auf sogenannte Betreuungsleistungen: Die Fluggesellschaft muss kostenlose Getränke und Mahlzeiten zur Verfügung stellen und dem Passagier die Möglichkeit geben, kostenlos zwei Telefonate zu führen oder auch zwei Emails zu verschicken.

Ab wann dieses Recht greift, hängt von der Dauer der Verspätung und der Flugstrecke ab: Bei einem kurzen Flug gilt der Anspruch ab einer Verspätung von zwei Stunden, bei Mittelstrecken ab drei Stunden und bei Langstreckenflügen müssen sich Passagiere vier Stunden gedulden. Ist ein Flug mehr als fünf Stunden verspätet, dann haben Passagiere das Recht, kostenlos zu stornieren. Die Fluggesellschaft muss dann den gesamten Ticketpreis erstatten.

  • Wenn ein Flug gestrichen wird, hat der Kunde die Wahl: Er kann sich den Ticketpreis zurückerstatten lassen oder verlangen, auf anderem Weg ans Ziel gebracht zu werden. Die Airline muss diese sogenannte Ersatzbeförderung organisieren, zum Beispiel indem sie den Kunden auf einen anderen Flug umbucht, notfalls auch auf eine andere Airline - oder die Fahrt mit der Bahn oder Bussen organisiert. Diese Recht gelten immer, auch bei Streik.

Was bei Streik allerdings nicht gilt, ist der Anspruch auf eine finanzielle Entschädigung nach der europäischen Fluggastrechteverordnung. Eine solche Entschädigung müssen die Airlines nicht zahlen, weil sie für den Streik ja nicht verantwortlich sind.

Wie heftig sind die Warnstreiks des Sicherheitspersonals an den Flughäfen?

Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi beteiligten sich in Stuttgart am Donnerstag rund 150 Beschäftigte an den Warnstreiks. Damit sei ein Großteil des Sicherheitspersonals beim Streik dabei. Sie zogen am Morgen mit Trillerpfeifen und Transparenten durch den Flughafen. Eine Sprecherin des Flughafens bezeichnete die Lage am Morgen als erstaunlich ruhig. Die meisten Passagiere seien im Vorfeld informiert worden. Es gebe nur moderate Wartezeiten. Dennoch rät sie den Flugreisenden mehr als die üblichen zwei Stunden vorher am Flughafen zu sein.

Über die Hälfte der Verbindungen wurden gestrichen. Davon sind zehntausende Flugpassagiere betroffen. Auch an den Flughäfen Köln-Bonn und Düsseldorf streikt das Sicherheitspersonal ganztägig. Der Flughafenverband ADV rechnet damit, dass insgesamt um die 111.000 Passagiere betroffen sein werden.

Ein Flughafensprecher in Stuttgart hat gesagt, dass man sich auf erhebliche Einschränkungen einstellen müsse. Laut Plan würden 270 Flugbewegungen stattfinden. Rund die Hälfte sind bereits am Mittwoch gestrichen worden. Der Flughafen schätzt, dass in Stuttgart rund 25.000 Fluggäste betroffen sein werden.

Ist Bahn fahren eine Alternative bei Flugausfall?

Reisende bringen auf dem Flughafen ihr Gepäck zu den Flugschaltern. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Flüge werden behindert und fallen aus - Passagieren steht eine Ersatzbeförderung zu. picture-alliance / dpa -

Wenn der Flug ausfällt, können Passagiere auf die Bahn umsteigen. Allerdings hat die Bahn bereits mitgeteilt, dass der Streik zu kurzfristig angekündigt wurde. Sie könne deshalb keine zusätzlichen Züge aufs Gleis setzen. Es könnte also neben einem Flugchaos auch noch zu überfüllten Zügen kommen.

Zudem kann es sein, dass sich die Auswirkungen bis in den Freitag hinein ziehen. Wenn der Flugplan durcheinander geraten ist, dauert es erfahrungsgemäß immer, bis alles wieder planmäßig läuft. Also können eventuell auch am Freitag noch Flüge ausfallen.

Worum geht es im Tarifstreik des Sicherheitspersonals?

Es geht wie so oft ums Geld, um die Bezahlung der 23.000 Beschäftigten, die in den Sicherheitsbereichen der Flughäfen arbeiten und dort Passagiere, Fracht oder Waren kontrollieren. Bislang sind die Gehälter unterschiedlich je nach Bundesland und auch nach Einsatzbereich. Den Spitzensatz von über 17 Euro gibt es in Baden-Württemberg für Sicherheitsleute, die Passagiere und Gepäck kontrollieren. Den niedrigsten Satz bekommen Sicherheitsleute in Ostdeutschland, die zum Beispiel die Lkws kontrollieren, die Getränke und Verpflegung für die Flugzeuge anliefern.

Die Gewerkschaft Verdi fordert, dass künftig alle einheitlich bezahlt werden sollen - mit 20 Euro brutto die Stunde. Die Arbeitgeber lehnen das ab. Sie wollen, dass unterschiedliche Aufgaben auch weiterhin unterschiedlich bezahlt werden. Ansonsten würde es in der Spitze zu Lohnsteigerungen von über 40 Prozent kommen, rechnen die Arbeitgeber vor. Sie sind aber damit einverstanden, dass es bundesweit einheitliche Löhne für gleiche Aufgaben geben soll, dass also die Sicherheitsleute an der Passagierkontrolle in Stuttgart das gleiche verdienen wie die in Dresden. Sie wollen diese Angleichung aber über einen längeren Zeitraum von fünf Jahren. Damit wiederum ist Verdi nicht einverstanden.

Eine Einigung ist im Moment nicht in Sicht, am 23. Januar gehen die Verhandlungen weiter.

Online: Heidi Keller

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