Seltene Streuobst-Apfelsorte: Goldparmäne (Foto: dpa Bildfunk, Monika Lambert-Debong») +++(c) dpa - Bildfunk)

Supermarkt-Äpfel beschränken Artenvielfalt Das haben alte Apfelsorten Pink Lady voraus

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Supermarkt-Sorten wie Pink Lady, Golden Delicious oder Gala vereinheitlichen die Vielfalt. Dabei sind alte Apfelsorten wie Goldparmäne und Roter Boskoop besonders wichtig für Allergiker.

Die Apfelernte im Land ist gestartet – zu den Hauptsorten bei uns gehören Elstar, Jonagold, Gala und Braeburn.  Ein Apfel, der in den Supermärkten besonders heraussticht, ist aber Pink Lady – der Apfel mit dem Herzchen-Sticker. Pink Lady ist eine sogenannte Clubsorte. Also ein Apfel, der nur von einer begrenzten Zahl an Obstbauern – eben dem „Club“ – angebaut und dann unter einem bestimmten geschützten Markennamen verkauft wird.

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So funktioniert ein Club für Äpfel wie Pink Lady

Ein Landwirt, der zum Club gehören möchte, zahlt Lizenzgebühren und muss strenge Vorgaben erfüllen, zum Beispiel dazu, wie rot und wie fest der Apfel sein muss. Im Gegenzug werden die Äpfel dafür aufwendig beworben, und die Obstbauern bekommen relativ gute Preise für ihre Äpfel. Am Bodensee beispielsweise werden verschiedene Club-Apfelsorten angebaut, wie zum Beispiel Cameo, Kanzi und Rockit.

Pink Lady-Äpfel aber sind immer importiert – sie brauchen mehr Wärme. Zwischen November und Mai kommen sie aus Südeuropa, zwischen Juni und September von der Südhalbkugel.

Pink Lady ist keine Sorte, sondern ein Markenname – die Apfelsorte heißt Cripps Pink. (Foto: Colourbox, philipimage)
Pink Lady ist keine Sorte, sondern ein Markenname, im Supermarkt in Verbindung mit einem pinkfarbenen Herz auf der Folienverpackung – die Apfelsorte heißt Cripps Pink. philipimage

Kritik von Umweltschützern an Apfelsorten wie Pink Lady

Ein Kritikpunkt, zum Beispiel von Greenpeace oder dem Online-Magazin Utopia.de, ist, dass Pink Lady-Äpfel garantiert nicht aus der Region stammen. Und dass die Äpfel gespritzt werden. Das dürfte aber auf die allermeisten Tafeläpfel zutreffen.

Auch die weiteren Vorwürfe richten sich im Grund gegen die meisten modernen Supermarkt-Sorten – egal, ob nun Pink Lady, Golden Delicious oder Gala: Wenn in den Auslagen die immer gleichen zehn, zwölf Sorten liegen, geht die einstige Apfelsortenvielfalt nach und nach verloren. Pink Lady treibt das mit der Vereinheitlichung aber auf die Spitze.

Was die Vorbehalte gegen Supermarkt-Ware noch verstärkt: Apfel-Allergiker vertragen gerade moderne Sorten oft nicht – dazu gehört auch Pink Lady. Beim Essen jucken Mund und Rachen oder die Zunge schwillt an.

Äpfel, in die auch Allergiker unbeschwert reinbeißen können

Für Allergiker scheint es tatsächlich eine Alternative zu geben - das sind die alten Apfelsorten. Sie haben so schöne Namen wie Eifeler Rambur, Goldparmäne und Roter Boskoop. Alte Sorten enthalten große Mengen an gesundheitsfördernden Polyphenolen. Sie geben den Äpfeln Geschmack und Säure. Und viele Allergiker scheinen diese Sorten zu vertragen.

Nicht nur das: Wer regelmäßig alte Apfelsorten isst, könnte gute Chancen haben, dass er damit auch die neueren Supermarkt-Sorten wieder besser verträgt. Das zumindest legt eine kleine Beobachtungsstudie an der Berliner Charité nahe.

Seltene Streuobst-Apfelsorte: Goldparmäne (Foto: dpa Bildfunk, Monika Lambert-Debong») +++(c) dpa - Bildfunk)
Seltene alte Streuobst-Apfelsorte: die Goldparmäne. Monika Lambert-Debong») +++(c) dpa - Bildfunk

Hier findet man alte Apfelsorten

An alte Sorten kommt man allerdings nicht so leicht ran. Sie wachsen meist auf Streuobstwiesen – manche Bauern verkaufen sie direkt ab Hof. Ansonsten gibt es alte Apfelsorten auch auf Wochenmärkten.

Diese Äpfel sind dann aus der Region, sie wurden in der Regel nicht gespritzt – und wer solche Äpfel kauft, trägt dazu bei, dass die Sortenvielfalt erhalten bleibt. Das ist sozusagen das Gegenmodell zu Pink Lady.

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