Auch im Südwesten sind viele Bahnbrücken marode Kosten für Brückensanierungen explodieren

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Viele Eisenbahnbrücken müssen dringend saniert werden. Die Kosten, die der Bund dafür veranschlagt, steigen rasant. Das liegt auch an Planungsfehlern der Bahn.

Eisenbahnbrücke (Foto: SWR, SWR -)
Die Eisenbahnbrücke in Nistertal im Westerwald – viele Eisenbahnbrücken in Rheinland-Pfalz sind wahre Technikdenkmäler. SWR -

Über 25.000 Bahnbrücken gibt es in Deutschland, die älteste ist 181 Jahre alt. Die Kosten für deren Instandhaltung steigen rasant: 1,2 Milliarden Euro mehr sind für das Sanierungsprogramm vorgesehen. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen hervor. Die veranschlagten Baukosten haben sich somit zwischen 2015 und 2018 mehr als verdoppelt.

Viele Bahnbrücken im Südwesten sind marode

Auch viele der 1.900 Bahnbrücken in Rheinland-Pfalz brauchen dringend eine Sanierung. Zahlen über das aktuelle Ausmaß legte die Bahn auf Anfrage des SWR nicht vor. Vor zwei Jahren waren allerdings 113 Brücken betroffen. Im Mai 2017 brauchten in Baden-Württemberg 111 der 3.104 Bahnbrücken im Land eine Kompletterneuerung. Bundesweit sind zurzeit der Bahn zufolge fünf Prozent aller Eisenbahnbrücken betroffen – das sind rund 1.250 Brücken. Im Internet bietet die Bahn zu vielen Brücken detaillierte Informationen an.

Für den Kostenanstieg verantwortlich ist zu einem großen Teil die Bahn selbst. Der Bundesrechnungshof hat in der Vergangenheit immer wieder kritisiert, dass die Bahn ihre Brücken zu lange vernachlässigt habe. Weil Reparaturen ausblieben, traten grundlegende Beschädigungen schneller und häufiger auf, als eigentlich nötig gewesen wäre.

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Bahn taxierte Alter vieler Brücken falsch

Außerdem sind in den vergangenen Jahren außerplanmäßig 2.000 weitere Brücken als Sanierungsfälle eingestuft worden. Wie Recherchen des „Tagesspiegel“ ergeben haben, hat die Bahn in der Vergangenheit bei vielen Brücken fälschlicherweise pauschal das Baujahr 1927 vermerkt. Mittlerweile ist der Fehler internen Papieren des Konzerns zufolge aufgefallen. Das hat Folgen für den Fiskus: 2.000 zusätzliche Brücken müssen nun vor der Zeit saniert werden, was die Kosten für das Sanierungsprogramm weiter treibt.

Auf der anderen Seite ist die Bahn allerdings auch Verlierer des Baubooms in Deutschland: Viele Dienstleistungen von Baufirmen sind infolge der Hochkonjunktur in der Branche in den vergangenen Jahren teurer geworden. Die Bahn bekommt das besonders stark zu spüren. Sie ist bei der Brückensanierung auf viele Spezialfirmen mit besonderen Fachwissen angewiesen. Das geringe Angebot treibt die Preise.

Und dann trifft die Bahn auf diesem Markt noch einen mächtigen Konkurrenten: den Bund. Weil auch der Staat einen großen Teil seiner Verkehrsinfrastruktur erneuern muss, konkurrieren Bahn und Bund um die Dienstleistungen der Baufirmen.

Zurzeit setzt die Bahn eigenen Angaben zufolge das größte Modernisierungsprogramm ihrer Geschichte um. In diesem Zusammenhang sind in den Jahren 2015 bis 2018 bundesweit 770 Eisenbahnbrücken modernisiert worden. Bis Ende des Jahres sollen weitere hundert dazukommen.

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