Ein Trauriges Sparschwein mit Pflaster. (Foto: Getty Images, Thinkstock -)

Standpunkt: Weltsparwoche macht wenig Sinn Sparen ohne Zinsen - Wie erkläre ich das Kindern?

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Viele erinnert der Weltspartag an ihre Kindheit: Man schlachtete sein Sparschwein, brachte das Geld zur Bank, bekam ein Geschenk – und Zinsen. Für Eltern heutzutage ist das schwer zu vermitteln.

Tamara Land aus unserer Wirtschaftsredaktion ist selbst Mutter und hat sich in der Weltsparwoche die Frage gestellt: Wie erklärt man seinen Kindern, was Zinsen sind?

Tamara Land, SWR Aktuelle Wirtschaft (Foto: SWR, SWR)
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Meine große Tochter hatte letzte Woche Geburtstag. Sie ist fünf geworden und hat ihr erstes Sparschwein bekommen – genauer gesagt eine Spar-Meerjungfrau – und ihr erstes Taschengeld: 50 Cent pro Woche, das entspricht der Empfehlung des Bundesfamilienministeriums (Infos vom Deutschen Jugendinstitut). Meine Tochter hat die Münze gemustert und mich etwas verunsichert gefragt, was sie damit jetzt machen soll. Ich habe sie angestrahlt und ihr gesagt, dass sie sich davon etwas kaufen darf – Süßkram oder Aufkleber. 

Null-Zins-Politik: Konsumieren statt sparen

Auf die Idee, dass sie das Geld zur Bank bringen könnte, bin ich ehrlich gesagt gar nicht gekommen. Dabei hat meine Tochter sogar ein Kinderkonto, wir haben es ihr zur Geburt eingerichtet. Und von ihrer Bank hat meine Tochter letzte Woche auch fast pünktlich zum Geburtstag Post bekommen. Sehr geehrte Frau Land, stand da – adressiert an eine Fünfjährige – wir möchten Sie darüber informieren, dass sich die Konditionen Ihres Kontos verändert haben. Die Bank hat den Zins für das Kinderkonto auf 0,00 Prozent gesenkt. Ich habe meiner Tochter diesen Brief vorgelesen – sie hat es aber, glaube ich, nicht verstanden.

Tja, wie soll ich ihr da bloß erklären, was Zinsen sind? Oder besser gesagt, was Zinsen früher mal waren? Nach den Jahren der Null-Zins-Politik der Europäischen Zentralbank gibt es da nicht mehr viel zu erklären: Es gibt keine Zinsen – Punkt. In meiner Kindheit war es noch eine Selbstverständlichkeit: Geld vermehrt sich, wenn man es aufs Sparbuch legt. Für meine Kinder gilt das nicht mehr – sie haben Glück, wenn ihr Erspartes nicht größtenteils von der Inflation aufgefressen wird.

Schwer zu verstehen: Index-Fond, ETF, Aktien, MSCI World

Natürlich gibt es Alternativen: Mein Mann und ich könnten für unsere Kinder ein Aktiendepot anlegen. Solche Depots gibt es speziell für Kinder, und wenn Oma und Opa zum Geburtstag oder zu Weihnachten Geld schenken, dann stecken wir das einfach in einen renditestarken Aktienfonds. Oder besser noch in einen Index-Fonds, kurz ETF.

Das Problem ist nur: Viele Erwachsene können mit dem Begriff ETF nichts anfangen. Wie soll ich meiner Fünfjährigen erklären, dass man mit einem ETF in einen Fonds investiert, der die Entwicklung eines Index nachbildet, zum Beispiel des Deutschen Aktienindex Dax oder noch besser des weltweiten MSCI World? Das übersteigt leider den Horizont meiner Tochter. Dabei war es doch die Idee des Weltspartags, Kindern den Umgang mit Geld beizubringen, ihnen zu vermitteln, dass man nicht sofort alles auf den Kopf haut, dass man auch an morgen denken muss.

Durch die Geldpolitik der vergangenen Jahre hat der Weltspartag seinen ursprünglichen Sinn verloren. Die Lehre ist inzwischen eine andere: Meine Tochter kann die 50 Cent ruhig heute für Süßkram ausgeben, denn wer weiß schon, ob sie für das Geld auch morgen noch einen Lutscher bekommt.

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