Kugelschreiber liegt auf Formular für Steuererklärung (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Viel für den Fiskus So ungerecht ist das deutsche Steuersystem

AUTOR/IN

Deutschland ist ein Hochsteuer-Land: Kaum ein anderes Land nimmt seinen Bürgern so viel Geld ab wie die Bundesrepublik. Und die Lasten sind zudem auch noch ungerecht verteilt.

Rund die Hälfte geht an den Staat

Der Blick auf den Gehaltszettel sorgt bei vielen Beschäftigen Monat für Monat für Frust und Ärger: Denn vom Bruttolohn bleibt nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben nur noch rund die Hälfte übrig. Laut einer Studie der OECD ist Deutschland neben Belgien das Land in Europa, in dem Steuerzahler am meisten zahlen. Viele Steuerzahler finden das ungerecht. Eine Umfragen vom Bund der Steuerzahler zeigt: 90 Prozent, finden, dass die Abgaben in Deutschland zu hoch sind. Vor drei Jahren waren nur 60 Prozent dieser Meinung. „Wir hatten schon lange keine Steuerreform mehr, keine umfangreiche Entlastung“, erklärt Zenon Bilaniuk, Vorsitzender des baden-württembergischen Steuerzahler-Landesverband. Das ärgere die Leute.

Mann im Anzug hält einen Haufen 2-Euro-Münzen in den Händen (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
In Deutschland ist die Steuerlast besonders hoch Picture Alliance

Der Spitzensteuersatz greift zu früh

Darüber hinaus gibt es Ungerechtigkeiten innerhalb des Systems. Dazu gehört beispielsweise der Spitzensteuersatz von 42 Prozent. Dieser greift ab einem zu versteuernden Einkommen von 54.000 Euro und damit viel zu früh, kritisiert Steuerexperte Bilaniuk. „In den Fünfzigerjahren musste man circa zwanzig Mal mehr verdienen als ein Durchschnittsverdiener, um den Spitzensteuersatz zu zahlen“, so Bilaniuk. Heute müsse man bereits beim 1,5-fachen des Durchschnittsverdienst den Spitzensteuersatz zahlen. Dadurch werde die Mittelschicht über Gebühr belastet.

Erbschaften werden ungleich behandelt

Eine weitere Ungerechtigkeit findet sich beim Thema Erben. Nach Schätzungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung werden in den kommenden Jahren knapp 400 Millionen Euro jährlich an die nächste Generation übertragen. Abzüglich der Freibeträge müssen enge Verwandte bis zu 30 Prozent Erbschaftssteuer auf den Nachlass zahlen, es sei denn, sie erben ein Unternehmen. Dann fällt unter bestimmten Voraussetzungen überhaupt keine Erbschaftssteuer an.

Testment wird handschriftlich verfasst (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Pro Jahr werden knapp 400 Mio Euro vererbt Picture Alliance

Um die Ungerechtigkeiten zu beseitigen, müsste das Steuerrecht reformiert werden, fordert unter anderem der Bund der Steuerzahler. Und die Einnahmen – in diesem Jahr werden es schätzungsweise 800 Milliarden Euro sein – sollten an den richtigen Stellen investiert werden, etwa in Infrastruktur und Klimaschutz.

Dauer
AUTOR/IN
STAND
ONLINEFASSUNG