So können Sie sich schützen Trickdiebe auf dem Wochenmarkt

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Viele Menschen auf engem Raum - und unzählige Ablenkungen: Wochenmärkte sind für Trickdiebe ideales Terrain. Die Maschen der Marktdiebe - und wie man sich dagegen schützt.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
21:00 Uhr
Sender
SWR Fernsehen

Frisches Gemüse aus der Region, ein kurzer Plausch mit den Standbetreibern, Einkaufen wie zu Großmutters Zeiten: Viele Leute gehen gerade an Wochenendenden gern zum Bummeln auf den Wochenmarkt. Doch das Treiben zieht auch zwielichtige Besucher an: Für Trickdiebe sind Märkte nahezu ideales Terrain.

Das kleine Einmaleins der Taschendiebe

Die Gründe dafür erklärt uns Giovanni Alecci. Er ist Zauberkünstler und Showdieb. Wir sind mit ihm auf dem Mainzer Wochenmarkt verabredet. Er soll uns demonstrieren, wie einfach es Taschendiebe auf Märkten haben:

„Hier sind die Menschen abgelenkt. Hier gibt es auf für Diebe viele Möglichkeiten, die Besucher selbst abzulenken. Dauernd werden die Besucher berührt. Und zudem sind die Leute mit sich selbst beschäftigt - gehen ihre Einkäufe durch und planen, was sie kochen wollen.“

Zauberkünstler und Showdieb Giovanni Alecci

Die Trickdiebe gehen hier sehr systematisch vor. Profis orientieren sich dabei an den vier As der Taschendiebe, erklärt Giovanni Alecci:

„Erst das Opfer ausspähen, dann ablenken - dann das Diebesgut abgreifen - und zum Schluss abtransportieren.“

Zauberkünstler und Showdieb Giovanni Alecci

Trick 1: Die unauffällige Berührung

Marktstände mit Mitarbeitern und Kunden, im Hintergrund einige Altstadtgebäude und ein neueres Gebäude. Im Vordergrund zwei Stände, die vor allem Spargel im Angebot haben.Wochenmärkte wir hier in Mainz sind ideales Terrain für Taschendiebe. Auf dem Mainzer Wochenmarkt herrscht dichtes Gedränge. Beste Voraussetzungen für Trickdiebe. Leichte Berührungen sind für die Besucher nichts ungewöhnliches. Sie werden kaum wahrgenommen. Auch der kurze Griff in die Jackentasche wird von den Besuchern nicht registriert. Das böse Erwachen kommt vielleicht erst zu Hause, wenn das Portemonnaie fehlt.

Bei dreisten Trickdieben muss die Berührung nicht mal unbemerkt bleiben: Giovanni Alecci scherzt mit einem Mann, berührt ihn dabei mit der linken Hand. Derweil greift seine Rechte unauffällig in die Jackentasche des Opfers.

Trick 2: Der hilfsbedürftige Komplize

Noch leichter geht die Ablenkung im Team. Giovanni Alecci hat dazu einen Kollegen mitgebracht. Dieser verwickelt einen Passanten in ein Gespräch - fragt nach einem Stand, an dem er Eier kaufen kann. Der Mann ist völlig ins Gespräch vertieft, abgelenkt. Auf diesen Moment hat der Showdieb gewartet: Er schnappt sich die Tasche des Opfers - von diesem völlig unbemerkt.

Trick 3: Der künstliche Stau

Auch beim nächsten Trick gehen die Diebe gemeinsam vor: Giovannis Kollege überholt das Opferpaar - und bleibt dann plötzlich stehen. Auch das Opferpaar verlangsamt seine Schritte. Eine ganz normale Situation auf einem Markt. Doch für die Trickdiebe ist es die ideale Gelegenheit. Giovanni tritt an die stehenden Passanten heran. Als diese sich am Komplizen vorbeischieben wollen, greift er zu: Die Opfer konzentrieren sich auf das Überholen, den Griff in die Tasche nehmen sie gar nicht wahr.

Wie man sich schützen kann

Giovanni Alecci hat ein paar Tipps, wie man den Taschendieben die Arbeit auf dem Markt erschweren kann. Man muss den Trickdieben das Signal senden: Hier gibt es nichts zu holen:

„Man sollte also auf keinen Fall sein Portemonnaie oder andere Wertsachen offen zur Schau stellen. Die Dinge gehören in die Innentasche. Wenn keine Beute zu sehen ist, wird der Taschendieb nicht zugreifen. Auf keinen Fall sollte man sein Portemonnaie offen auf der Theke eines Standes liegenlassen.“

Zauberkünstler und Showdieb Giovanni Alecci

Handtaschen oder Rucksäcke am besten so umhängen, dass man die Tasche im Blick hat und die Öffnung zum Bauch zeigt.

Was nach einem Diebstahl zu tun ist

Wenn es doch zu einem Diebstahl gekommen ist, gilt es, schnell zu handeln, rät die Polizei.

  • Machen Sie andere Personen auf den Dieb aufmerksam und fordern Sie Umstehende direkt zur Mithilfe auf. Organisieren Sie Hilfe.
  • Kümmern Sie sich um das Opfer.
  • Stellen Sie sich als Zeuge zur Verfügung. Wenn Sie selbst Opfer geworden sind, notieren Sie die Kontaktdaten von Zeugen, die etwas beobachtet haben.
  • Melden Sie den Vorfall unter der Nummer 110 der Polizei.
  • Die Bundespolizei bietet unter folgender Telefonnummer eine kostenlose Hotline: 0800 / 6 888 000.

Sperr-Notruf 116 116

Sperrnotrufnummer 116 116 für EC-Karten (Foto: Pressestelle, SERVODATA GmbH)
EC-Karten können bundesweit über 116 116 gesperrt werden. Pressestelle SERVODATA GmbH

Ist eine Karte geklaut worden, oder Sie haben den Verdacht, Ihre Kartendaten wurden ausgespäht, dann sollten Sie sie am besten sofort sperren lassen. Debitkarten (z.B. Girocard, früher auch als EC-Karte bezeichnet) können bundesweit über die einheitliche zentrale Telefonnummer 116 116 * gesperrt werden. Im Ausland funktioniert die Nummer ebenfalls, es muss dazu allerdings die Landesvorwahl 0049 vorgewählt werden. Zudem ist der Sperr-Notruf im Ausland unter der Nummer 0049-(0)30 40 50 40 50 erreichbar. In Deutschland können Sie auch alternativ diese Nummer anrufen: 01805/021 021 **

Der Sperr-Notruf 116 116 ist rund um die Uhr und gebührenfrei erreichbar. Er ist für sprach- und gehörgeschädigte Menschen auch per FAX unter der 116 116 erreichbar.

Welche Karten können gesperrt werden?

Mit dem Sperr-Notruf 116 116 können Kunden alle Karten sperren, deren Herausgeber sich der Nummer angeschlossen haben. Das sind 90 Prozent aller Bank- und Zahlungskarten.

Welche Angaben werden zum Sperren gebraucht?

Wenn Sie ihre Karte sperren lassen möchten, benötigen Sie bei Debitkarten unbedingt die Kontonummer. Haben Sie die IBAN oder die Bankleitzahl vorliegen, beschleunigt das den Prozess. Bei Kreditkarten brauchen Sie nur den Namen der Bank oder die Bankleitzahl.

Sperrnummern für Kreditkarten:

  • MasterCard nur Deutschland: 0800 819 1040 *
  • aus anderen Ländern (R-Gespräch): +1 636 7227 111
  • Visa: 0800 811 8440 *
  • aus anderen Ländern (R-Gespräch): +1 303 9671 096
  • American Express: +49 69 97 97 2000 **
  • Diners Club: +49 69 900 150 135 oder 136**

* Kostenlos aus dem deutschen Festnetz und aus dem Mobilfunknetz innerhalb Deutschlands, abweichende Gebühren aus dem Ausland

** 14 Ct./Min. aus dem dt. Festnetz, 42 Ct./Min. Mobilfunkhöchstpreis, abweichende Gebühren aus dem Ausland

rot unterstrichener Minusbetrag auf einem Kontoauszug (Foto: Getty Images, Zoonar RF)
Der Lastschriftverkehr sollte über KUNO ebenfalls gesperrt werden Zoonar RF

Sperren alleine reicht nicht: Lastschriftverkehr über KUNO ebenfalls sperren

KUNO (Kriminalitätsbekämpfung im unbaren Zahlungsverkehr unter Nutzung nichtpolizeilicher Organisationsstrukturen) ist ein freiwilliges System der Wirtschaft und der Polizei. Nachdem Sie den Verlust oder Diebstahl ihre Debitkarte bei der Polizei gemeldet haben, werden die benötigten Daten (Kontonummer, Bankleitzahl und Kartenfolgenummer, die Kartenfolgenummer kann nachgemeldet werden) an die Kooperationspartner des Einzelhandels weitergegeben. Dadurch werden die am KUNO teilnehmenden Händler informiert. Daraufhin können auch keine Lastschriftzahlungen (Bezahlen mit Karte und Unterschrift) mehr bei jenen Händlern vorgenommen werden. Alle Informationen rund um das KUNO finden Sie hier.

SOS-Infopass

Den sogenannten SOS-Infopass können Sie hier herunterladen und anschließend ausdrucken. Auf dem Merkblatt sind alle wichtigen Informationen, Vorgehensweisen und Telefonnummern zusammengestellt, die Sie für eine Kartensperrung benötigen.

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