Ein Wasserfall im Regenwald (Foto: Unsplash/ Paulius Dragunas)

Greenwashing von Unternehmen So bekommen Produkte einen Öko-Anstrich

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Unternehmen versuchen, ihre Produkte möglichst grün und nachhaltig zu bewerben. Doch so ökologisch wie angegeben, sind die Produkte oft nicht. Das nennt man Greenwashing.

Eine gute CO2-Bilanz, wenig Wasserverbrauch oder eine ökologische Verpackung: Viele Produkte versprechen uns ein gutes Gewissen beim Konsum. Unternehmen geben ihren Produkten immer öfter einen scheinbar umweltfreundlichen oder ökologischen Anstrich. Der Verbraucher soll glauben, er tue etwas für die Nachhaltigkeit. Doch oft steckt nicht viel dahinter.

Greenwashing bei zahlreichen Produkten

Philipp Sommer von der Deutschen Umwelthilfe nennt als ein Beispiel für Greenwashing die erste Getränkeflasche aus gesammelten Plastikmüll aus dem Meer. Das klinge erstmal gut, täusche aber darüber hinweg, dass es sich um eine Einwegflasche handelt, die eigentlich nicht gut für die Umwelt sei. Für Verbraucher sei diese Schönfärberei schwer zu erkennen, kritisiert er.

Auch Adidas wirbt damit, Plastik aus dem Meer zu recyclen und in Schuhen zu verarbeiten. Doch Plastik aus dem Meer zu recyclen und anschließend zu verarbeiten sei sehr teuer und nicht wirtschaftlich, sagt Professorin Gilian Gerke von der Hochschule Magdeburg-Stendal. Auf Nachfrage von Report Mainz erklärt Adidas, das Plastik stamme von den Stränden. "Unsere Konsumenten verhindern durch Kauf [...], dass Plastikmüll in die Ozeane gelangt."

Siegel: Blauer Engel, EU-Bio und Grüner Knopf

Wer wirklich nachhaltige Produkte kaufen will, sollte sich nicht auf Werbeversprechen verlassen, sondern lieber an staatlichen Siegeln orientieren. So kann man bei den staatlichen Siegeln "Blauer Engel", "EU-Bio" und "Grüner Knopf" sicher sein, dass es sich um nachhaltigere Produkte handelt als konventionell hergestellte Waren. Produkte, die eines der drei Siegel tragen, müssen Mindestanforderungen in den Bereichen Umwelt- und Klimaschutz erfüllen. Allerdings: Auch bei den staatlichen Siegeln, muss man genau wissen, was sie eigentlich versprechen. Bio beispielsweise bedeutet oft nicht das, was sich Verbraucher darunter vorstellen.

Bei vielen anderen Siegeln ist oftmals nicht sofort klar, was hinter ihnen steckt. Verbraucher können auf den Webseiten wie beispielsweise Label Online oder Siegelklarheit nachsehen, wofür die einzelnen Siegel stehen.

Jeder achtet auf andere Aspekte der Nachhaltigkeit

Ein weiteres Problem, Greenwashing zu erkennen besteht darin, dass jeder Verbraucher auf andere Aspekte achtet. Es gibt also kein Geheimrezept, mit dem Verbraucher Greenwashing auf die Schnelle erkennen können.

"Die Produkte sind extrem unterschiedlich, zum Beispiel beim Fisch. Dem einen kommt es mehr drauf an, dass das Fisch ist, der nicht aus überfischten Fanggründen kommt. Dem anderen kommt es mehr auf die sozialen Herstellungsbedingungen an. Und dann kommt es ja auch drauf an, wie gewichtet man das."

Corinna Fischer, Ökoinstitut

Greenwashing in der Vergangenheit

Die Krombacher-Kampagne aus dem Jahr 2002, bei der mit einem Quadrameter Regenwald für jeden Kasten verkauftes Bier geworben worden war, war eine Greenwashing-Kampagne, die den meisten Deutschen in Erinnerung geblieben sein dürfte. Auf zahlreiche Zuschriften, die nach dem Umweltschutz im eigenen Unternehmen fragten, hatte die Brauerei damals zunächst keine Antwort.

Ein weiteres Beispiel für Greenwashing war die Kampagne von RWE aus dem vergangenen Jahrzehnt. Der Energiekonzern produzierte den Großteil seines Stroms aus Kohlestrom, nur ein kleiner Teil kam aus Windkraftenergie. Dennoch warb der Konzern großspurig mit Windkraftanlagen.

Begriff Greenwashing

Als Erfinder des Begriffes gilt der US-Umweltaktivist Jan Westerveld. Er verwendete ihn 1986 in einem Artikel über angeblich umweltfreundliche Hotels, die ihre Kunden mit kleinen Schildchen zum Wassersparen auffordern. Möglicherweise hat Westerveld sich dabei an einem anderen Begriff, dem sogenannten Whitewashing orientiert. Whitewash (Englisch) ist nichts anderes als ein Kalkanstrich. Weiße Kalkfarbe war jahrhundertelang die einzige bezahlbare Möglichkeit, um eine heruntergekommene Fassade aufzuhübschen. Also auch eine Methode, um Dinge auf den ersten Blick schön aussehen zu lassen, obwohl sie es dahinter gar nicht sind.

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