Eva Gouwens, CEO des niederländischen Smartphone-Herstellers Fairphone, bei der Vorstellung des Fairphone 3 in Berlin (Foto: dpa Bildfunk, Bernd von Jutrczenka/dpa +++ dpa-Bildfunk)

Smartphone ohne Ausbeutung So fair ist das neue Fairphone

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Das niederländische Unternehmen Fairphone bemüht sich, Smartphones ohne Ausbeutung von Arbeitern, militärische Gewalt und Umweltschäden herzustellen. Doch dies ist schwierig.

100-Prozent fair – das geht bei den Rohstoffen und bei den Arbeitsbedingungen rund um ein Smartphone gar nicht. Dafür sind die Lieferketten viel zu kompliziert: Der Zulieferer hat wieder Zulieferer und diese Zuliefer haben Subunternehmen und diese haben auch Zulieferer - eine Kontrolle ist bei diesen Strukturen nahezu unmöglich. Wichtige Rohstoffe sind kaum komplett fair erhältlich.

Bis zu 30 seltene Metalle für ein Smartphone

Das niederländische Unternehmen Fairphone bezieht die wichtigen Rohstoffe Zinn und Tantal inzwischen aus konfliktfreien Minen im Kongo. Das heißt, mit dem Geld aus Abbau und Handel werden keine kriegerischen Auseinandersetzungen finanziert. Für Wolfram haben sie inzwischen eine konfliktfreie Quelle in Afrika und Gold beziehen sie aus Fairem Handel.

Eine Fairphone-Mitarbeiter in einer Wolframcarbid-Mine in Ruanda. (Foto: Pressestelle, Monique Lempers 2016/Tungsten mining)
Eine Fairphone-Mitarbeiterin in einer Wolframcarbid-Mine in Ruanda. Pressestelle Monique Lempers 2016/Tungsten mining

Das ist in Sachen Fairness schon ein Fortschritt, denn für die Smartphone-Produktion braucht es bis zu 30 verschiedene seltene Metalle, die meistens unter menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen und hohen Umweltbelastungen abgebaut werden.

Nachhaltig, langlebig und sogar reparierbar

Wo das Fairphone mehr punkten kann, ist beim Thema Nachhaltigkeit, weil es langlebiger ist als übliche Smartphones. Ein Fairphone ist reparierbar – und es ist ausdrücklich gewünscht. Akku, Bildschirm, Kamera können vom Kunden selbst ausgetauscht werden. Es gibt entsprechende Anleitungstools und Ersatzteillager. Und die Garantie bleibt gewährt auch wenn Technik-Laien selbst Hand anlegen.

Fairphone wird selbst repariert (Foto: Pressestelle, LONNEKEVANDERPALEN_FAIRPHONE_07)
Das Fairphone verliert seine Garantie auch nicht, wenn der Besitzer es selbst auseinander nimmt. Pressestelle LONNEKEVANDERPALEN_FAIRPHONE_07

Aus Fehlern in der ersten Generation gelernt

Ein Smartphone möglichst lange nutzen, spart Rohstoffe und Energie. Schlecht gelaufen ist diese Idee noch bei der ersten Variante des Fairphone, weil später ein Zulieferer ausgestiegen ist und keine Ersatzteile mehr hergestellt wurden. Ein Fehler aus dem man gelernt hat. Und den man – wie alle anderen Lücken und Tücken – kommuniziert hat. Den Pluspunkt gab es von Germanwatch bei einem Smartphone-Vergleich: Fairphone ist transparent und ehrlich – auch wenn es um Schwierigkeiten geht.

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