Ein PSA Test mit Testergebnis (Foto: Getty Images, Thinkstock -)

Früherkennung von Prostatakrebs PSA-Test: Mehr Schaden als Nutzen?

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PSA-Screening ist der Bluttest zur Früherkennung von Prostatakrebs. Doch Studien zeigen: Die Ergebnisse sind ungenau – und können zu überflüssigen Therapien führen.

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20:15 Uhr
Sender
SWR Fernsehen

Es klingt fast trügerisch einfach: Eine kleine Menge Blut soll Aufschluss geben, ob eine Krebserkrankung vorliegt oder nicht. Das ist das Versprechen des PSA-Test, eines der wichtigsten Instrumente zur Frühdiagnose von Prostatakrebs – der mit mehr als 63.400 Neuerkrankungen pro Jahr häufigsten Krebserkrankung unter Männern.

Studien zeigen: Risiken überwiegen den Nutzen

Doch der Test steht seit Jahren in der Kritik. Die Aussagekraft der Untersuchung wird von Medizinern seit langem in Frage gestellt. Ein Grund, warum die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für den Test ohne zusätzliche Indizien für eine Erkrankung nicht übernehmen. Eine neue Auswertung durch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat diesen Verdacht jetzt erhärtet. Verglichen wurden elf Studien, die Nutzen und mögliche Risiken des PSA-Tests überprüft haben. Insgesamt konnte Untersuchungsleiter Stefan Sauerland so auf Daten von etwa 400.000 Männern zugreifen – mit einem eindeutigen Ergebnis:

"Aus unserer Sicht ist ein PSA-Screening nicht sinnvoll. Man sollte das nicht als Kassenleistung in Deutschland einführen, weil die Nachteile die Vorteile deutlich überwiegen."

Prof. Stefan Sauerland, Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen

Wie funktioniert der PSA-Test?

Blutproben während einer PSA-Analyse, im Bild stehen die Buchstaben "PSA" (Foto: SWR)
Blutproben während einer PSA-Analyse

Die Abkürzung PSA steht für prostata-spezifisches Antigen. Das ist ein Eiweiß, das in der Prostata gebildet wird. Beim PSA-Test wird die Konzentration der Substanz im Blut der Patienten untersucht. Der Wert wird in Nanogramm pro Milliliter Blut (ng/ml) angegeben. Bei Gesunden ist er in der Regel niedrig – bei jungen Männern liegt er oft unter 1 ng/ml. Liegt der Wert bei mehr als 4 ng/ml, kann das ein Indiz für eine Erkrankung der Prostata sein.

Allerdings können auch harmlose Faktoren den PSA-Wert in die Höhe treiben. Dazu zählen:

  • Sexuelle Aktivität
  • Hohe körperliche Belastung (beispielsweise durch sportliches Fahrradfahren)
  • Entzündungen der Prostata
  • Harnwegsinfekte
  • Zunehmendes Alter

Daneben hat eine italienische Studie im letzten Jahr gezeigt, dass der PSA-Test auch bei Rauchern deutlich weniger aussagekräftig ist als bei Nichtrauchern. Wegen solcher Störfaktoren liefert der PSA-Test also kein eindeutiges Ergebnis: Ein erhöhter Wert kann auf eine Erkrankung hinweisen, muss aber nicht. Berechnungen des IQWiG zufolge könnten durch einen Screening bei 1.000 Männern nur drei vor einem vorzeitigen Tod durch Prostatakrebs gerettet werden - allerdings werden 80 alarmiert, obwohl sie keine Krebszellen im Körper tragen.

Aktionistische Behandlungen und psychische Probleme

Ein falscher Alarm kann für die Betroffenen schlimme Folgen haben: In den meisten Fällen wird bei den Patienten in der Folge eine Prostatabiopsie vorgenommen, also eine Entnahme von Prostatagewebe. Bei einem kleinen Teil der Betroffenen treten dabei Probleme auf. Daneben vermuten die Experten, dass bei einem Teil der falsch Diagnostizierten Therapien eingeleitet werden – mit zum Teil erheblichen Folgen wie Impotenz und Inkontinenz.

Neben solchen organischen Störungen kann die Fehldiagnose auch seelische Belastungen zur Folge haben: Die unnötige Aufregung nach der falschen Krebsdiagnose setzt den Betroffenen stark zu.

 Mitarbeiter betrachten in einem Kontrollraum des Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) auf einem Monitor das Querschnittsbild einer Prostata.  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/Uwe Anspach/dpa)
Neue Medikamente und Therapieformen haben in den vergangenen Jahren die Behandlungsmöglichkeiten bei Prostatakrebs erweitert. picture alliance/Uwe Anspach/dpa

Bei erblicher Vorbelastung kann Test sinnvoll sein

Trotz solcher Risiken raten viele Ärzte, im Alter zwischen 45 und 70 Jahren den Bluttest in Anspruch zu nehmen. Besonders Personen mit Vorerkrankungen in der Familie können ihr Risiko auf diese Weise reduzieren.

Und die Störfaktoren beim Test können eingedämmt werden – vor allem durch regelmäßige Kontrollen: Liegen Vergleichswerte von vorausgegangenen Untersuchungen vor, können die Ärzte leichter erkennen, ob der Wert außergewöhnlich stark gestiegen ist. Das Risiko, unnötige Therapien einzuleiten, sinkt.

„Wir müssen schon schauen, dass wir den PSA intelligent nutzen. Es geht darum, dass man durch eine PSA gestützte Früherkennungsdiagnostik, Früherkennungsprogramm die Patienten findet, bei denen eine Therapie notwendig ist. Ganz konkret wäre es gut, wenn die Kassen die Kosten für das PSA und die Beratung des Patienten im Risikoalter von 45 bis 70 übernehmen würden."

Prof. Jens Rassweiler, SLK-Kliniken Heilbronn

Zugleich steigt durch die Wiederholung die Wahrscheinlichkeit, einen bösartigen Tumor im Frühstadium zu erkennen – die Voraussetzung für gute Heilungschancen. Ein Pluspunkt gegenüber dem üblichen Verfahren zur Diagnose von Prostatatumoren, der Tastuntersuchung: Weil ein Tumor erst ein bestimmtes Wachstumsstadium erreicht haben muss, damit er vom Arzt rektal ertastet werden kann, scheidet die Tastuntersuchung als Verfahren zur Früherkennung aus. Dennoch ist sie bei gesetzlich Versicherten ab einem Alter von 45 Jahren eine Kassenleistung – anders als der PSA-Test, den die Betroffenen ohne zusätzliche Indikation selbst zahlen. Zwischen 25 und 35 Euro müssen Versicherte für die Vorsorgeuntersuchung hinlegen.

Es zählt die persönliche Entscheidung

Es gibt also gute Gründe für und gegen den PSA-Test. Die Verbraucherzentralen sprechen von einer ganz persönlichen Entscheidung, in die in jedem Fall der Arzt einbezogen werden sollte. Eine Entscheidungshilfe liefern kann auch die Patientenleitlinie zur Früherkennung von Prostatakrebs.

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